Neu­es Bau­ver­trags­recht – Fol­gen für Pla­nungs­bü­ros

Das Bau­ver­trags­recht pas­sier­te En­de März den Bun­des­rat. Da­durch er­ge­ben sich neue Her­aus­for­de­run­gen für Ar­chi­tek­tur- und In­ge­nieur­bü­ros.

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Ar­chi­tek­tur- und In­ge­nieur­bü­ros in Deutsch­land müs­sen fort­an um­den­ken: Die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung, Ver­brau­chern bei ih­ren Bau­vor­ha­ben mehr Rech­te und Frei­hei­ten ein­zu­räu­men, ha­ben am Frei­tag, den 31. März, er­folg­reich den Bun­des­rat pas­siert. Da­mit er­hält das Bau­ver­trags­recht erst­mals Ein­zug in das Bür­ger­li­che Ge­setz­buch (BGB). Ne­ben mehr Rechts­si­cher­heit und -klar­heit er­war­tet die Ver­brau­cher da­mit ab dem 1. Ja­nu­ar 2018 vor al­lem auch mehr Trans­pa­renz hin­sicht­lich Vor­schrif­ten und Ver­trä­gen. Für vie­le Pla­nungs­bü­ros be­deu­tet das neue Bau­ver­trags­recht hin­ge­gen ei­ne gro­ße Um­stel­lung.

Viel zu tun

Ei­ne Be­fra­gung des Qua­li­täts­ver­bunds Pla­ner am Bau un­ter 104 zu die­sem Zeit- punkt noch nicht zer­ti­fi­zier­ten Pla­nungs­bü­ros hat er­ge­ben, dass es gro­ßes Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al bei den Pla­nungs­bü­ros gibt. Er­geb­nis­se wa­ren un­ter an­de­rem, dass bis­her 54 Pro­zent der Ar­chi­tek­turund In­ge­nieur­bü­ros bei ih­rer Stra­te­gie die Er­war­tun­gen ih­rer Kun­den nicht be­rück­sich­ti­gen und mehr als 50 Pro­zent kei­ne de­fi­nier­ten Ab­läu­fe zur Er­fas­sung der Kun­den­er­war­tun­gen auf­wei­sen. Auch Schu­lun­gen zur Kun­den­ori­en­tie­rung wer­den Mit­ar­bei­tern le­dig­lich in 14 Pro­zent der Fäl­le an­ge­bo­ten. In Sa­chen Re­kla­ma­ti­on gibt es eben­falls deut­li­che Män­gel. So ver­fü­gen über 90 Pro­zent der Pla­nungs­bü­ros über kein do­ku­men­tier­tes Re­kla­ma­ti­ons­ma­nage­ment und so­gar 95 Pro­zent do­ku­men­tie­ren ih­re Feh­ler gar nicht. „Durch ein feh­len­des Re­kla­ma­ti­ons­ma­nage­ment in vie­len Bü­ros gab es bis­her kaum Chan­cen auf Ver­bes­se­rung und zu­künf­ti­ge Feh­ler­ver­mei­dung“, er­klärt Dr. Knut Mar­hold, Ge­schäfts­füh­rer des Qua­li­täts­ver­bun­des. Ge­mein­sam mit Dr. E. Rü­di­ger Weng grün­de­te Mar­hold den Ver­bund, um Ar­chi­tek­tur- und In­ge­nieur­bü­ros in Deutsch­land über das for­ma­le Qua­li­täts­ma­nage­ment hin­aus, die Mög­lich­keit zur Op­ti­mie­rung ih­rer Bü­ro­struk­tu­ren so­wie die Chan­ce ei­ner bran­chen­spe­zi­fi­schen Zer­ti­fi­zie­rung zu er­öff­nen.

Stär­ke­re Kun­den­ori­en­tie­rung

Des ei­nen Leid ist des an­de­ren Freud: Im Ge­gen­satz zu den bau­aus­füh­ren­den so­wie pla­nen­den Un­ter­neh­men kön­nen sich Deutsch­lands Bau­her­ren über das neue Bau­ver­trags­recht freu­en. Kon­kret be­deu­ten die Än­de­run­gen un­ter an­de­rem, dass sie zu­künf­tig das Recht ein­ge­räumt be­kom­men, ih­ren Bau­ver­trag mit dem Bau­un­ter­neh­men zwei Wo­chen nach Ver­trags­schluss zu wi­der­ru­fen. Au­ßer­dem sor­gen neue Re­ge­lun­gen da­für, dass kurz­fris­ti­ge Än­de­rungs­wün­sche der Bau­her­ren in Zu­kunft bes­ser Be­rück­sich­ti­gung fin­den. Des Wei­te­ren sind Bau­un­ter­neh­men fort­an in der Pflicht, den Ver­brau­chern vor Ver­trags­ab­schluss ei­nen Über­blick über die an­ge­bo­te­ne Leis­tung zu ge­ben, da­mit die­se An­ge­bo­te bes­ser ver­glei­chen kön­nen. Und auch in Sa­chen Ter­mi­ne und Fris­ten gibt es Neue­run­gen. Da­mit Ver­brau­cher in Zu­kunft mehr Pla­nungs­si­cher­heit ha­ben und sich auf Fris­ten der Un­ter­neh­men und Pla­nungs­bü­ros ver­las­sen kön­nen, müs­sen Bau­ver­trä­ge künf­tig An­ga­ben zur Fer­tig­stel­lung ent­hal­ten. Die Bau­un­ter­neh­men, aber auch Ar­chi­tek­turund In­ge­nieur­bü­ros in Deutsch­land ha­ben in­fol­ge­des­sen zu­künf­tig al­le Hän­de voll zu tun. Um den neu­en Ge­set­zes­än­de­run­gen ge­recht zu wer­den, müs­sen sich vie­le von ih­nen um­stel­len und die ver­än­der­ten Be­din­gun­gen und An­for­de­run­gen neu in den Ar­beits­all­tag in­te­grie­ren.

Fo­to: Re­dak­ti­on/ko­si

Mit dem Bau­ver­trags­recht än­dert sich ei­ni­ges für Pla­ner und Ar­chi­tek­ten.

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