Mar­kus Hup­pertz sagt im In­ter­view, war­um Re­gen­was­ser­ma­nage­ment not­wen­dig ist und wo die Ein­satz­be­rei­che lie­gen.

Re­gen­was­ser­ma­nage­ment – ein Be­griff mit vie­len De­fi­ni­tio­nen. Die ei­nen ver­wen­den ihn im Zu­sam­men­hang mit der Auf­be­rei­tung von Re­gen­was­ser, an­de­re mit der Wie­der­ver­wen­dung da­von. Mar­kus Hup­pertz er­läu­tert, wie Bir­co das Thema be­trach­tet.

baustoffpraxis - - AUS DEM INHALT -

Herr Hup­pertz, was ver­ste­hen Sie bei Bir­co un­ter Re­gen­was­ser­ma­nage­ment?

Re­gen­was­ser­ma­nage­ment ist ein Be­griff, der in un­se­ren Au­gen vier Be­rei­che mit­ein­an­der ver­eint: das Sam­meln, Ab­lei­ten, Be­han­deln und Ver­si­ckern be­zie­hungs­wei­se die Re­ten­ti­on von Nie­der­schlags­was­ser. Im End­ef­fekt han­delt es sich da­bei um ei­ne ziel­ge­rich­te­te Zu­füh­rung des Nie­der­schlags­was­sers. Zu­erst wird es ge­sam­melt, et­wa in Rin­nen, dann wird es ab­ge­lei­tet. Nach dem Be­han­deln, wo­zu zum Bei­spiel das Se­di­men­tie­ren und Fil­trie­ren ge­hört, kann das Was­ser dann ins Grund­was­ser ver­si­ckern, ei­nem Ober­flä­chen­ge­wäs­ser zu­ge­führt wer­den oder an­der- wei­ti­ge Ver­wen­dung fin­den. Oft­mals muss da­bei das Was­ser zu­rück­ge­hal­ten wer­den, wenn die Ver­si­cke­rungs­leis­tung des Bo­dens nicht aus­reicht, oder die an­ge­schlos­se­ne Ka­na­li­sa­ti­on Stark­re­gen nicht be­wäl­ti­gen kann. Die Her­an­ge­hens­wei­se hält den na­tür­li­chen Was­ser­kreis­lauf im Gleich­ge­wicht, wo­bei nicht al­le Schrit­te im­mer zwin­gend not­wen­dig sind. Nicht al­les Nie­der­schlags­was­ser muss be­han­delt wer­den, da­mit man es dem Grund­was­ser zu­füh­ren kann.

Als fünf­ten Punkt kann man zu­sätz­lich die Di­enst­leis­tung um das Re­gen­was­ser­ma­nage­ment her­um se­hen.

Das tech­ni­sche Know-how, das wir als Ex­per­ten wei­ter­ge­ben, run­det den Pro­zess ab.

War­um ist Re­gen­was­ser­ma­nage­ment not­wen­dig?

Es sind drei Aspek­te, die das Gan­ze er­for­der­lich ma­chen: das Ge­setz, die Öko­lo­gie und die zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung der In­fra­struk­tur. Pa­ra­graph 55 des Was­ser­haus­halts­ge­set­zes be­sagt auf Bun­des­ebe­ne, dass Re­gen­was­ser be­zie­hungs­wei­se Nie­der­schlags­was­ser, wo­zu auch Schnee und Ha­gel ge­hö­ren, mög­lichst de­zen­tral be­han­delt und ver­si­ckert wer­den soll. Es wä­re ja auch nicht lo­gisch und zu­dem auf­wen­dig, wenn Re­gen­was­ser zu­erst zu­sam­men mit Braun­was­ser und an­de­ren Ab­wäs­sern in ei­ner Ka­na­li­sa­ti­on ver­mischt und dann wie­der ge­rei­nigt wird. Es be­steht ja die Mög­lich­keit, das Was­ser be­reits be­han­delt an Ort und Stel­le de­zen­tral dem Grund­was­ser zu­zu­füh­ren. Öko­lo­gisch ge­se­hen möch­te man den na­tür­li­chen Was­ser­kreis­lauf er­hal­ten und dem Grund­was­ser und Ober­flä­chen­was­ser sau­be­res Was­ser zur Ver­fü­gung stel­len. Was die städ­ti­sche Ent­wick­lung

