Tod am ers­ten Schul­tag

Die Idyl­le in Vil­lin­gen­dorf bei Rott­weil ver­wan­delt sich in ei­nen Alp­traum

Badische Neueste Nachrichten (Rastatt / Gaggenau) - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ju­lia Giertz

Vil­lin­gen­dorf. Der Sechs­jäh­ri­ge stirbt am Abend sei­ner Ein­schu­lung. We­ni­ge St­un­den zu­vor, bricht er mit Schul­tü­te und ge­mein­sam mit sei­ner Mut­ter und de­ren Part­ner zur Grund­schu­le in Vil­lin­gen­dorf bei Rott­weil in Ba­den-Würt­tem­berg auf, wie ei­ne Nach­ba­rin be­rich­tet. Den ers­ten of­fi­zi­el­len Schul­tag er­lebt der Jun­ge ges­tern nicht mehr. Sei­ne Ein­schu­lungs­fei­er en­det in ei­nem Blut­bad: Er, der neue Part­ner der Mut­ter und des­sen Cou­si­ne ster­ben durch die Hand ei­nes Man­nes, der von der Ter­ras­se aus kalt­blü­tig auf die Par­ty­gäs­te schießt. Ver­däch­tigt wird der Va­ter des Kin­des und Ex-Mann der über­le­ben­den Mut­ter. „Die Per­so­nen hat­ten kei­ner­lei Chan­ce zu ent­kom­men“, sagt Rolf St­raub, Lei­ter der Kri­mi­nal­po­li­zei.

Schmu­cke Ein­fa­mi­li­en­häu- ser, ge­pfleg­te Blu­men­ra­bat­ten und Will­kom­mens­schil­der prä­gen das Ge­biet, in dem die Fa­mi­lie seit dem Früh­jahr in der Ein­lie­ger­woh­nung ei­nes Ein­fa­mi­li­en­hau­ses wohnt. Doch jetzt ver­wan­delt sich die Idyl­le in ei­nen Alp­traum: Die Nach­ba­rin von ge­gen­über er­zählt, die 31-jäh­ri­ge Mut­ter ha­be auf der Flucht hil­fe­ru­fend bei ei­ner an­de­ren Nach­ba­rin ge­klin­gelt und sei von die­ser auf­ge­nom­men wor­den. Sie be­fin­det sich laut Po­li­zei in psy­cho­the­ra­peu­ti­scher Be­treu­ung. Ein wei­te­rer Nach­bar er­zählt von sei­nem Un­ter­mie­ter, der ihn alar­miert ha­be, weil er nicht nur Hil­fe­ru­fe, son­dern auch Ge­schrei ei­nes Man­nes ge­hört ha­be. Der No­t­ruf ei­ner An­woh­ne­rin ging um 21.36 Uhr bei der Po­li­zei ein. Die Be­am­ten er­war­tet am Tat­ort der schreck­li­che An­blick des to­ten Jun­gen, des er­schos­se­nen 34-jäh­ri­gen Man­nes und der schwer ver­letz­ten 29-jäh­ri­gen Cou­si­ne, die spä­ter in der Kli­nik stirbt – aber auch ein klei­nes Wun­der: Ein drei­jäh­ri­ges Mäd­chen hat sich ver­steckt und die Atta­cke un­ver­letzt über­lebt. Noch ein an­de­rer Mensch hat an die­sem Abend Glück: Ein wei­te­rer Be­su­cher der Par­ty holt wäh­rend der Tat Ge­trän­ke. Als er zu­rück­kehrt, hat sich die Fei­er in ei­ne Ka­ta­stro­phe ver­wan­delt.

Im Gar­ten des Hau­ses sind Ex­per­ten ges­tern in wei­ßen Over­alls auf Spu­ren­su­che. Sie su­chen nach der Tat­waf­fe. „Wir ge­hen da­von aus, dass er ei­ne Waf­fe hat“, sagt Er­mitt­ler St­raub. Da­bei han­de­le es sich um ei­ne Lang­waf­fe aus mi­li­tä­ri­schen Be­stän­den ExJu­go­sla­wi­ens. Das kön­ne auch ei­ne Ma­schi­nen­pis­to­le sein. Der Bür­ger­meis­ter des Or­tes mit 3 300 Ein­woh­nern, Kar­lHeinz Bu­cher (CDU), zeigt sich nach der Tat fas­sungs­los: „So et­was hat­ten wir noch nie in un­se­rer fried­li­chen Ge­mein­de.“Ei­ne wei­te­re Nach­ba­rin der Op­f­er­fa­mi­lie be­stä­tigt das: „Hier kann man oh­ne Be­den­ken nachts spa­zie­ren ge­hen.“Des­halb ha­be sie die Ge­räu­sche zur Tat­zeit auch nicht rich­tig ein­ge­ord­net: Der Wind ha­be wohl Müll­ei­mer um­fal­len las­sen, mein­te sie zu­nächst. Dass es sich um Schüs­se ge­han­delt ha­be, sei ihr erst spä­ter klar ge­wor­den. Sie kämpft mit den Trä­nen: „Mein Nef­fe ist ges­tern auch ein­ge­schult wor­den.“

Fo­to: dpa

SPU­REN­SU­CHE IN VIL­LIN­GEN­DORF: Er­mitt­ler durch­kämm­ten ges­tern den Gar­ten der Fa­mi­lie.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.