Das Fraun­ho­fer IBP hat ei­ne grund­le­gen­de Er­he­bung zum The­ma Schim­mel in Woh­nun­gen durch­ge­führt.

Schim­mel in Woh­nun­gen ist ein gro­ßes Pro­blem, denn er kann zum ei­nen Bau­tei­le be­schä­di­gen und zer­stö­ren und zum an­de­ren auch zu ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen bis hin zu chro­ni­schen Krank­hei­ten bei den Be­woh­nern füh­ren. For­scher des Fraun­ho­fer-In­stit

baustoffpraxis - - EDITORIAL -

Das IBP be­schäf­tigt sich nach ei­ge­nen An­ga­ben be­reits seit Jahr­zehn­ten mit den Aus­wir­kun­gen von Schim­mel­pil­zen. Die Wis­sen­schaft­ler for­schen in­ten­siv an Lö­sun­gen und Werk­zeu­gen, um den durch Feuch­te ent­ste­hen­den Schim­mel zu ver­hin­dern, zu be­kämp­fen, zu klas­si­fi­zie­ren und zu be­wer­ten. Mit der grund­le­gen­den Er­he­bung zei­gen die For­scher nun, wie sehr Feuch­te­pro­ble­me und Schim­mel­be­fall in deut­schen und eu­ro­päi­schen Woh­nun­gen ver­brei­tet sind und wel­che ge­sund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen auf Mensch und Ge­bäu­de ent­ste­hen. Über­höh­te Luft­feuch­tig­keit

Schim­mel­be­fall ist kein sel­te­nes Phä­no­men. Al­lein in Deutsch­land ste­hen rund zehn Pro­zent der Bau­scha­dens­fäl­le mit Schim­mel in Zu­sam­men­hang, so die For­scher. Fin­det kei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Wohn­raum­be­lüf­tung statt oder wer­den die Rä­um­lich­kei­ten von den Be­woh­nern nicht aus­rei­chend ge­lüf­tet, kann das zu ei­ner An­rei­che­rung von Feuch­te im In- nen­raum füh­ren. Das Er­geb­nis der über­höh­ten Luft­feuch­tig­keit in Kom­bi­na­ti­on mit küh­le­ren Au­ßen­wän­den – bei­spiels­wei­se auf Grund man­geln­der Wär­me­däm­mung – sei­en idea­le Be­din­gun­gen für Schim­mel­wachs­tum. Ein wei­te­res Pro­blem lie­ge in ei­nem zu schnel­len Be­zug von neu­en Ge­bäu­den, denn ei­ne zu ho­he Bau­rest­feuch­te kön­ne eben­falls in­ner­halb kür­zes­ter Zeit zu Schim­mel­bil­dung füh­ren. Wei­te­re häu­fi­ge bau­be­ding­te Fak­to­ren, die zu des­sen Ent­ste­hung füh­ren kön­nen, sei­en Bau­män­gel wie Wär­me­brü­cken, Män­gel in der Aus­füh­rung der Däm­mung, Was­ser­schä­den durch schad­haf­te Lei­tun­gen oder un­güns­tig po­si­tio­nier­te Mö­blie­rung (Ver­hin­de­rung der Luft­zir­ku­la­ti­on zwi­schen Wand und Mö­bel). Die An­zahl der Men­schen, die in der Eu­ro­päi­schen Uni­on in­klu­si­ve Is­land, Nor­we­gen und der Schweiz in feuch­ten Woh­nun­gen le­ben, be­läuft sich laut der Er­he­bung der IBP-Wis­sen­schaft­ler auf cir­ca 84 Mil­lio­nen. Die Fol­gen für die Ge­sund­heit der Be­woh­ner kön­nen da­bei er­heb­lich sein. So gilt Asth­ma längst als weit ver­brei­te­tes Krank­heits­bild. In Eu­ro­pa sind et­wa sie­ben Pro­zent der Er­wach­se­nen da­von be­trof­fen. „In der von uns durch­ge­führ­ten Grund­la­gen­stu­die kon­zen­trier­ten wir uns auf den Zu­sam­men­hang zwi­schen Schim­mel in In­nen­räu­men und des­sen Aus­wir­kun­gen auf die Ge­sund­heit der Be­woh­ner“, er­klärt Prof. Gun­nar Grün, stell­ver­tre­ten­der In­sti­tuts­lei­ter am Fraun­ho­fer IBP und Lei­ter der Ab­tei­lung Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Raum­kli­ma. „So ha­ben wir die Ri­si­ko­wahr­schein­lich­keit, an ei­ner Atem­wegs­er­kran­kung zu lei­den, wenn man in Schim­mel be­las­te­ten Räu­men lebt, be­zif­fert. Grund­sätz­lich sind wir der Über­zeu­gung, dass Schim­mel und des­sen Ver­hin­de­rung ein wich­ti­ges The­ma in For­schung und Ent­wick­lung für das ge­sun­de Woh­nen sind. Die grund­le­gen­de Er­he­bung, die wir durch­ge­führt ha­ben, hat dies ein­mal mehr be­stä­tigt.“