an­be­langt, ist es ein Pro­blem, dass im­mer mehr ver­sie­gel­te Flä­chen ent­ste­hen. Wo viel As­phalt­flä­che ist, kann das Was­ser nicht ver­si­ckern. Hin­zu kom­men durch den Kli­ma­wan­del be­ding­te, im­mer häu­fi­ger auf­tre­ten­de Stark­re­ge­ner­eig­nis­se. Wäh­rend die Städ­te wach­sen, kann die be­ste­hen­de Ka­na­li­sa­ti­on nicht er­wei­tert wer­den. All das in Kom­bi­na­ti­on führt zu Über­schwem­mun­gen, die man na­tür­lich ver­mei­den möch­te. Re­gen­was­ser­ma­nage­ment schafft Ab­hil­fe.

Der Ein­satz­be­reich liegt al­so vor al­lem in Städ­ten?

Nicht nur. Über­all dort, wo stark ver­sie­gel­te Flä­chen auf­tau­chen, al­so zum Bei­spiel auch in Wohn­ge­bie­ten, Ge­wer­be­ge­bie­ten oder dort, wo vie­le und brei­te Stra­ßen auf­ein­an­der­tref­fen, ist Re­gen­was­ser­ma­nage­ment von Nö­ten. Be­rei­che, in de­nen der Grund­was­ser­stand sehr hoch ist, er­for­dern pas­sen­de Lö­sun­gen. Dort muss das Was­ser mög­lichst nah an der Ober­flä­che ab­ge­lei­tet wer­den. Tie­fe Schäch­te kön­nen da nicht wei­ter­hel­fen.

Wie geht man am bes­ten vor?

Im Vor­der­grund ste­hen zu­nächst die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben und re­gio­na­le Ge­ge­ben­hei­ten. Ein Pla­ner, der mit ei­nem Pro­jekt be­auf­tragt wird, muss sich er­kun­di­gen, wie stark das Was­ser kon­ta­mi­niert ist und wie viel Was­ser dort ver­si­ckern soll. Da­nach kann er ent­spre­chen­de Kon­zep­te aus­wäh­len. Da­zu muss man na­tür­lich die Pro­dukt­va­ri­an­ten ken­nen und wis­sen, was mög­lich ist. Am bes­ten ist es, wenn die Pro­duk­te kom­pa­ti­bel, aber auch ein­zeln ein­setz­bar sind. Dann ist es ein Leich­tes, für je­de Be­din­gung mit un­ter­schied­li­chen Was­ser­men­gen und Ve­r­un­rei­ni­gun­gen ei­ne pas­sen­de Lö­sung zu fin­den.

Wel­che Pro­duk­te pas­sen denn wo?

Wenn wir wie­der nach un­se­ren vier Be­rei­chen ge­hen, dann sind Rin­nen für das Sam­meln und Ab­lei­ten von Re­gen­was­ser zu­stän­dig – auch von gro­ßen Men­gen. Re­gen­was­ser­be-hand­lungs­an­la­gen, wie in un­se­rem Sor­ti­ment „Pur“, „Sed“und „Twin­pack“, fil­trie­ren und se­di­men­tie­ren. Für die Ver­si­cke­rung und Rück­hal­tung gibt es bei uns die Ri­go­len­tun­nel von „Storm­tech“. Sie schaf­fen un­ter­ir­disch Re­ten­ti­ons­raum für Nie­der­schlags­was­ser, das ver­zö­gert in die Ka­na­li­sa­ti­on oder in das Grund­was­ser ab­ge­ge­ben wer­den soll. Häu­fig gibt es da ja Vor­ga­ben, wie viel Was­ser in wel­cher Zeit in ei­ne Ka­na­li­sa­ti­on ge­führt wer­den darf.

Wel­chen An­for­de­run­gen müs­sen sol­che Pro­duk­te ge­recht wer­den?

