Un­ter Kon­trol­le?

Ka­ta­lo­ni­ens Ent­mach­tung

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Zeitgeschehen - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Al­va­ro Vil­lalo­bos

Ma­drid. Nach Ar­ti­kel 155 der spa­ni­schen Ver­fas­sung scheint die Sa­che klar: Ab so­fort hat die Zen­tral­re­gie­rung in Ma­drid das Sa­gen in Ka­ta­lo­ni­en. Doch was nach Recht und Ge­setz un­zwei­fel­haft scheint, ist in der Pra­xis al­les an­de­re als leicht um­setz­bar für den spa­ni­schen Re­gie­rungs­chef Ma­ria­no Ra­joy.

Ver­wal­tung

Die Ver­wal­tung ist ei­ne der größ­ten Hür­den für ei­ne tat­säch­li­che Kon­trol­le der Re­gi­on. Nur neun Pro­zent der Be­am­ten Ka­ta­lo­ni­ens, das sind rund 26 000 Mit­ar­bei­ter, wer­den von der Zen­tral­re­gie­rung ge­stellt. Nach Be­rech­nun­gen der Zei­tung „El País“hat Ma­drid nur 842 Rich­ter und 5 900 An­ge­hö­ri­ge der Si­cher­heits­kräf­te in Ka­ta­lo­ni­en un­ter di­rek­ter Kon­trol­le. Das Bild von auf Kreuz­fahrt­schif­fen vor der Küs­te in Be­reit­schaft ge­hal­te­nen 10 000 li­ni­en­treu­en Kräf­ten der Guar­dia Ci­vil und der Po­li­zei spricht Bän­de. Von den 304 000 Be­am­ten in Ka­ta­lo­ni­en ar­bei­ten 167 000 für die Re­gio­nal­ver­wal­tung und 84 000 in den zahl­rei­chen Rat­häu­sern und Ge­mein­de­ver­wal­tun­gen. Zwar droh­te die spa­ni­sche Vi­ze­re­gie­rungs­che­fin Sora­ya Sa­enz de Santa­ma­ria, die die ka­ta­la­ni­sche Ver­wal­tung kon­trol­lie­ren soll, bei Un­ge­hor­sam mit Ent­las­sun­gen. Aber nicht je­den dürf­te das schre­cken.

Re­gie­rung

Was pas­siert, wenn der ab­ge­setz­te Re­gio­nal­prä­si­dent Carles Pu­ig­de­mont sein Bü­ro nicht frei­wil­lig räumt? Die Fra­ge scheint auf den ers­ten Blick ba­nal, doch in der Pra­xis wirft sie wei­te­re Pro­ble­me auf. Recht­lich ge­se­hen wür­de Pu­ig­de­mont mit ei­ner Wei­ge­rung und den Fol­gen wei­te­re Straf­ta­ten be­ge­hen, heißt es aus Re­gie­rungs­krei­sen. Pu­ig­de­mont hat be­reits deut­lich ge­macht, dass er gar nicht dar­an denkt, Ma­drid das Feld zu über­las­sen. Er rief zum „de­mo­kra­ti­schen Wi­der­stand“auf. Ei­ne Fest­nah­me müss­te ein Rich­ter ab­seg­nen, die Po­li­zei müss­te sie aus­füh­ren.

Po­li­zei

Die Kon­trol­le über die ka­ta­la­ni­sche Po­li­zei zu ge­win­nen, dürf­te Ma­drid eben­falls schwer fal­len. Ein Chef von au­ßen ist an der Spit­ze der Mos­sos d’Es­qua­dra nur schwer vor­stell­bar. Das sä­he „nicht gut aus“, sagt Ra­mon Co­sio, Spre­cher der ein­fluss­rei­chen Po­li­zei­ge­werk­schaft SUP. Seit dem teils bru­ta­len Vor­ge­hen der na­tio­na­len Po­li­zei­kräf­te beim ver­bo­te­nen Un­ab­hän­gig­keits­re­fe­ren­dum am 1. Ok­to­ber ist das Ver­hält­nis zwi­schen der Mos­sos d’Es­qua­dra und den Po­li­zei­kol­le­gen auf na­tio­na­ler Ebe­ne deut­lich an­ge­spannt.

Zi­vil­ge­sell­schaft

Rund 7,5 Mil­lio­nen Ein­woh­ner hat Ka­ta­lo­ni­en, die Re­gi­on ist et­wa so groß wie Bel­gi­en. Und sie ist stolz auf ih­re Au­to­no­mie­rech­te. Ent­spre­chend groß ist die Be­reit­schaft der Un­ab­hän­gig­keits­be­für­wor­ter, für ih­re An­füh­rer auf die Stra­ßen zu ge­hen, zu pro­tes­tie­ren, blo­ckie­ren und boy­kot­tie­ren.

Fi­nan­zen

TRÜGERISCHE IDYL­LE: Fi­dschi be­steht aus mehr als 300 In­seln und gilt als Süd­see-Traum für Ur­lau­ber. Doch der Kli­ma­wan­del be­rei­tet Fi­dschi ernst­haf­te Pro­ble­me, we­gen des stei­gen­den Mee­res­spie­gels müs­sen vie­le um­sie­deln. Fo­to: dpa

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