Ro­ter Fa­den durch das Haus

Seit 1971 kön­nen Tou­ris­ten die Se­hens­wür­dig­kei­ten Han­no­vers er­lau­fen, oh­ne sich zu ver­lau­fen. Da­für sorgt der so ge­nann­te Ro­te Fa­den. Die Idee wur­de bei der Neu­ge­stal­tung ei­nes Ge­bäu­des auf­ge­grif­fen.

baustoffpraxis - - ANWENDERBERICHT -

Auf ei­ner Län­ge von mehr als vier Ki­lo­me­tern ist er auf die Pflas­ter und Fuß­gän­ger­we­ge der Lan­des­haupt­stadt ge­malt. Ei­ne Idee, die die Han­no­ver Rück bei der Neu­ge­stal­tung ih­res Emp­fangs- und Gäs­te­be­wir­tungs­be­reichs auf­griff. Von der Re­zep­ti­on aus führt dort der Ro­te Fa­den vor­bei an fünf Gäs­te­spei­se­räu­men, von de­nen je­der ein an­de­res Thema aus der Stadt­ge­schich­te auf­greift. Er­stellt wur­den die­se fünf „Er­leb­nis­wel­ten“un­ter an­de­rem mit Tro­cken­bau­kon­struk­tio­nen durch die Dry­tec In­nen­aus­bau­ge­sell­schaft aus Seel­ze.

„Den An­fang mach­ten die Ar­bei­ten im Emp­fangs­raum. Dort fin­den sich un­ter an­de­rem ei­ne klei­ne Be­wir­tungs­the­ke und ein Dis­play, das zum Bei­spiel über die Be­le­gung der ein­zel- nen Gäs­te­räu­me in­for­miert“, be­rich­tet Alex­an­der Ma­chill, Ge­schäfts­füh­rer des In­nen­aus­bau-Un­ter­neh­mens. Das In­fo-Dis­play bil­det zugleich den Start­punkt des haus­ei­ge­nen „Ro­ten Fa­dens“, der von dort über Wand und Bo­den durch den ge­sam­ten Flur­be­reich führt. „Vor al­len Wän­den des Emp­fangs­raums und in den Flur­be­rei­chen ha­ben wir frei­ste­hen­de Vor­satz­scha­len mit CW-50-Wand­pro­fi­len und ei­ner ein­la­gi­gen Be­plan­kung mit ,Ri­gips Bau­plat­ten RB’ er­rich­tet, um die in­di­rek­te Be­leuch­tung im So­ckel- und De­cken­be­reich zu in­te­grie­ren. Es folg­ten rund 160 Qua­drat­me­ter nicht­tra­gen­de hoch­schall­däm­men­de Dop­pel­stän­der­wän­de, beid­sei­tig mit zwei La­gen ,Feu­er­schutz­plat­ten RF’ be­plankt und ei­ner ein­ge­leg­ten zwei­la­gi­gen, ins­ge­samt 120 mm di­cken Mi­ne­ral­wol­le­däm­mung.“Die so er­rich­te­ten Tro­cken­bau­wän­de tren­nen al­le Räu­me vom Flur­be­reich und un­ter­ein­an­der ab..

Im ers­ten der fünf Gäs­te­räu­me spielt der Vor­läu­fer des Plat­ten­spie­lers, er­fun­den vom Han­no­ve­ra­ner Emil Ber­li­ner, ei­ne prä­gen­de Rol­le. Ein na­he­zu die ge­sam­te De­cken­flä­che über­span­nen­der, aus Kup­fer ge­trie­be­ner Schall­trich­ter wur­de hier­für über ei­ne spe­zi­el­le Trag­kon­struk­ti­on an der Roh­be­ton­de­cke be­fes­tigt. „Die Be­stands­wän­de er­hiel­ten eben­falls Vor­satz­scha­len und für die an die durch­ge­hen­de Fens­ter­front an­gren­zen­de Längs­sei­te der De­cke ha­ben wir ein 500 Mil­li­me­ter brei­tes De­cken­fries aus glat­ten Bau­plat­ten er­stellt. Da­mit die­se auf ei­ner Ebe­ne mit den ,Aus­läu­fern’ des Trich­ters ab­schlie­ßen, wur­de das Fries cir­ca 150 Mil­li­me­ter tief ab­ge­hängt“, sagt Ma­chill.

Han­no­ver gilt als die Stadt, in der das reins­te Hoch­deutsch ge­spro­chen wird, ent­spre­chend ist der größ­te Raum des En­sem­bles die­sem Thema ge­wid­met. Er wird auf der ge­sam­ten Län­ge von ei­nem gro­ßen Be­spre­chungs­tisch durch­zo­gen und kann mit ei­ner mo­bi­len Trenn­wand ge­teilt wer­den. „Kom­plex war hier un­ter an­de­rem die De­cken­kon­struk­ti­on, die

