Wel­che Ei­gen­schaf­ten ma­chen ein idea­les de­zen­tra­les Fil­ter­sys­tem aus? Claus Hu­we er­läu­tert dies am Bei­spiel ei­nes Pro­jek­tes in Ru­mä­ni­en.

Die Her­aus­for­de­run­gen, die die Ver­sie­ge­lung von Bö­den und der Kli­ma­wan­del für die Was­ser­wirt­schaft mit sich brin­gen, las­sen sich be­wäl­ti­gen. Wie, er­klärt Claus Hu­we am Bei­spiel ei­nes Bau­pro­jekts in Ma­maia, Ru­mä­ni­en.

baustoffpraxis - - AUS DEM INHALT -

In­ten­si­ve Nut­zung und Be­bau­ung von Land­flä­chen, ste­tig zu­neh­men­der Aus­bau von Ver­kehrs-, In­dus­trie- und Sied­lungs­flä­chen – das sind Fak­to­ren, die den na­tür­li­chen Was­ser­haus­halt ne­ga­tiv be­ein­flus­sen. Denn ver­sie­gel­te Flä­chen ver­hin­dern nicht nur die Ver­duns­tung, auch die Grund­was­ser­neu­bil­dung wird un­ter­bun­den.

Ei­nen na­tur­na­hen und nach­hal­ti­gen Was­ser­kreis­lauf zu ge­währ­leis­ten, ist nicht nur wich­ti­ges öko­lo­gi­sches Ziel vie­ler Bau­vor­ha­ben son­dern wird von be­hörd­li­cher Sei­te ge­for­dert. So auch bei der Sa­nie­rung der In­fra­struk­tur ent­lang der Ufer­pro­me­na­de des Ba­de­orts Ma­maia in Ru­mä­ni­en.

De­zen­tra­le Fil­ter­sys­te­me zur Re­gen­was­ser­be­hand­lung gibt es in ganz ver­schie­de­nen Aus­füh­run­gen. Doch wel­che Ei­gen­schaf­ten ma­chen ein idea­les Be­hand­lungs­sys­tem aus? Ne­ben mo­de­ra­ten An­schaf­fungs- und Ein­bau­kos­ten und ge­rin­gen War­tungs­kos­ten soll­te das Sys­tem ei­ne aus­rei­chen­de Ka­pa­zi­tät be­sit­zen, um auch ho­he Nie­der­schlags­auf­kom­men zu be­wäl­ti­gen; es soll­te das auf­ge­fan­ge­ne Nie­der­schlags­was­ser ma­xi­mal rei­ni­gen und ver­lust­frei ver­si­ckern.

Ro­bus­tes Rin­nen­sys­tem

In Ma­maia fiel die Ent­schei­dung auf die Fil­ter­sub­stratrin­ne „Drain­fix Cle­an“– fast 8 500 Me­ter wur­den für die Rei­ni­gung des Ober­flä­chen­was­sers ver­baut. Da­bei spiel­te auch die Be­schaf­fen­heit des Rin­nen­sys­tems ei­ne tra­gen­de Rol­le. Denn für den Ein­bau in di­rek­ter Mee­res­nä­he brauch­te man ein ro­bus­tes so­wie re­sis­ten­tes Rin­nen­sys­tem. Die Rin­nen­kör­per aus Re­cy­cling­kunst­stoff bie­ten hier be­son­ders vor­teil­haf­te Ma­te­ri­al­ei­gen- schaf­ten: Sie sind äu­ßerst wi­der­stands­fä­hig ge­gen Kor­ro­si­on und hal­ten höchs­ten Ver­kehrs­be­las­tun­gen und Tem­pe­ra­tur­un­ter­schie­den stand. Zu­dem kann das Ent­wäs­se­rungs­sys­tem auf je­dem Un­ter­grund ein­ge­baut wer­den. Das Nie­der­schlags­was­ser wird auf der be­bau­ten Flä­che ge­sam­melt, muss aber nicht dort ver­si­ckert wer­den, son­dern kann durch Ver­sik­ke­rungs­ri­go­len ge­lei­tet wer­den.

