Sui­zid­ver­such über­schat­tet Mord­pro­zess

Sach­ver­stän­di­ger: Trotz der Ver­let­zun­gen ist der An­ge­klag­te Hus­sein K. wei­ter voll ver­hand­lungs­fä­hig

Badische Neueste Nachrichten (Rastatt / Gaggenau) - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Ruf

Frei­burg. Der nach dem Se­xu­al­mord an ei­ner Stu­den­tin in Frei­burg an­ge­klag­te Flücht­ling Hus­sein K. hat im Ge­fäng­nis er­neut ver­sucht, sich um­zu­brin­gen. Er ha­be leich­te Schnitt­ver­let­zun­gen an der lin­ken Hand, sag­te der me­di­zi­ni­sche Sach­ver­stän­di­ge Hart­mut Plei­nes vor dem Land­ge­richt Frei­burg. Trotz der Ver­let­zun­gen sei Hus­sein K. wei­ter voll ver­hand­lungs­fä­hig. Der Pro­zess kön­ne fort­ge­setzt wer­den.

Nach dem Vor­fall, der sich am Sonn­tag er­eig­ne­te, hat­te Plei­nes den An­ge­klag­ten be­gut­ach­tet. Jus­tiz­an­ga­ben zu­fol­ge war es der drit­te Sui­zid­ver­such des jun­gen Man­nes seit sei­ner Fest­nah­me im ver­gan­ge­nen De­zem­ber. We­gen der er­höh­ten Ge­fähr­dung wer­den Hus­sein K. und des­sen Ge­fäng­nis­zel­le rund um die Uhr per Vi­deo über­wacht, sag­te der Spre­cher des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums in Stutt­gart, Robin Schray. So könn­ten Sui­zid­ver­su­che rasch er­kannt und un­ter­bun­den wer­den. Seit dem ers­ten Sui­zid­ver­such ist Hus­sein K. im Ge­fäng­nis­kran­ken­haus Ho­hen­as­perg bei Lud­wigs­burg un­ter­ge­bracht. Zu De­tails der Haft äu­ßert sich das Mi­nis­te­ri­um ge­ne­rell nicht. Hus­sein K. wer­den Mord und be­son­ders schwe­re Ver­ge­wal­ti­gung vor­ge­wor­fen. Er hat zu­ge­ge­ben, vor rund 13 Mo­na­ten in Frei­burg ei­ne 19 Jah­re al­te Stu­den­tin ver­ge­wal­tigt und bis zur Be­wusst­lo­sig­keit ge­würgt zu ha­ben. Die Frau er­trank im Was­ser des Flus­ses Drei­sam. Seit An­fang Sep­tem­ber steht er in Frei­burg vor Ge­richt. Ein Ur­teil soll im nächs­ten Früh­jahr ge­spro­chen wer­den. Jus­tiz­an­ga­ben zu­fol­ge hat­te der An­ge­klag­te beim Hof­gang ei­ne Ra­sier­klin­ge ge­fun­den und sich da­nach in der Zel­le ver­sucht, die Puls­adern auf­zu­schnei­den. Dies sei durch die Vi­deo­über­wa­chung aber be­merkt und schließ­lich ver­hin­dert wor­den. Ver­tei­di­ger Se­bas­ti­an Gla­the woll­te sich da­zu nicht äu­ßern.

Er hat­te in den ver­gan­ge­nen Pro­zess­ta­gen von zu­neh­men­den psy­chi­schen Pro­ble­men des An­ge­klag­ten be­rich­tet und um ei­ne er­neu­te me­di­zi­ni­sche Be­gut­ach­tung ge­be­ten. Zu­dem sag­te ei­ne Sach­ver­stän­di­ge des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes (LKA) in Stutt­gart zu den am Tat­ort ge­fun­de­nen DNA-Spu­ren aus. An der Lei­che, an der Be­klei­dung so­wie am Fahr­rad des Op­fers sei­en Kör­per­spu­ren des An­ge­klag­ten ge­fun­den wor­den. Zu­dem ent­deck­ten Er­mitt­ler un­weit des Tat­orts in ei­nem Dor­nen­ge­büsch ein 18,5 Zen­ti­me­ter lan­ges, blon­dier­tes Haar. Die­ses sei per DNA-Ab­gleich ein­deu­tig dem An­ge­klag­ten zu­ge­ord­net wor­den.

Es geht in dem Pro­zess auch um die Fra­ge, wie alt der vor der Ju­gend­kam­mer ste­hen­de Mann tat­säch­lich ist. Dies wird Aus­wir­kun­gen auf die Hö­he der Stra­fe ha­ben. Er selbst hat­te an­ge­ge­ben, aus Af­gha­nis­tan zu kom­men und 17 Jah­re alt zu sein. Zum Pro­zess­auf­takt gab er aber zu, beim Al­ter ge­lo­gen zu ha­ben. Die Staats­an­walt­schaft hält Hus­sein K. für min­des­tens 22 Jah­re. Gut­ach­ten stüt­zen dies.

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