Wor­auf bei der Aus­wahl und dem Ein­bau von Rück­stau­ver­schlüs­sen ge­ach­tet wer­den soll­te, er­klärt Ro­land Pril­ler.

Die Nut­zung des Kel­lers als Er­gän­zung zum Wohn­raum liegt im Trend. Ent­wäs­se­rungs­tech­nik ist hier be­son­ders wich­tig. Ro­land Pril­ler zeigt in sei­nem Bei­trag un­ter an­de­rem, wor­auf es bei Aus­wahl und Ein­bau von Rück­stau­ver­schlüs­sen an­kommt.

baustoffpraxis - - AUS DEM INHALT -

Rück­stau hat es im­mer schon ge­ge­ben. Doch in den letz­ten Jah­ren hat die Häu­fig­keit von Stark­re­gen­fäl­len, dra­ma­tisch zu­ge­nom­men. Da die Ka­nä­le auf ein mitt­le­res Re­ge­ner­eig­nis aus­ge­legt sind, kommt es des­halb ver­stärkt zu Pro­ble­men. So kann bei ei­nem Wol­ken­bruch der Misch­was­ser­ka­nal ganz schnell voll sein. Die Fol­ge: Oh­ne den rich­ti­gen Rücks­tau­schutz kann das Ab­was­ser un­ge­hin­dert durch die Ablauf­stel­len un­ter­halb der Rück­stau­ebe­ne, al­so der Stra­ßen­ober­kan­te, zu­rück in das Ge­bäu­de drü­cken. Grund­sätz­lich sind Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­gen so zu in­stal­lie­ren, dass ei­ne Über­flu­tung im Ge­bäu­de oder auf dem Grund­stück ver­mie­den wird.

DIN 1986-100 be­sagt, dass Ent­wäs­se­rungs­ge­gen­stän­de ober­halb der Rück­stau­ebe­ne mit­tels Schwer­kraft zu ent­wäs­sern sind. Nur in Fäl­len, in de­nen das Ge­fäl­le zum Ka­nal nicht aus­reicht, dür­fen He­be­an­la­gen das Ab­was­ser ab­lei­ten. DIN EN 12056-4 re­gelt, dass Ablauf­stel­len un­ter­halb der Rück­stau­ebe­ne durch au­to­ma­tisch ar­bei­ten­de Ab­was­ser­he­be­an­la­gen mit Rücks­tau­schlei­fe zu si­chern sind. Un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen kön­nen nach DIN EN 135641 auch Rück­stau­ver­schlüs­se ver­wen­det wer­den. Zum Schutz vor Rück­stau ste­hen grund­sätz­lich drei Pro­dukt­ar­ten zur Ver­fü­gung:

• au­to­ma­tisch ar­bei­ten­de Ab­was­ser­he­be­an­la­gen mit Rück­stau- schlei­fe nach DIN EN 12056

• Rück­stau­ver­schlüs­se nach DIN EN 13564-1

• Rückstau­si­che­rungs­an­la­gen in all­ge­mei­ner bau­auf­sicht­li­cher Zu­las­sung: Hy­brid-He­be­an­la­gen Be­züg­lich der Ein­satz­be­rei­che be­schreibt die DIN 1986- 100 nur die bei­den ge­norm­ten Pro­dukt­ar­ten He­be­an­la­gen und Rück­stau­ver­schlüs­se. Doch wie auch der Kom­men­tar der DIN 1986- 100 fest­stellt, ist es aus Grün­den der tech­ni­schen Ent­wick­lung, der Wirt­schaft­lich­keit, aber auch des Um­welt­schut­zes und des spar­sa­men Um­gangs mit Pri­mär­ener­gi­en not­wen­dig, dass neue Bau- und Werk­stof­fe, Bau­tei­le, Bau­ar­ten und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de An­wen­dung und Ver­wen­dung fin­den. In­so­fern kön­nen auch in­no­va­ti­ve Lö­sun­gen ge­plant und ver­wen­det wer­den. De­ren Ein­satz­be­reich ist in der je­wei­li­gen Zu­las­sung ge­re­gelt oder auch im Ein­zel­fall mit der je­wei­li­gen Be­hör­de ab­zu­stim­men. Al­le in ei­ner Ent­wäs­se­rungs­an­la­ge ver­bau­ten Pro­duk­te gel­ten als Bau­pro­duk­te und müs­sen ge­mäß der Bau­pro­duk­ten­richt­li­nie, Lan­des­bau­ord­nung und DIN 1986- 10 bau­recht­lich ge­re­gelt sein. Hier­zu sind fol­gen­de Nach­weis­ver­fah­ren er­laubt:

• har­mo­ni­sier­te Nor­men wie zum Bei­spiel DIN EN 12050 für He­be­an­la­gen oder DIN EN 13564 für Rück­stau­ver­schlüs­se,

• all­ge­mei­ne bau­auf­sicht­li­che Zu­las­sung,

• bau­auf­sicht­li­che Zu­stim­mung im Ein­zel­fall durch ei­ne Eig­nungs­fest­stel­lung und Ab­klä­rung mit ei­ner zu­stän­di­gen Be­hör­de.

