Zu­kunft den­ken

Vor sechs Jah­ren hat­te der Flie­sen­her­stel­ler Ke­ra­team ins säch­si­sche Leis­nig ein­ge­la­den, um den vier­ten Ofen im Werk ein­zu­wei­hen. Seit­dem hat sich im Un­ter­neh­men und in der ge­sam­ten Steu­ler-Flie­sen­grup­pe ei­ni­ges ge­tan. Höchs­te Zeit al­so für ei­nen er­neu­ten

baustoffmarkt - - Industrie - TEXT: BIRTE PENSHORN

Die Re­duk­ti­on von klein­for­ma­ti­gen Wand­flie­sen, die Ver­la­ge­rung der St­ein­gut­pro­duk­ti­on von Bre­men nach Leis­nig, die For­cie­rung der Fein­stein­zeug-Pro­duk­te oder die Ein­füh­rung der Di­gi­tal­druck-Tech­no­lo­gie an al­len Stand­or­ten – dies sind nur ei­ni­ge der Maß­nah­men, die in den letz­ten fünf Jah­ren in der Steu­ler-Flie­sen­grup­pe um­ge­setzt wur­den. In die ge­sam­te Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gie wur­den in die­sem Zei­t­raum mehr als 50 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert.

Um auf all dies ein­ge­hen zu kön­nen, war der Kreis der Gast­ge­ber beim Pres­se­mee­ting ent­spre­chend groß: Micha­el Steu­ler, Ge­schäfts­füh­rer Steu­ler-Flie­sen und der Steu­ler Grup­pe, Pe­ter Wil­son, Ge­schäfts­füh­rer Steu­ler-Flie­sen und Team Steu­ler, Dr. Rü­di­ger Grau, Ge­schäfts­füh­rer

Ke­ra­team, Ste­fan Zeid­ler, Vor­stand Nord­deut­sche St­ein­gut, Jür­gen

Wörs­dör­fer, Ge­samt­ver­triebs­lei­ter Team Steu­ler, und die Mar­ke­ting­ver­ant­wort­li­chen Ste­fan Grimm­ei­sen (Steu­ler-Flie­sen), Kath­rin Senf (Ke­ra­team) und An­dré St­ei­ner (Nord­deut­sche St­ein­gut). Und al­le hat­ten viel zu be­rich­ten. Ke­ra­team mach­te den An­fang mit ei­nem Rund­gang durch das Werk, um die neu­es­ten Ent­wick­lun­gen zu prä­sen­tie­ren. 2,6 Mil­lio­nen Eu­ro wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr in­ves­tiert. Neu sind un­ter an­de­rem die Tro­cken­rek­ti­fi­zie­rung, nach ei­ge­ner Aus­sa­ge die ers­te in Deutsch­land, und die Di­gi­tal­druck­tech­nik. „Wir wol­len noch stär­ker in den Di­gi­tal­druck und die Viel­falt, die da­durch mög­lich ist, nut­zen“, er­klärt Dr. Grau. 600 000 Eu­ro hat Ke­ra­team Mit­te 2016 in den Di­gi­tal­druck bei sich im Haus in­ves­tiert – et­was mehr, als nor­ma­ler­wei­se nö­tig wä­re. „Wir hat­ten be­son­de­re An­for­de­run­gen, woll­ten ei­ne be­son­de­re Kon­stel­la­ti­on“, so Dr. Grau. Mo­men­tan hät­ten sie re­la­tiv vie­le Pro­jek­te im Be­reich der Neu­ent­wick­lung. Dar­aus ent­steht auch ei­ne Not­wen­dig­keit, die be­ste­hen­den Pro­duk­te un­ter die Lu­pe zu neh­men und zu über­prü­fen, ob das ei­ge­ne An­ge­bot so noch sinn­voll ist. Auch un­ter dem Aspekt, dass ei­ne Um­ent­wick­lung von al­ten Pro­duk­ten für den Di­gi­tal­druck teu­er ist.

Zu­kunft Di­gi­ta­li­sie­rung

Für die Tro­cken­rek­ti­fi­zie­rungs­an­la­ge, die En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res den bis­he­ri­gen Stan­dard der Nass­rek­ti­fi­zie­rung ab­ge­löst hat, wur­den 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert.

