Ta­ges­ord­nung

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Politik -

Kei­ne Sit­zung oh­ne Ta­ges­ord­nung. Das ist im Bun­des­tag nicht an­ders als in je­dem Ge­mein­de­rat. Nur ein biss­chen kom­pli­zier­ter. Denn die Fra­ge, was der Bun­des­tag wann und wie lan­ge be­han­delt, ist mit­un­ter von ho­her po­li­ti­scher Be­deu­tung. Ger­ne näm­lich nut­zen die Re­gie­rungs­frak­tio­nen ih­re Mehr­heit, um un­an­ge­neh­me The­men oder An­trä­ge der Op­po­si­ti­on in die spä­ten Nach­mit­tags- oder Abend­stun­den ab­zu­schie­ben.

Die Ta­ges­ord­nung je­der Sit­zung des Bun­des­ta­ges wird vom Äl­tes­ten­rat fest­ge­legt, ihm ge­hö­ren der

Der Äl­tes­ten­rat stellt die Wei­chen

Prä­si­dent des Bun­des­tags, sei­ne Stell­ver­tre­ter so­wie 23 wei­te­re Ab­ge­ord­ne­te al­ler Frak­tio­nen an. In die­sem Gre­mi­um wird auch ent­schie­den, wie lan­ge der Bun­des­tag über je­des The­ma de­bat­tiert. Auch die Re­de­zei­ten sind ex­akt fest­ge­legt – die so ge­nann­te „Ber­li­ner St­un­de“ent­spricht ge­nau dem Wah­l­er­geb­nis. Doch in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode kam die Gro­ße Ko­ali­ti­on den bei­den klei­nen Op­po­si­ti­ons­par­tei­en ent­ge­gen – weil Uni­on und SPD 80 Pro­zent der Re­de­zeit ge­habt hät­ten, ga­ben sie ei­ni­ge Mi­nu­ten an die Lin­ke und die Grü­nen ab. Po­si­ti­on sei­ner Frak­ti­on ver­tre­ten darf, ent­schei­den die Vor­stän­de der Frak­tio­nen. Die Red­ner­lis­ten wer­den dem Par­la­ments­prä­si­den­ten mit­ge­teilt und nach dem Prin­zip „Re­de und Ge­gen­re­de“ab­ge­ar­bei­tet.

Nur bei der De­bat­te um die Eu­roRet­tungs­schir­me 2011 spiel­te Par­la­ments­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert nicht mit und er­teil­te ge­gen den Wil­len der Frak­tio­nen den „Eu­roRe­bel­len“Klaus-Pe­ter Willsch und Frank Sch­äff­ler das Wort. Ent­spre­chend sau­er wa­ren die Frak­ti­ons­chef von Uni­on und Li­be­ra­len. Doch Lam­mert hielt an dem Prin­zip fest. Je­der Ab­ge­ord­ne­ter ha­be Re­de­recht. Mar­tin Ferber

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