Auf wel­chen Rücks­tau­schutz die Ent­schei­dung fällt, hängt vor al­lem von den Ge­ge­ben­hei­ten vor Ort ab. Fol­gen­de Fra­gen bie­ten un­ter an­de­rem da­bei Ori­en­tie­rung:

• Sind Ablauf­stel­len un­ter­halb der Rück­stau­ebe­ne vor­han­den oder ge­plant?

• Kann das Ab­was­ser mit dem Ge­fäl­le in den Ka­nal flie­ßen oder muss es ge­ho­ben wer­den?

• Wie vie­le Ablauf­stel­len be­fin­den sich un­ter­halb der Rück­stau­ebe­ne?

• Fällt le­dig­lich fä­ka­li­en­frei­es Grau - oder auch fä­ka­li­en­hal­ti­ges Schwarz­was­ser an?

Ist ein aus­rei­chen­des Ge­fäl­le zum Ka­nal vor­han­den, fließt das Ab­was­ser mit dem na­tür­li­chen Ge­fäl­le zum Ka­nal und muss nicht ge­ho­ben wer­den. Un­ter die­ser Vor­aus­set­zung kann nach DIN EN 12056-4 ein Rück­stau­ver­schluss ein­ge­setzt wer­den. Dar­über hin­aus for­dert die Norm für den Ein­bau ei­nes Rück­stau­ver­schlus­ses, die Er­fül­lung fol­gen­der Be­din­gun­gen:

• Die Räu­me müs­sen von un­ter­ge­ord­ne­ter Nut­zung sein. Im Rückstaufall dür­fen kei­ne we­sent­li­chen Sach­wer­te be­schä­digt und die Ge­sund­heit der Be­woh­ner nicht be­ein­träch­tigt wer­den.

• Der Be­nut­zer­kreis muss mög­lichst klein sein.

• Ober­halb der Rück­stau­ebe­ne muss ein wei­te­res WC zur Ver­fü­gung ste­hen.

• Bei Rück­stau muss auf die Be­nut­zung der Ablauf­stel­len ver­zich­tet wer­den kön­nen.

Bei der Wahl des Rück­stau­ver­schlus­ses ist die Ab­was­ser­art ent­schei­dend. Es gibt spe­zi­el­le Ver­schlüs­se für fä­ka­li­en­hal­ti­ges Schwarz­was­ser und für Grau­was­ser, das kei­ne Fä­ka­li­en ent­hält. Bei fä­ka­li­en­füh­ren­den Lei­tun­gen dür­fen kei­ne Rück­stau­ver­schlüs­se mit ma­nu­el­lem Ver­schluss, al­so ei­ner Pen­del­klap­pe, ein­ge­setzt wer­den. Klap­pen, die für fä­ka­li­en­füh­ren­de Lei­tun­gen ge­eig­net sind, sind im Nor­mal­be­trieb im­mer ge­öff­net. Im Rückstaufall schließt die Klap­pe au­to­ma­tisch. Die Ver­schlüs­se sind den je­wei­li­gen An­for­de­run­gen ent­spre­chend aus­ge­legt.

Um si­cher vor Rück­stau bei Ge­fäl­le zum Ka­nal zu schüt­zen, ste­hen ver­schie­de­ne Rück­stau­ver­schlüs­se zur Ver­fü­gung. So auch der „St­au­fix“von Kes­sel. Vom Ein­fach­rück­stau­ver­schluss mit ei­ner Kunst­stoff­klap­pe bis zum Fä­ka­li­en-Rück­stau­au­to­mat „St­au­fix FKA Kom­fort“, der mit ei­nem Schalt­ge­rät mit Dis­pla­y­an­zei­ge und ei­ner mo­to­risch be­trie­be­nen Rück­stau­klap­pe aus­ge­stat­tet ist, sind für ver­schie­de­ne Ein­satz­be­rei­che Rückstau­si­che­run­gen er­hält­lich. Na­tür­lich kön­nen sich die An­for­de­run­gen an den Rücks­tau­schutz auch nach dem Ein­bau än­dern. Da­her sind Rück­stau­ver­schlüs­se, die sich nach­rüs­ten las­sen, die si­che­re Wahl.

FO­TOS: KES­SEL

Ex­tre­me Wet­ter­phä­no­me­ne wie Stark­re­gen­fäl­le neh­men wei­ter zu.

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