„Es gibt gu­te Nach­rich­ten“

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Südwestecho -

Herr Bey­reu­ther, Sie gel­ten als welt­weit bes­tens ver­netz­ter Wis­sen­schaft­ler in der De­menz­for­schung. Gibt es gu­te Nach­rich­ten?

Bey­reu­ther: Ja, sehr gu­te so­gar! Ich hal­te Pro­gno­sen, wo­nach bis zum Jahr 2050 die Zahl der de­men­ten Men­schen in Eu­ro­pa von fünf Mil­lio­nen auf 20 Mil­lio­nen an­stei­gen sol­len, für Pa­nik­ma­che, die uns gar nicht hilft.

Wo­her kommt denn Ihr Op­ti­mis­mus?

Bey­reu­ther: Wir se­hen in Län­dern wie den USA, die Nie­der­lan­de, Groß­bri­tan­ni­en, Schwe­den und Frank­reich, dass die Zahl der Neu­er­kran­kun­gen um 20 Pro­zent zu­rück­geht. Auf Deutsch­land um­ge­rech­net sind das 60 000 we­ni­ger Neu­er­kran­kun­gen pro Jahr. Die zweite Neu­ig­keit: Es sieht wohl so aus, dass zum ers­ten Mal ei­ne The­ra­pie in Sicht ist. Da­bei han­delt es sich um ei­nen Impfstoff „aus Men­schen für Men­schen“. Es ist das ers­te Mal, dass der Mensch als Phar­ma­pro­du­zent ge­nutzt wird. Es wer­den wohl – zu­min­dest, was Alz­hei­mer be­trifft – die Abla­ge­run­gen aus dem Ge­hirn ent­fernt. Es gibt noch Nebenwirkungen, aber bis 2022 wis­sen wir was los ist.

Gibt es zur Vor­beu­gung neue Er­kennt­nis­se?

Bey­reu­ther: Ja. Et­wa die, dass Men­schen im mitt­le­ren Le­bens­al­ter zwi­schen 45 und 65 mit Hör­schwie­rig­kei­ten und oh­ne Hör­hil­fe – das sind 35 Pro­zent der Bun­des­bür­ger – ein dras­tisch er­höh­tes Ri­si­ko ha­ben, an De­menz zu er­kran­ken. Und: Stress ist ein ganz, ganz gro­ßer Ri­si­ko­fak­tor. We­ni­ger Stress, so­zia­le In­ter­ak­ti­on, Freun­de ha­ben und mit­ein­an­der re­den und Be­we­gung sind die bes­te Vor­beu­gung ge­gen De­menz. Be­we­gen ist so wich­tig! Wer sich be­wegt, be­wegt auch sein Ge­hirn, wo­durch neue Ner­ven­zel­len und Re­ser­ven ge­bil­det wer­den kön­nen.

Text/Fo­to: map/Roth

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