Nur sau­be­res Was­ser darf dem Grund­was­ser wie­der zu­ge­führt und in Ver­si­cke­rungs­an­la­gen ein­ge­lei­tet wer­den. Die Wir­kungs­wei­se am Markt be­find­li­cher Fil­ter­sys­te­me be­steht dar­in, Schad­stoff­par­ti­kel durch ei­nen ent­spre­chen­den Fil­ter­wi­der­stand zu­rück­zu­hal­ten. Das Fil­ter­ma­te­ri­al rei­nigt da­bei das auf­ge­fan­ge­ne Ober­flä­chen­was­ser: Durch Ab­sorp­ti­on und Ad­sorp­ti­on kön­nen auch ge­lös­te Schad­stof­fe im Re­gen­ab­fluss dau­er­haft in ei­nem da­für ge­eig­ne­ten Fil­ter­ma­te­ri­al ge­bun­den wer­den. Je grö­ßer Fil­ter­flä­che, Sub­strat- und Ver­füll­vo­lu­men sind, um­so län­ger blei­ben Durch­läs­sig­keit, Schad­stoff­bin­de­ver­mö­gen und hy­drau­li­sche Leis­tung er­hal­ten. Das Rin­nen­fil­ter­sys­tem „Drain­fix Cle­an“von Hau­ra­ton bie­tet mit sechs Ki­lo­gramm Fil­ter­sub­strat je Qua­drat­me­ter an­ge­schlos­se­ner Flä­che (Au) und ei­nem Fil­ter­flä­chen­ver­hält­nis von zwei Pro­zent über 120 Jah­re Bin­de­leis­tung für ge­lös­te Schwer­me­tal­le. Das Fil­ter­ma­te­ri­al ist ein car­bo­na­thal­ti­ges Sub­strat. Es han­delt sich da­bei um ei­ne Ober­flä­chen­fil­tra­ti­on, bei der vor

al­lem die schad­stoff­be­la­de­nen Fein­par­ti­kel – kleins­te Par­ti­kel mit Korn­grö­ßen ge­rin­ger als 60 μm (0,06 mm) – zu­rück ge­hal­ten wer­den. So las­sen sich mehr als 99 Pro­zent der Schad­stof­fe her­aus­fil­tern.

Ver­suchs­an­la­ge ein­ge­rich­tet

Die Ober­flä­chen­fil­tra­ti­on und die lan­ge Bin­de­leis­tung des Fil­ter­sub­strats er­mög­li­chen ein leicht an­zu­wen­den­des War­tungs­ver­fah­ren. Le­dig­lich die Sub­stra­to­ber­flä­che muss, zu­sam­men mit ei­nem ge­rin­gen An­teil Fil­ter­sub­strat, ge­rei­nigt und er­setzt wer­den. Bei ei­nem Fil­ter­flä­chen­ver­hält­nis von zwei Pro­zent und ei­nem Fest­stoff­an­fall von 600 kg /(ha*a) ist die­ser Vor­gang al­ler­dings nur in War­tungs­ab­stän­den von meh­re­ren Jah­ren not­wen­dig.

Doch was be­deu­tet Flug­sand für die War­tung? Am Schwarz­meer­st­rand kommt per Wind­drift vom Strand reich­lich Sand, der sich auch in dem Re­ten­ti­ons­rin­nen­fil­ter­sys­tem ab­setzt. Da das Sys­tem durch das ge­wähl­te Funk­ti­ons­prin­zip der Ober­flä­chen­fil­tra­ti­on je­doch be­reits mit Durch­läs­sig­kei­ten ent­spre­chend des Flug­s­an­des ar­bei­tet und gleich­zei­tig aus­rei­chend gro­ße Fil­ter­flä­chen zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den, stört der Sand die Funk­ti­ons­fä­hig­keit kaum. Nur um den Re­ten­ti­ons­raum zu er­hal­ten, muss der Sand von Zeit zu Zeit wie­der ab­zu­tra­gen. Da­für wer­den die Ab­dek­kun­gen ent­nom­men und der Sand ober­halb des Fil­ter­sub­strats ab­ge­schält. Ein Aus­wech­seln des Fil­ter­ma­te­ri­als ist nicht nö­tig.

Um ei­ne op­ti­ma­le Ober­flä­chen­ent­wäs­se­rung und gleich­zei­ti­ge Was­ser­rei­ni­gung ga­ran­tie­ren zu kön­nen, hat Hau­ra­ton in Ko­ope­ra­ti­on mit der Stadt Augs­burg ei­ne Ver­suchs­an­la­ge ein­ge­rich­tet, in der das Sys­tem über meh­re­re Jah­re er­probt wur­de. Die Ver­suchs­an­la­ge liegt an ei­nem Au­to­bahn­zu­brin­ger mit sehr ho­her Win­ter­sal­zung, auf Stra­ßen­keh­run­gen wur­de ab­sicht­lich ver­zich­tet. Die hier durch­ge­führ­ten Un­ter­su­chun­gen und ih­re wis­sen­schaft­li­che Aus­wer­tung brach­ten zahl­rei­che Er­kennt­nis­se zu den Schad­stof­fen, die durch Re­gen­was­ser­ein­lei­tun­gen in die Ge­wäs­ser­sys­te­me ge­lan­gen. Die­se Fak­to­ren wie­der­um flos­sen in die Ent­wick­lung des Sub­strat­fil­ters mit ein.

FO­TOS: HAU­RA­TON

Das Ent­wäs­se­rungs­sys­tem in Ma­maia soll­te meh­re­re Funk­tio­nen er­fül­len, un­ter an­de­rem Ober­flä­chen­ent­wäs­se­rung und un­auf­wen­di­ge War­tung.

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