Doch nicht nur im Be­reich der Druck­tech­nik ist Di­gi­ta­li­sie­rung ein The­ma. Auch die Flie­sen-Aus­stel­lungs­ge­stal­tung im Fach­han­del steht vor Ve­rän­de­run­gen: Wie sol­len all die Neu­hei­ten, die zu­dem im­mer grö­ßer wer­den, noch an­ge­mes­sen prä­sen-

tiert wer­den kön­nen? Mit den klas­si­schen Mus­ter­ta­feln wird dies im­mer schwie­ri­ger. Vor zwei Jah­ren hat man im Un­ter­neh­men des­halb mit dem Pro­jekt „Smar­ter pla­nen“be­gon­nen, wel­ches An­dré St­ei­ner, Mar­ke­ting­lei­ter Nord­deut­sche St­ein­gut, noch ein­mal vor­stell­te, nach­dem es be­reits auf der Cer­saie im ver­gan­ge­nen Jahr prä­sen­tiert wor­den war. Hin­ter­grund da­für war ne­ben den sich wan­deln­den Aus­stel­lun­gen auch die Tat­sa­che, dass der End­ver­brau­cher Kau­fin­for­ma­tio­nen oft schon von zu Hau­se ein­holt. Die On­line-An­wen­dung „Pix­mo“rich­tet sich des­halb an den Bau­her­ren, soll aber na­tür­lich den Han­del ent­spre­chend un­ter­stüt­zen. „Da­bei han­delt es sich nicht um ei­nen Raum­pla­ner, son­dern die An­wen­dung zeigt den ers­ten Ein­druck“, be­tont St­ei­ner. Räu­me kön­nen da­mit nicht im De­tail ge­plant wer­den, da­für ge­be es be­reits Lö­sun­gen von be­kann­ten Her­stel­lern. Da­für sei die An­wen­dung in­tui­tiv be­dien­bar, die Darstel­lung ein­heit­lich und an­spre­chend, die Pro­duk­te kön­nen schnell ge­wech­selt wer­den. Der Kun­de kön­ne so se­hen, wie ei­ne Flie­se in ei­ner grö­ße­ren Flä­che wir­ke und auch zwei ver­schie­de­ne Be­lä­ge mit­ein­an­der ver­glei­chen. Es han­de­le sich au­ßer­dem um kei­ne App, son­dern ei­ne rei­ne On­line-An­wen­dung, die nicht zu­sätz­lich auf Ge­rä­ten in­stal­liert wer­den müs­se. „Pix­mo“ha­be das Po­ten­zi­al, sich als Bran­chen-Lö­sung zu eta­blie­ren, ist man über­zeugt. Ein am­bi­tio­nier­ter Plan, von dem auch die Grup­pe weiß, dass die­ser nur funk­tio­niert, „wenn Han­del und In­dus­trie an ei­nem Strang zie­hen“, wie es aus der Run­de heißt. Die An­wen­dung ha­be ei­nen gro­ßen Nut­zen für den Han­del, sie un­ter­stüt­ze ihn beim Aus­wahl­ver­fah­ren.

Die Soft­ware ist da­bei kei­ne Steu­ler-Ent­wick­lung – sie stammt von ei­nem An­bie­ter und muss ge­mie­tet wer­den, für Händ­ler ge­be es güns­ti­ge Ver­sio­nen, die die­se dann auf ih­rer ei­ge­nen Home­page ein­set­zen könn­ten. Ei­ne Mög­lich­keit zur In­di­vi­dua­li­sie­rung sei eben­falls ge­ge­ben. Die Soft­ware ist da­bei nicht neu, sie wird be­reits im Par­kett- und La­mi­nat­be­reich ver­wen­det. Noch hat nur

die Steu­ler-Grup­pe ih­re Da­ten ein­ge­pflegt, der­zeit be­fin­de sich die In­dus­trie in­ner­halb des Bun­des­ver­ban­des Ke­ra­mi­sche Flie­sen aber in Ge­sprä­chen, die Ab­stim­mun­gen zu ei­ner Ver­bands­lö­sung ha­ben al­so be­gon­nen. „Das In­stru­ment ist gut, wir wer­den da­von pro­fi­tie­ren“, sagt Pe­ter Wil­son, Ge­schäfts­füh­rer Steu­ler-Flie­sen.

