Still­stand ist Rück­schritt

Mes­se-Ge­schäfts­füh­rer Dr. Rein­hard Pfeif­fer be­ant­wor­te­te die Fra­gen der Re­dak­ti­on

bauelement+technik - - BAU 2017 -

Herr Dr. Pfeif­fer, bei un­se­rem Ge­spräch vor zwei Jah­ren konn­ten Sie nicht zu Un­recht dar­auf ver­wei­sen, dass die Mes­se es ge­schafft ha­be, sich als ei­ne in­ter­na­tio­na­le, Ge­wer­ke über­grei­fen­de Platt­form zu po­si­tio­nie­ren. Auch in die­sem Jahr ste­hen die Zei­chen wei­ter auf Grün: Die ak­tu­el­len Aus­stel­ler­zah­len be­we­gen sich wie­der auf Re­kord­ni­veau, ein neu­er Be­su­cher­re­kord wird an­ge­peilt und die Bau­wirt­schaft sen­det über­wie­gend po­si­ti­ve Si­gna­le. Wo se­hen Sie trotz des Er­fol­ges noch Hand­lungs­be­darf?

Still­stand ist Rück­schritt. Wer im Wett­be­werb be­ste­hen will, darf sich nicht auf dem Er­folg aus­ru­hen. Auch die BAU hat Op­ti­mie­rungs­po­ten­tia­le. Ich den­ke da zum Bei­spiel an die noch bes­se­re Ver­net­zung von Aus­stel­lern und Be­su­chern. Mit Scan2Le­ad ha­ben wir hier schon ei­ni­ges er­reicht. Aus­stel­ler kön­nen da­mit Da­ten in­ter­es­sier­ter Be­su­cher qua­si in Echt­zeit er­fas­sen. Zur BAU 2017 bie­ten wir erst­mals ein Matchma­king-Tool an, das er­leich­tert die Pro­dukt­su­che und die Ter­min­ver­ein­ba­rung im Vor­feld der BAU. Auch das Ti­cke­ting wol­len wir ver­bes­sern. 2019 wer­den Be­su­cher ihr BAU-Ti­cket auch aufs Han­dy la­den kön­nen.

Als ein wei­te­res Ziel ha­ben Sie im Vor­feld der dies­jäh­ri­gen BAU den Aus­bau der in­ter­na­tio­na­len Be­tei­li- gun­gen ge­nannt. Was ist dar­un­ter zu ver­ste­hen und wie lau­ten die nächs­ten Schrit­te?

Als Welt­leit­mes­se hat die BAU den An­spruch, vor al­lem in­ter­na­tio­nal gut auf­ge­stellt zu sein. Kon­kret heißt das, die Zahl der in­ter­na­tio­na­len Aus­stel­ler und Fach­be­su­cher zu stei­gern. Bei den Aus­stel­lern sind uns we­gen der be­grenz­ten Hal­len­ka­pa­zi­tät na­tür­lich Gren­zen ge­setzt. Im­mer­hin kommt be­reits jetzt je­der drit­te Aus­stel­ler aus dem Aus­land. Rich­tung 2019, wenn wir zwei neue Hal­len ha­ben, ist hier si­cher noch ei­ne mo­de­ra­te Stei­ge­rung mög­lich. Was die Zahl der in­ter­na­tio­na­len Be­su­cher an­geht, ha­ben wir in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gro­ße Er­fol­ge er­zielt. Seit 2009 hat sich die­se Zahl ver­dop­pelt, auf zu­letzt rund 72 000. Und das ist si­cher nicht das En­de der Fah­nen­stan­ge. Wir wer­den in Eu­ro­pa am Ball blei­ben und vor al­lem un­se­re Mar­ke­ting­an­stren­gun­gen in Asi­en, ins­be­son­de­re in Chi­na, in­ten­si­vie­ren.

Tü­ren und Fens­ter so­wie Schlös­ser und Be­schlä­ge bil­den wie­der ein zu­sam­men­hän­gen­des Are­al. Wie be­wer­ten Sie die Aus­stel­ler­ent­wick­lung in die­sem Seg­ment?

Die­se Be­rei­che sind ein ganz wich­ti­ger Teil der BAU, sie um­fas­sen gro­ße Tei­le un­se­re Aus­stel­lung­sport­fo­li­os. Fens­ter gibt es auf der BAU in zwei Hal­len in al­len Va­ri­an­ten zu se­hen, ob aus Holz, Kunst­stoff oder Alu­mi­ni­um. Sie bil­den, wie Sie rich­tig sa­gen, mit dem Be­reich Schlös­ser und Be­schlä­ge ein zu­sam­men­hän­gen­des Are­al mit ins­ge­samt 21 000 Qua­drat­me­tern Flä­che in den Hal­len C4 und B4. Das Fach­pu­bli­kum fin­det Her­stel­ler und Zu­lie­fe­rer in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft, das hat sich be­währt. Ein wich­ti­ges und sehr ak­tu­el­les ema hier ist die Ge­bäu­de­si­cher­heit. Vor­ge­stellt wer­den ver­schie­de­ne Kon­zep­te und Sys­te­me. Und na­tür­lich spie­len die­se Be­rei-

che auch in an­de­re wich­ti­ge emen hin­ein. Ich den­ke da an Smart Ho­me, Smart Ma­te­ri­als oder an das ema Ener­gie­ef­fi­zi­enz.

Was sind aus Ih­rer Sicht hier die Trend­the­men in die­sem Jahr?