voll­stän­dig aus asym­me­tri­schen Form­tei­len er­stellt und an ab­ge­häng­te ver­zink­te CD-De­cken­pro­fi­le mon­tiert wur­de. Die zwi­schen den Form­tei­len ver­lau­fen­den Schlit­ze wei­sen al­le spit­ze 45 Grad-Kan­ten auf und sind an den Kreu­zungs­punk­ten auf Geh­rung ge­ar­bei­tet. Aus die­sen je­weils cir­ca 35 Mil­li­me­ter brei­ten Schlit­zen ha­ben wir in­di­rekt be­leuch­te­te Fu­gen ge­schaf­fen, die qua­si als Licht­li­ni­en den ge­sam­ten Raum durch­schnei­den und über die Wän­de und den Bo­den – dort nur an­ge­deu­tet und nicht be­leuch­tet – wei­ter­ge­führt wer­den. Die obe­re Ab­de­ckung der Licht­ka­nä­le wur­de mit­hil­fe bieg­sa­mer ,GK-Form’-Plat­ten als 135 Grad-Um­kan­tun­gen ge­fer­tigt. Und das Hoch­deut­sche? Wird sym­bo­li­siert an­ge­deu­tet: Die Licht­li­ni­en ste­hen – so die Idee der Ar­chi­tek­ten – für die Ge­rad­li­nig­keit und Dy­na­mik der deut­schen Spra­che.

Der Raum „Leib­nitz“ist dem Uni­ver­sal­ge­lehr­ten Gott­fried Wil­helm Leib­nitz ge­wid­met. Er leb­te und wirk­te in Han­no­ver und er­fand dort die ers­te bi­nä­re Re­chen­ma­schi­ne ba­sie­rend auf dem Prin­zip der Staf­fel­wal­ze, ei­ner Art Zahn­rad mit neun „Zäh­nen“. „Die­ses spe­zi­el­le Zahn­rad soll­te als raum­prä­gen­de Kon­struk­ti­on an der ab­ge­häng­ten Un­ter­de­cke nach­ge­bil­det wer­den. Da­für wur­den aus ,Bau­plat­ten RB’ mit­hil­fe von Scha­blo­nen neun Ein­zel­ele­men­te aus­ge­schnit­ten. Je­der ,Zahn’ be­sitzt an­de­re Ma­ße und die Mon­ta­ge muss­te, um die ge­wünsch­te Op­tik zu schaf­fen, in­ein­an­der ver­schach­telt er­fol­gen“, so Ma­chill. Die – die De­cken­mit­te um­lau­fen­den – Wal­zen­zäh­ne wur­den dann cir­ca 600 Mil­li­me­ter bis 650 Mil­li­me­ter tief von der Un­ter­de­cke ab­ge­hängt und die Dek­ken­hohl­räu­me an­schlie­ßend ge­gen Ein­sicht von un­ten ge­schlos­sen.

Mit dem Raum „Han­no­ve­ra­ner“wird der welt­weit ver­brei­te­ten Pfer­de­ras­se die Re­fe­renz er­wie­sen. In Mö­blie­rung und Aus­bau soll­te die­ser be­wusst rus­ti­kal ge­stal­tet wer­den – un­ter an­de­rem durch of­fen­lie­gen­de Bal­ken­la­gen, die je­doch rein op­ti­sche und kei­ne sta­ti­schen Auf­ga­ben über­neh­men. „Wie in al­len an­de­ren Räu­men ha­ben wir auch hier zu­nächst frei­ste­hen­de Vor­satz­scha­len er­rich­tet. Die Un­ter­de­cke aus ,Bau­plat­ten RB’ er­hielt um­lau­fend Schat­ten­fu­gen so­wie ei­ne zu­sätz­lich ver­stärk­te Un­ter­kon­struk­ti­on zur Be­fes­ti­gung der sicht­ba­ren Holz­bal­ken.“

Mehr als elf Pro­zent der Ge­samt­flä­che Han­no­vers sind von Grün­flä­chen und Wäl­dern be­deckt. Nie­der­sach­sens Haupt­stadt ist da­mit un­an­ge­foch­ten die grüns­te Stadt Deutsch­lands. Im Gäs­te­raum „Grü­ne Stadt“wird dem­ent­spre­chend die­se Ei­gen­schaft durch ein grü­nes Band auf dem Bo­den, der Wand und der De­cke re­prä­sen­tiert, das durch die brei­te Fens­ter­front qua­si ins Freie hin­aus­ge­tra­gen wird. „An der De­cke und im obe­ren Drit­tel der Wand wur­den zu­sätz­lich grün ge­stri­che­ne, teil­wei­se hin­ter­leuch­te­te Form­tei­le mon­tiert, die ei­ne Art Blät­ter­wald bil­den. Al­le grü­nen Wand- und De­cken­ele­men­te he­ben sich durch Schat­ten­fu­gen von den wei­ßen Be­gren­zungs­flä­chen ab, wo­durch der Ein­druck ei­nes grü­nen Ban­des ver­stärkt wird.“

FO­TOS: ALEX­AN­DER MA­CHILL/RI­GIPS

Ein aus Kup­fer ge­trie­be­ner Schall­trich­ter hängt im Raum „Gram­mo­phon“.

Ei­ne Staf­fel­wal­ze war das Vor­bild für die in die­sem Raum ge­schaf­fe­ne De­cken­kon­struk­ti­on.

Von der Re­zep­ti­on aus führt der Ro­te Fa­den vor­bei an fünf Gäs­te­räu­men.

Elf Pro­zent der Ge­samt­flä­che Han­no­vers sind von Grün­flä­chen und Wäl­dern be­deckt, was sich in der Gestal­tung des Rau­mes „Grü­ne Stadt“wi­der­spie­gelt.

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