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En­de 2016 hat der bel­gisch-nie­der­län­di­sche Zie­gel­pro­du­zent Van­der­san­den an­ge­kün­digt, die CRH Clay Di­vi­si­on, wel­che zur bör­sen­no­tier­ten iri­schen CRH-Grup­pe ge­hört, zu über­neh­men. An­fang 2017 wur­de die Über­nah­me voll­zo­gen. Nun heißt es, Tem­po ma­chen und den

baustoffmarkt - - Industrie - TEXT: THORS­TEN SCHMIDT

Die Über­nah­me ist ein or­dent­li­cher Sprung für die Van­der­san­den Grup­pe, die sich selbst als Markt­füh­rer im Be­reich Hand­form-Vor­mau­er­zie­gel in Bel­gi­en und Deutsch­land be­zeich­nen. Zur Er­in­ne­rung: Die Ak­qui­si­ti­on um­fasst drei Wer­ke in den Nie­der­lan­den und ei­nes in Deutsch­land. In Deutsch­land pro­du­zie­ren AKA Klin­ker mit Sitz in Pei­ne und ei­nem Werk in der Nä­he von Dres­den Strang­press-Vor­mau­er­klin­ker und Pflas­ter­klin­ker. In den Nie­der­lan­den ge­hö­ren die Wer­ke By­landt Tol­ka­mer (Pflas­ter­zie­gel), By­landt Kes­sel (Strang­press-Vor­mau­er­klin­ker und -pflas­ter­zie­gel) und Fa­ça­de Beek (Hand­form/Was­ser­strich-Vor­mau­er­zie­gel) da­zu. Eben­so wur­de der Ver­triebs­part­ner „De Sa­eg­her“in Ant­wer­pen/Bel­gi­en über­nom­men. „Der In­te­gra­ti­ons­pro­zess läuft der­zeit auf Hoch­tou­ren. Auch wenn noch al­les in Be­we­gung ist, ha­ben wir schon ei­nen gu­ten Teil der Stre­cke ge­schafft“, zieht Henk van de Graaf ein ers­tes Fa­zit und zeigt sich zu­ver­sicht­lich, dass die Ver­bund­vor­tei­le aus der Über­nah­me schon bald auch für die Au­ßen­welt sicht­bar wer­den und sich po­si­tiv be­merk­bar ma­chen. Da­bei geht es für den Zie­gel­pro­du­zen­ten, der mit der Über­nah­men auch zum Markt­füh­rer für Pflas­ter­zie­gel in Bel- gi­en und den Nie­der­lan­den auf­steigt, zu­nächst dar­um, die Fa­b­rik­an­la­gen so­wie das weit­ver­zweig­te Ver­triebs­netz zu in­te­grie­ren und auf die­sem Weg in ers­ter Li­nie auch die Mit­ar­bei­ter mit­zu­neh­men. Des­halb le­gen van de Graaf und Hel­ge Beh­rens, der be­reits seit über 25 Jah­ren für den deut­schen Klin­ker­spe­zia­lis­ten mit Stamm­sitz in Pei­ne/Han­no­ver tä­tig ist, Wert dar­auf, Brü­cken für die neue Un­ter­neh­mens­or­ga­ni­sa­ti­on zu bau­en und durch die Prä­senz vor Ort of­fe­ne Fra­gen früh­zei­tig zu klä­ren, um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen. „Die­ses frü­he Flag­ge zei­gen hat uns beim lau­fen­den In­te­gra­ti­ons­pro­zess sehr ge­hol­fen“, sagt Beh­rens.

Weit oben auf der Agen­da steht da­ne­ben die Ver­schmel­zung der Ver-

„Un­se­re Viel­falt ist un­se­re Stär­ke.“Henk van de Graaf

triebs­or­ga­ni­sa­ti­on, die sich teils über­schnei­den, teils aber auch er­gän­zen, so dass die neu for­mier­te Grup­pe am En­de des Pro­zes­ses sei­ne Prä­senz auf den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten und da­mit auch in Deutsch­land wei­ter schär­fen und aus­wei­ten kann. „Wir ha­ben uns auf die Fah­nen ge­schrie­ben, auch in Zu­kunft auf Kun­den­nä­he, Kun­den­ser­vice, ei­ne kla­re Aus­rich­tung und Po­si­tio­nie­rung un­se­rer Klin­ker im Wand und Bo­den­be­reich zu set­zen, ob im Bau­trä­ger­ge­schäft im Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­haus­bau oder im Ob­jekt­be­reich, sind sich van de Graaf und Beh­rens ei­nig. „Wir se­hen hier Rie­sen­mög­lich­kei­ten, weil wir sehr gut zu­ein­an­der pas­sen und sich un­se­re bis­he­ri­gen Ge­schäfts­fel­der sehr gut er­gän­zen, aber ver­schlie­ßen auch nicht die Au­gen vor den Her­aus­for­de­run­gen, die mit ei­ner Über­nah­me im- mer ver­bun­den sind“, be­tont der Ver­triebs­di­rek­tor. Auch Beh­rens freut sich nach vie­len Jah­ren der Kon­zern­zu­ge­hö­rig­keit nun wie­der für ein Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men tä­tig zu sein.