Hier ge­ben un­se­re Leit­the­men den Rah­men vor: Ers­tens „Di­gi­tal Pla­nen, Bau­en und Be­trei­ben“, zwei­tens „ver­netz­te Ge­bäu­de“, drit­tens „in­tel­li­gen­te Fas­sa­de“und vier­tens „Bau­en und Woh­nen 2020“. Beim di­gi­ta­len Pla­nen, Bau­en und Be­trei­ben ste­hen die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zes­se zwi­schen Pla­nern und Aus­füh­ren­den im Zen­trum. Wir ge­hen der Fra­ge nach, wie die Di­gi­ta­li­sie­rung die Pla­nungs­pro­zes­se ver­än­dert. Das ver­netz­te Ge­bäu­de ad­ap­tiert die Ge­wohn­hei­ten sei­ner Be­woh­ner, denkt für sie qua­si mit und steu­ert ent­spre­chend die kom­plet­te Ge­bäu­de- und Haus­tech­nik. Au­ßer­dem sorgt es für ein ef­fi­zi­en­tes Ener­gie­ma­nage­ment. Auch die Ver­net­zung meh­re­rer Ge­bäu­de in ei­ner Sied­lung und die ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­stüt­zung spielt ei­ne Rol­le. Die in­tel­li­gen­te smar­te Fas­sa­de re­agiert auf Um­welt­ein­flüs­se wie Wind, Son­nen­ein­strah­lung oder Lärm. Und das ema Bau­en und Woh­nen 2020 be­schäf­tigt sich mit der Fra­ge, wie wir in fünf oder zehn Jah­ren le­ben und ar­bei­ten wer­den. Die Ten­denz geht da­hin, dass sich der Wohn­ort vom Ar­beits­platz ent­kop­pelt, was wie­der­um Aus­wir­kun­gen auf Mo­bi­li­tät und Stadt­pla­nung hat.

Zum Ab­schluss noch ei­ne Blick über 2017 hin­aus. Wie weit las­sen sich be­reits heu­te die Plä­ne für die Be­le­gung der bei­den neu­en Hal­len in 2019 kon­kre­ti­sie­ren?

Wir ge­hen das ema von zwei Sei­ten an: Ei­ner­seits wol­len wir na­tür­lich un­se­re War­te­lis­te we­nigs­tens teil­wei­se ab­bau­en. Das wird mög­lich durch die Er­wei­te­rung be­ste­hen­der Aus­stel­lun­ge­be­rei­che, in de­nen die Nach­fra­ge be­son­ders groß ist. Kon­kret sind das die Be­rei­che Bau­che­mie und Bau­werk­zeu­ge so­wie Bo­den­be­lä­ge. Zum an­de­ren wol­len wir na­tür­lich auch die Chan­ce nut­zen und neue Aus­stel­lungs­be­rei­che in die BAU in­te­grie­ren. Das sind in ers­ter Li­nie die emen na­tür­li­ches und künst­li­ches Licht. Aus­stel­ler aus die­sen Seg­men­ten sind teil­wei­se be­reits auf der BAU ver­tre­ten und wer­den jetzt in den neu­en Hal­len zu­sam­men­ge­führt. Zu­dem füh­ren wir das ema Smart Buil­ding neu ein. Da­rin wer­den wir Aus­stel­ler der Ge­bäu­de­au­to­ma­ti­on in­te­grie­ren. Das ema bil­det dann ein Bin­de­glied zu be­ste­hen­den Be­rei­chen wie Fas­sa­den­sys­te­me, Tü­ren/Fens­ter und Ener­gie­tech­nik.

Was ver­ste­hen Sie un­ter dem Be­griff „ Smart Buil­ding“?

Das Smart Buil­ding ist ein kom­plett ver­netz­tes Ge­bäu­de. Al­le be­dien­ba­ren Ge­rä­te, Tas­ten und Leuch­ter sind mit­ein­an­der ver­netzt, Haus­tech­nik eben­so wie Haus­halts­ge­rä­te und Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik. Ge­rä­te kön­nen Da­ten spei­chern, bis hin zu Be­we­gungs­pro­fi­len, und ler­nen so das Nut­zer­ver­hal­ten der Haus­be­woh­ner. Übers In­ter­net so­wie über Apps wer­den die Ge­rä­te an­ge­spro­chen und ge­steu­ert. Zu En­de ge­dacht ist das per­fekt ver­netz­te Haus schlau­er als sei­ne Be­woh­ner. Es weiß, wann Frisch­luft nö­tig ist, wann die Wasch­ma­schi­ne an- und die Hei­zung aus­ge­schal­tet wer­den soll. Zu­ge­ge­ben, so­weit sind wir noch nicht, aber der Weg geht in die Rich­tung. Auf der BAU wer­den wir ge­ra­de zu die­sem ema neue Tech­no­lo­gi­en se­hen.

Foto: Re­dak­ti­on/ko­si

Bau­ele­men­te und Be­schlä­ge be­le­gen zu­sam­men ei­ne Flä­che von 21 000 Qua­drat­me­ter auf der BAU.

Foto: Re­dak­ti­on/cfk

Ne­ben der Fens­ter­bau/Fron­ta­le ist für Pro­fil­her­stel­ler die BAU ei­ne wich­ti­ge Mes­se.

Foto: Mes­se München

Für den Ge­schäfts­füh­rer der Mes­se München, Dr. Rein­hard Pfeif­fer, sind Fens­ter und Tü­ren so­wie Schlös­ser und Be­schlä­ge ein ganz wich­ti­ger Be­reich auf der BAU.

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