Ge­ne­rell be­fin­de sich der In­lands­markt in struk­tu­rel­ler Ve­rän­de­rung, er­klärt Wil­son. Um sich die­sen ver­än­dern­den Markt­be­din­gun­gen und den Struk­tur­ver­än­de­run­gen an­zu­pas­sen, be­steht der stra­te­gi­sche An­satz für Steu­ler da­rin, die Ver­triebs­ak­ti­vi­tä­ten zu in­ten­si­vie­ren und die­se an­zu­pas­sen, um mit ei­ner Mehr­mar­ken­stra­te­gie neue Ver­triebs­kom­pe­ten­zen zu schaf­fen. Da­zu ge­hört auch die Grün­dung des „Team Steu­ler“zum An­fang des Jah­res mit Jür­gen Wörs­dör­fer als Ge­samt­ver­triebs­lei­ter für die Mar­ken Ke­ra­team, Steu­ler De­sign und Gres Steu­ler. „Dies ist un­se­re Ant­wort auf den ver­än­der­ten Markt“, sagt er. „Wir wol­len wei­ter wach­sen.“Mit der neu­en Ver­triebs­kom­pe­tenz möch­te man durch ei­ne in­ten­si­ve­re Be­ar­bei­tung Markt­an­tei­le ge­win­nen. Man möch­te nä­her am Markt sein, nach­hal­tig Um­satz und Er­trag stei­gern, vor al­lem bei vor­han­de­nen Han­dels­struk­tu­ren, und die Mar­ken be­kann­ter ma­chen. Die Mar­ken sol­len au­ßer­dem ver­stärkt auch im Ex­klu­siv­be­reich ge­nutzt wer­den.

Kla­re Mar­ken­po­si­tio­nie­rung

Die Zu­sam­men­ar­beit mit den Kun­den soll sich da­durch ein­fa­cher ge­stal­ten, da die­se nun „ein Ge­sicht“als An­sprech­part­ner für meh­re­re Mar­ken ha­ben, wo­durch wie­der­um die Be­deu­tung beim Kun­den stei­ge. Die ein­zel­nen Mar­ken sol­len da­bei klar po­si­tio­niert wer­den und nicht ver­schmel­zen. An der Mar­ken­stra­te­gie hält man fest. Die Mar­ke Steu­ler bil­det da­bei das hoch­prei­si­ge Seg­ment. Mit der Mar­ke Ke­ra­team hin­ge­gen wol­le man sich im Mit­tel­preis­seg­ment be­we­gen. In die­ser Stra­te­gie sei­en die Sor­ti­men­te nicht mehr nach Pro­duk­ti­ons­stand­or­ten, son­dern aus Markt­sicht kun­den­ori­en­tiert in Ka­ta­log­wa­re und Ex­klu­siv­se­ri­en dif­fe­ren­ziert.

Dar­an an­ge­passt hat es im Au­ßen­dienst ei­ne neue Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur ge­ge­ben: Neun Ver­kaufs­ge­bie­te wur­den, je nach Kun­den­po­ten­zi­al und nach Zu­sam­men­ar­beit, Wett­be­werbs­si­tua­ti­on oder Wa­ren­strö­men im Ge­biet de­fi­niert. Pro Ge­biet ist ein An­sprech­part­ner vor­han­den, teil­wei­se sei man im Tan­dem un­ter­wegs, wor­aus sich schließ­lich zwölf Mit­ar­bei­ter er­ge­ben. Die­se Ver­kaufs­ge­bie­te wie­der­um wur­den in zwei Re­gio­nen auf­ge­teilt: Nord und Süd mit den re­gio­na­len Ver­triebs­lei­tern Jo­sé

Mon­tei­ro und Horst Weid­ner.

Die Grup­pe der Gast­ge­ber in Leis­nig (v. l.): Jür­gen Wörs­dör­fer, An­dré St­ei­ner, Ste­fan Grimm­ei­sen, Dr. Rü­di­ger Grau, Pe­ter Wil­son, Kath­rin Senf, Micha­el Steu­ler und Ste­fan Zeid­ler.

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