Deutsch­land ist ei­ner der wich­tigs­ten Ab­satz­märk­te

Der neu­for­mier­te Zie­gel­pro­du­zent ver­fügt ak­tu­ell nach ei­ge­nen An­ga­ben über ei­ne Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät von 500 Mil­lio­nen Zie­gel pro Jahr und rech­net nach der Über­nah­me für die­ses Jahr mit ei­nem kon­so­li­dier­ten Grup­pen­um­satz von rund 160 Mil­lio­nen Eu­ro. Die wich­tigs­ten Ab­satz­märk­te sind Bel­gi­en, die Nie­der­lan­de und Deutsch­land mit ins­ge­samt rund 85 Pro­zent des Um­sat­zes. Da­ne­ben ex­por­tiert der Zie­gel­pro­du­zent in mehr als 20 an­de­re Län­der und Re­gio­nen – dar­un­ter Groß­bri­tan­ni­en, Ir­land, Frank­reich, Po­len, Russ­land, den Mitt­le­ren Os­ten und Asi­en.

Die Sy­ner­gie­ef­fek­te, die sich aus der Über­nah­me er­ge­ben, sol­len in ers­ter Li­nie auf den für das Un­ter­neh­men wich­ti­gen deut­schen Markt ab­strah­len. „Wir ha­ben nun noch mehr Mög­lich­kei­ten, um die Be­dürf­nis­se des Mark­tes und der ver­schie­de­nen Ziel­grup­pen im Fas­sa­den und Pflas­ter­klin­ker-Be­reich be­darfs­ge­recht ab­zu­de­cken. Be­son­ders im Ob­jekt­ge­schäft ver­spricht sich das Un­ter­neh­men durch den Zu­sam­men­schluss gro­ße Vor­tei­le. Denn die 1989 ge­grün­de­te AKA Zie­gel­grup­pe hat sich ne­ben den Be­rei­chen Fas­sa­denk­lin­ker, Back­stei­ne, Form­back/Hand­for­mVer­blen­der in den letz­ten Jah­ren er­folg­reich im Markt für Pflas­ter­klin­ker po­si­tio­niert und sys­te­ma­tisch aus­ge­baut. Da­ge­gen ist das Kern­ge­schäft der Bel­gi­er das Vor­mau­er­seg­ment im Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­haus­bau. Durch den Zu­sam­men­schluss steht das Ge­schäfts­mo­dell der Grup­pe zu­künf­tig auf zwei star­ken Säu­len. Ins­ge­samt wird sich das Port­fo­lio der Van­der­san­den Grup­pe so­mit di­ver­si­fi­zier­ter und re­gio­nal noch brei­ter prä­sen­tie­ren. Ein Grund, war­um das Un­ter­neh­men zu­künf­tig ei­ne stär­ke­re und da­mit wahr­nehm­ba­re Tren­nung der Seg­men­te Wand und Bo­den vor­neh­men wird.

Wei­ter­hin will man auch die Zu­sam­men­ar­beit mit den Ar­chi­tek­ten wei­ter aus­bau­en. „Un­se­re Viel­falt in Form und Far­be ver­bun­den mit Fle­xi­bi­li­tät ist un­ser Pfund in der Ar­chi­tek­ten­an­spra­che. Das ist zwar ein har­tes Stück ar­bei­tet, die­se Po­si­ti­on zu hal­ten, aber wir müs­sen als Spe­zia­list tief in den Märk­ten ver­an­kert sein, um so un­se­re Fach­händ­ler im Vor­ver­kauf ak­tiv un­ter­stüt­zen zu kön­nen. Wenn wir die­se Auf­ga­be gut er­fül­len, uns auf un­ser Ge­schäft kon­zen­trie­ren und da­bei mit den Fü­ßen auf dem Bo­den blei­ben, wer­den wir auch in Zu­kunft er­folg­reich sein“, schaut der Ver­triebs­di­rek­tor op­ti­mis­tisch in die Zu­kunft.

Ins­ge­samt fügt sich die Über­nah­me in die all­ge­mei­ne Stra­te­gie der Grup­pe ein, sich als ei­nes der größ­ten Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men in der eu­ro­päi­schen Zie­gel­in­dus­trie zu po­si­tio­nie­ren. In die­se Rich­tung ziel­te kürz­lich schon die Über­nah­me des Ver­triebs- part­ners Hos­kins Brick in Groß­bri­tan­ni­en. „Nach Ab­schluss des In­te­gra­ti­ons­pro­zes­ses wird Van­der­san­den ein neu­es Ge­sicht und ei­ne neue Struk­tur be­kom­men, um die Grup­pe wei­ter­hin als ak­ti­ven Part in ei­ner sich wei­ter än­dern­den Zie­gel­welt vor­an­zu­brin­gen“, fasst van de Graaf die mit­tel­fris­ti­ge Stra­te­gie des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens ab­schlie­ßend zu­sam­men.

Wol­len den In­te­gra­ti­ons­pro­zess in den nächs­ten Mo­na­ten ste­tig vor­an­trei­ben (v. l.): Hel­ge Beh­rens, Ver­triebs­lei­ter Vor­mau­er, und Henk van de Graaf, Ver­triebs­lei­ter Pflas­ter­klin­ker, beim Ge­spräch in der Aus­stel­lung in He­dik­hui­zen.

FOTOS: RE­DAK­TI­ON/TS

Das Klin­ker­werk in He­dik­hui­zen bei Her­to­gen­bosch/Nie­der­lan­de wur­de En­de 2007 in Be­trieb ge­nom­men. Das Werk ver­fügt über ei­ne Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät von rund 75 Mil­lio­nen Klin­kern.

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