Po­sen des Zu­sam­men­rü­ckens

Wort­kar­ge Bei­trags­zah­ler dan­ken neu­em KSC-Eh­ren­mit­glied Pi­lar­s­ky

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Sport - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Dan­kert

Karlsruhe. Kurz vorm Schluss gab es wie­der Folk­lo­re mit Ron­ny, dem Kut­ten­fan, der mit sei­nen Bon­mots in Mun­d­art auch bei der dies­jäh­ri­gen Or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung des Karls­ru­her SC nach et­was mehr als zwei St­un­den zum Ab­spann über­lei­te­te. „Es tut mir leid. Vie­le Vor­trä­ge brin­gen hier Emo­tio­nen in den Saal wie aus­ge­latsch­te Gum­mi­stie­fel“, klag­te Ron­ny. Er wis­se nicht, was los sei in sei­nem Ver­ein. „Hier vor­ne sit­zen die lei­ten­den Funk­tio­nen, im Sta­di­on die lei­den­den Funk­tio­nen.“Viel­leicht ha­be ja Gün­ter Pi­lar­s­ky ei­ne Idee. „Ich las­se mich viel­leicht nächs­tes Jahr als Prä­si­dent auf­stel­len, und dann ma­chen wir das zu­sam­men.“Das nann­te der am­tie­ren­de Club­chef In­go Wel­len­reu­ther „zum Schluss ei­nen kon­struk­ti­ven Vor­schlag“. La­cher in der Bad­ner­land­hal­le. Nein, na­tür­lich: Längst war nicht al­les gut beim Fuß­ball-Dritt­li­gis­ten. Doch ging es nun um fri­sche Hoff­nung, neu­en Mut und um Po­sen des Zu­sam­men­rü­ckens im Ver­ein, der sei­nen Mit­glie­der­höchst­stand auf 7 322 Bei­trags­zah­ler aus­bau­te. Nicht mal 500 wa­ren im Saal

Der Dank an den Mann, der seit 2005 viel mehr als nur Bei­trä­ge be­zahlt, son­dern auch Mil­lio­nen-Ze­chen, die an­ders nicht zu be­glei­chen wä­ren, fiel dies­mal greif­ba­rer aus. Vi­ze-Prä­si­dent Pi­lar­s­ky ver­ließ die Ver­samm­lung als frisch er­nann­tes Eh­ren­mit­glied. Der im No­vem­ber 80 Jah­re alt wer­den­de Un­ter­neh­mer ha­be sich „auf be­son­de­re Wei­se um den KSC ver­dient ge­macht“, so Wel­len­reu­ther. In sie­ben­stel­li­gen Be­trä­gen lie­ßen sich die­se be­zif­fern, für die er bürgt und bürg­te. Auch des­halb konn­te ein zwei­tes Jahr in Li­ga drei „im Fort­füh­rungs­kon­zept“be­rück­sich­tigt wer­den, wie Ge­schäfts­füh­rer Hel­mut San­d­rock be­ru­hig­te. Et­was mehr als sei­ne St­un­de hat­ten die Pro­fis des Clubs und ih­re Trai­ner im Saal zu­ge­hört, dann wur­den sie vom Club­chef „auf die Couch“ent­las­sen. Am Sams­tag geht es ge­gen Würzburg. „Wich­tig!“

Die Grund­stim­mung war sach­lich, fast re­ser­viert ge­blie­ben. Wel­len­reu­ther trug das Sei­ne bei. Un­ge­wohnt of­fen und erst­mals in vor­ge­brach­ter Schär­fe gab er sich und sei­nen Vor­stands­kol­le­gen Pi­lar­s­ky und Hol­ger Sieg­mun­dSchult­ze Mit­schuld am ra­pi­den Nie­der­gang des Clubs. „Es stimmt: 2016 sind vie­le Feh­ler ge­macht wor­den, und es wur­den fal­sche Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen – auch von uns als Prä­si­di­um“, sag­te der CDU-Bun­des­tags­po­li­ti­ker und füg­te hin­zu: „Weil das so ist, möch­te ich mich bei Ih­nen da­für ent­schul­di­gen, dass wir das nicht ver­hin­dern konn­ten.“Die­se Selbst­er­kennt­nis er­kann­te Ver­wal­tungs­rats­chef Michael Steidl „als ers­ter Schritt zur Bes­se­rung“an. Sein Gre­mi­um ste­he für die von Ge­schäfts­füh­rer San­d­rock of­fen for­cier­ten Mo­der­ni­sie­rungs­pro­zes­se im Ver­ein, wel­cher im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr (30. Ju­ni 2017) Er­trä­ge von 26,2 Mil­lio­nen Eu­ro und da­mit rund 3,4 Mil­lio­nen Eu­ro mehr als ge­plant aus­wies. Dem­ge­gen­über stan­den Aus­ga­ben von 26,328 Mil­lio­nen Eu­ro (ge­plant: 22,922). „Eh­ren­amt ent­las­ten, Ent­schei­dungs­we­ge kür­zer ma­chen, grö­ße­re wirt­schaft­li­che Un­ab­hän­gig­keit – ge­ra­de im Hin­blick auf das Sta­di­on“, for­der­te Steidl. „Falsch“wä­re es, sag­te der sich zur sport­li­chen Seite äu­ßern­de Oli­ver Kreu­zer, „nur in der Ver­gan­gen­heit die Schuld zu su­chen“. Er selbst tra­ge „ei­ne Mit­schuld am Ab­stieg“, doch ha­be er die Ent­schei­dun­gen – so auch der Wech­sel von Mir­ko Slom­ka zu Marc-Patrick Meis­ter und die Ver­ga­be der ak­tu­el­len Ka­der­plan­stel­len – nach bes­tem Wis­sen und Ge­wis­sen ge­trof­fen. Kreu­zer: „So wie man sich nicht nur im Er­folgs­fall ger­ne feiern lässt, so gilt es auch bei Miss­er­folg, per­sön­lich Flag­ge zu zei­gen.“Der Wil­le hier­zu war bei al­len auf der Büh­ne er­kenn­bar.

Wel­len­reu­ther bit­tet Mit­glie­der um Ver­zei­hung

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