Flu­ten­de Strei­cher

Her­bert Blom­stedt di­ri­gier­te das Ge­wand­haus­or­ches­ter Leip­zig im Fest­spiel­haus

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Kultur -

We­ni­ge Wer­ke sind so eng mit dem Ge­wand­haus­or­ches­ter Leip­zig ver­bun­den wie das Vio­lin­kon­zert e-Moll op. 64 von Fe­lix Men­dels­sohn-Bar­thol­dy. Und auch An­ton Bruck­ners 7. Sin­fo­nie in E-Dur (WAB 107) ge­hört zu den in der Mes­se­stadt ur­auf­ge­führ­ten Wer­ken, die wie das Vio­lin­kon­zert Mu­sik­ge­schich­te schrie­ben, be­deu­te die Sieb­te doch letzt­lich Bruck­ners Durch­bruch als Kom­po­nist.

Her­bert Blom­stedt, der im Ju­li 90 Jah­re alt wur­de, hat bei­de Kom­po­si­tio­nen für sein zwei­tes Di­ri­gat im Jahr 2017 im Fest­spiel­haus ge­wählt, bei den Pfingst­fest­spie­len be­geis­ter­te er, eben­falls mit Bruck­ner, mit den Wie­ner Phil­har­mo­ni­kern. Leo­ni­das Ka­va­kos prä­sen­tiert sich beim e-Moll-Kon­zert als ei­ner der ganz gro­ßen Gei­ger der Ge­gen­wart, dem Blom­stedt und die Ge­wand­haus­mu­si­ker ei­nen wun­der­ba­ren Klang­tep­pich lie­fern. So kann der in At­hen ge­bo­re­ne So­list mit sei­nem be­zwin­gen­den, selbst in Pia­nis­si­mo­pas­sa­gen trag­fä­hig-leuch­ten­den Ton das Werk qua­si aus der In­nen­sicht an­ge­hen.

Die nö­ti­ge Vir­tuo­si­tät ist in sei­nem

Spiel so selbst­ver­ständ­lich, dass sie kaum ei­ner be­son­de­ren Er­wäh­nung be­darf. Die fei­nen Schat­tie­run­gen des To­nes sei­ner Stra­di­va­ri, das Leuch­ten­de sei­nes Spiels, das er im Wech­sel mit den ers­ten Pul­ten ze­le­briert, ste­hen im Mit­tel­punkt. Je­de Phra­sie­rung macht Sinn, be­geis­tert durch die Le­ben­dig­keit des Mu­si­zie­rens, das auch die rhyth­misch poin­tier­te, tän­ze­risch ak­zen­tu­ier­te Zu­ga­be, die Gi­gue aus der Bachs E-DurPar­ti­ta prägt.

Nach der Pau­se un­ter­streicht Blom­stedt un­auf­ge­regt-sou­ve­rän sei­nen Rang als Bruck­ner-Di­ri­gent. Sei­nen ma­gi­schen Hän­den folgt das Eli­te­or­ches­ter mit er­staun­li­cher Prä­zi­si­on, ge­schmei­dig-flu­ten­den Strei­chern, macht­vol­len, stets ab­ge­run­de­ten Blech­blä­sern und – stell­ver­tre­tend sei die So­lo­flö­tis­tin ge­nannt – aus­ge­zeich­ne­ten So­lis­ten der Holz­blä­ser. Blom­stedt ent­wirft ein wei­tes Orches­ter­pan­ora­ma, lässt die dy­na­mi­schen Wel­len der Mu­sik sich un­auf­ge­regt stei­gern. Oft hört es sich an, als lie­ße er Kam­mer­mu­sik von sei­nen wun­der­ba­ren Strei­chern spie­len. Der schwe­di­sche Di­ri­gent be­kennt sich zur strah­len­den Schön­heit die­ser Mu­sik oh­ne pseu­do­re­li­giö­se Über­for­mung oder dröh­nen­des Pa­thos. Al­les klingt trans­pa­rent, die Fest­spiel­haus-Akus­tik zeigt sich hier von ih­rer bes­ten Sei­te, der Eh­ren­di­ri­gent des Leip­zi­ger lässt sich für die Ent­wick­lung der Mu­sik viel Zeit, die von den Ge­wand­haus­mu­si­kern far­ben­reich ge­füllt wird.

Nichts wirkt vor­der­grün­dig-auf­ge­setzt in die­ser Deu­tung, Blom­stedt trifft die fei­er­li­chen Trau­er­tö­ne des Wa­g­ners Tod re­flek­tie­ren­den Ad­a­gios eben­so wie er die rhyth­mi­sche Kraft des Scher­zos sich ent­fal­ten lässt und sei­ne Mu­si­ker im Fi­na­le zu ei­nem strah­len­den Bruck­nerGip­fel führt. Claus Wal­ters

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