Die Lan­des­haupt­stadt hät­te gern ihr Geld zu­rück

Frag­wür­di­ges Ge­ba­ren ei­nes Stadt­rats er­hitzt Ge­mü­ter

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Südwestecho - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart. In der Lan­des­haupt­stadt ist die Ge­schich­te Stadt­ge­spräch. Es geht um ein schil­lern­des Mit­glied des Ge­mein­de­rats, um Ver­un­treu­ung und um ei­ne noch nie da ge­we­se­ne Kla­ge, die das Rat­haus ge­gen die­sen ei­nen am­tie­ren­den Bür­ger­ver­tre­ter an­ge­strengt hat.

Der Herr heißt Bernd Kling­ler, am­tier­te ehe­dem als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der FDP im Kom­mu­nal­par­la­ment und ist zwi­schen­zeit­lich in glei­cher Funk­ti­on bei der Rats­frak­ti­on der AfD tä­tig. Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­ur­teil­te das Amts­ge­richt Bad Cann­statt den Kom­mu­nal­po­li­ti­ker und In­ha­ber ei­ner Wer­be­agen­tur zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe von 14 Mo­na­ten. Die Rich­te­rin sah es als er­wie­sen an, dass Kling­ler als Frak­ti­ons­chef der Li­be­ra­len 23 500 Eu­ro aus der Frak­ti­ons­kas­se ab­ge­zweigt und für pri­va­te Zwe­cke ge­nutzt hat­te. Kling­lers Be­teue­run­gen, er ha­be nichts Un­rech­tes ge­tan und das Frak­ti­ons­geld al­lein in Wer­beu­ten­si­li­en für die po­li­ti­sche Ar­beit ge­steckt, ver­wies das Ge­richt ins Reich der Fa­bel.

Als die ah­nungs­lo­sen Frak­ti­ons­kol­le­gen das Loch in der Kas­se be­merk­ten, re­agier­ten sie we­nig er­baut und ent­zo­gen ih­rem Vor­mann das Ver­trau­en. Der wech­sel­te so­dann die Pfer­de und stieg bei der AfD ein. Dort hat­te man nichts ge­gen die Ver­stär­kung, ver­half der Schritt den drei Rechts­au­ßen-Stadt­rä­ten doch zum Frak­ti­ons­sta­tus, der min­des­tens vier Köp­fe be­nö­tigt. Un­ter­des­sen ha­ben die Li­be­ra­len mit dem Weg­gang den Sta­tus als Frak­ti­on ein­ge­büßt.

Jetzt for­dert die Stadt­ver­wal­tung die un­ter die Rä­der ge­kom­me­nen 23 500 Eu­ro von Bernd Kling­ler zu­rück. Ge­nau­er ge­sagt: Das Stutt­gar­ter Re­gie­rungs­prä­si­di­um reicht die Kla­ge ein, da das die Kom­mu­ne selbst laut Ge­mein­de­ord­nung nicht kann. Und noch an an­de­ren Fron­ten wird ge­kämpft: Über län­ge­re Zei­t­räu­me soll der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge, Steu­ern und So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben zu spät ent­rich­tet ha­ben, wes­halb ihm die Lan­des­haupt­stadt we­gen feh­len­der Zu­ver­läs­sig­keit am liebs­ten un­ter­sa­gen wür­de, sei­nen Be­trieb wei­ter zu füh­ren.

Wie die Sa­che aus­geht, ist der­zeit ziem­lich un­klar. Denn nach Auf­fas­sung des Haupt-Prot­ago­nis­ten Kling­ler steht mit­nich­ten fest, dass er über­haupt der pas­sen­de Adres­sat für die städ­ti­sche For­de­rung ist. Die Stadt müs­se die feh­len­de Sum­me viel­mehr bei der FDP ein­trei­ben. Laut Kling­ler gibt es hin­ter den Ku­lis­sen be­reits Ge­sprä­che zwi­schen ihm und den Li­be­ra­len, den Fehl­be­trag auf­zu­tei­len. Das be­stä­tigt die Frak­ti­on. So sol­le das Ri­si­ko ei­nes teu­ren Pro­zes­ses klein ge­hal­ten wer­den, heißt es.

Un­ter­des­sen ma­chen in­ner­halb der AfD Ge­rüch­te die Run­de, auch in sei­ner neu­en Funk­ti­on ha­be Bernd Kling­ler auf Rech­nung der Frak­ti­on frag­wür­di­ge Ge­schäf­te mit sich selbst ge­macht. Was Kling­ler hef­tig in Abre­de stellt.

Ex-li­be­ra­ler Rats­herr wirkt heute bei der AfD

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