Zu­nächst gibt es ge­setz­li­che An­for­de­run­gen und ent­spre­chen­de Zu­las­sun­gen wie die des Deut­schen In­sti­tuts für Bau­tech­nik. Weil das Was­ser am En­de dem Grund­was­ser zu­ge­führt wer­den soll, müs­sen die Ma­te­ri­al­ei­gen­schaf­ten stim­men. So dür­fen ei­ni­ge Kunst­stof­far­ten nicht zur An­wen­dung kom­men. Dar­über hin­aus müs­sen die Pro­duk­te zur Um­ge­bung pas­sen.

Bei Rin­nen han­delt es sich in ers­ter Li­nie dar­um, wie sehr sie sta­tisch be­las­tet wer­den kön­nen und wel­che hy­drau­li­sche Leis­tung sie ha­ben. Ge­ra­de auf Ge­wer­be­flä­chen sind schwe­re Fahr­zeu­ge un­ter­wegs, die vie­le Lk­wBe­we­gun­gen pro Tag auf­wei­sen. Dem müs­sen die Rin­nen stand­hal­ten. Zu gu­ter Letzt ist es von Vor­teil, wenn Sys­te­me war­tungs­freund­lich sind. Vor al­lem die Bau­her­ren sind dar­auf be­dacht, dass die Pro­duk­te spä­ter we­nig Ar­beit ma­chen.

Was möch­te Bir­co mit dem Re­gen­was­ser­ma­nage­ment be­zwe­cken?

Wir se­hen in die­sem Be­reich ei­nen enor­men Hand­lungs­be­darf. Die Kli­ma­ver­än­de­run­gen, die städ­ti­sche Ent­wick­lung und auch das Ge­setz er­for­dern ein Um­den­ken. Der Markt wird sich ver­än­dern, er wird nach­hal­ti­ger wer­den. Bei vie­len ist das schon an­ge­kom­men und Bir­co passt sich dem schon lan­ge an. Wir ha­ben un­se­re Pro­duk­te über Jah­re hin­weg ent­wi­ckelt, um sie heu­te als Ge­samt­kon­zept an­bie­ten zu kön­nen. Un­se­re Ri­go­len­tun­nel von „Storm­tech“bei­spiels­wei­se sind für den Bau­un­ter­neh­mer sehr schnell und ein­fach ein­zu­bau­en. Für den Han­del ist es von Vor­teil, dass die Tun­nel sta­pel­bar sind und da­durch we­nig Platz be­nö­ti­gen.

Wel­che Be­zugs­grup­pen kom­men mit dem Thema Re­gen­was­ser­ma­nage­ment in Be­rüh­rung?

Zum ei­nen sind es Pla­ner, die Si­cher­heit ga­ran­tie­ren und ge­setz­li­che Vor­ga­ben ein­hal­ten müs­sen. Die Bau­her­ren ma­chen sich Ge­dan­ken über Fol­ge­kos­ten und wol­len ein nach­hal­ti­ges Pro­dukt mit ge­rin­gem War­tungs­auf­wand ha­ben. Bau­un­ter­neh­mer wün­schen sich ein at­trak­ti­ves Preis-Leis­tungs­ver­hält­nis und ei­nen ein­fa­chen Ein­bau, wäh­rend Be­hör­den nach was­ser­recht­li­chen Aspek­ten ent­schei­den. Am En­de trifft es die gan­ze Be­völ­ke­rung: Denn über­all da, wo Was­ser ist, ver­bes­sert es die Le­bens­qua­li­tät. Ob in Form von küh­len­der Ver­duns­tung, Nut­zung für Pflan­zen und Sa­ni­tär­an­la­gen oder als wert­vol­le Re­ser­ve im Grund­was­ser. Des­halb ist sich Bir­co sei­ner lang­fris­ti­gen Ver­ant­wor­tung für die Res­sour­ce Was­ser und die kom­men­den Ge­ne­ra­tio­nen be­wusst.

„Das Thema trifft die gan­ze Be­völ­ke­rung: Über­all da, wo Was­ser ist, ver­bes­sert es die Le­bens­qua­li­tät.“Mar­kus Hup­pertz

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