In die am Fraun­ho­fer IBP er­stell­te Grund­la­gen­stu­die flos­sen 170 wis-

sen­schaft­li­che Er­he­bun­gen ein. Die­se ba­sier­ten in ers­ter Li­nie auf Be­ob­ach­tun­gen und schlos­sen kei­ne ex­pe­ri­men­tel­len Stu­di­en, wie kli­ni­sche Ver­su­che, mit ein. Der größ­te Teil (99) be­stand aus em­pi­ri­schen Stu­di­en und zu je­weils ei­nem klei­ne­ren Teil aus Fall- (31) und Ko­hor­ten­ana­ly­sen (40). Die Aus­wer­tung für die Me­ta-Stu­die zeigt ei­nen deut­li­chen Zu­sam­men­hang zwi­schen Atem­weg­sin­fek­tio­nen und feuch­ten, schim­me­li­gen In­nen­räu­men. Asth­ma-Ri­si­ko steigt

Prof. Grün und sei­ne Kol­le­gen konn­ten nach ei­ge­nen An­ga­ben zei­gen, dass die Wahr­schein­lich­keit an Asth­ma zu er­kran­ken um 40 Pro­zent hö­her ist, wenn Men­schen in ei­ner von Schim­mel be­fal­le­nen Woh­nung le­ben. In Be­zug auf die Zahl der Eu­ro­pä­er, die in feuch­ten Woh­nun­gen le­ben, er­gibt sich im Ver­gleich zur Be- völ­ke­rung in nicht-feuch­ten Woh­nun­gen ei­ne An­zahl von et­wa 2,2 Mil­lio­nen Men­schen, die an Asth­ma lei­den, ge­ra­de weil sie in ei­ner be­las­ten­den Um­ge­bung woh­nen.

Um die­ser Krank­heits­ur­sa­che von man­gel­haf­ter Bau­sub­stanz ent­ge­gen­zu­wir­ken, müs­se bei den an­ste­hen­den Sa­nie­rungs­an­stren­gun­gen Wert auf ei­ne fach­ge­rech­te Aus­füh­rung ge­legt wer­den. Wür­de man bei der Sa­nie­rung die raum­kli­ma­ti­schen und bau­tech­ni­schen Be­din­gun­gen ver­bes­sern, lie­ße sich die An­zahl der Be­trof­fe­nen re­du­zie­ren. Legt man kon­ser­va­tiv ei­ne Mo­der­ni­sie­rungs­ra­te von zwei Pro­zent pro Jahr zu­grun­de und ei­ne hö­he­re Qua­li­tät, so dass statt 16 Pro­zent nur noch acht Pro­zent der sa­nier­ten Ge­bäu­de von Feuch­te­pro­ble­men be­trof­fen sind, so wer­de sich die An­zahl der Be­trof­fe­nen bis zum Jahr 2050 um cir­ca 25 Pro­zent re­du­zie­ren. Spe­zi­ell beim Krank­heits­bild Asth­ma be­deu­te dies ei­nen Rück­gang um et­wa 550 000 be­trof­fe­ne Per­so­nen, was ein­her­ge­hend auch die Kos­ten im öf­fent­li­chen Ge­sund­heits­we­sen senkt.

Un­kon­trol­lier­tes Wachs­tum von Schim­mel­pil­zen in Wohn­räu­men stel­le ein hy­gie­ni­sches so­wie auch po­ten­zi­ell ge­sund­heits­ge­fähr­den­des Pro­blem dar. Bei sicht­ba­rer Schim­mel­ent­wick­lung be­ste­he be­reits bei ei­ner be­trof­fe­nen Flä­che von 20 Qua­drat­zen­ti­me­tern drin­gen­der Hand­lungs­be­darf. Das Fraun­ho­fer IBP forscht in ver­schie­de­nen Ab­tei­lun­gen un­ter an­de­rem an der Ver­mei­dung und Be­kämp­fung von un­er­wünsch­ter Feuch­te in Bau­kom­po­nen­ten und ent­wi­ckelt Lö­sun­gen wie bei­spiels­wei­se wär­me­brü­cken­re­du­zier­te Bal­kon­be­weh­rungs­an­ker. Um be­reits im Vor­feld in­sta­tio­nä­re Be­rech­nun­gen des ge­kop­pel­ten ein­und zwei­di­men­sio­na­len Wär­meund Feuch­te­trans­ports in mehr­schich­ti­gen Bau­tei­len und Ge­bäu­den un­ter na­tür­li­chen Kli­ma­be­din­gun­gen durch­füh­ren zu kön­nen, kommt die Soft­ware-Fa­mi­lie WUFI (Wär­me und Feuch­te in­sta­tio­när) zum Ein­satz. Die­ses am Fraun­ho­fer IBP ent­wi­ckel­te und an Frei­land- und La­bor­da­ten va­li­dier­te Re­chen­ver­fah­ren er­lau­be bei­spiels­wei­se die Be­rech­nung des in­sta­tio­nä­ren hy­gro­ther­mi­schen Ver­hal­tens von Bau­tei­len und Ge­bäu­den un­ter na­tür­li­chen Kli­ma­be­din­gun­gen. Dar­über hin­aus er­stel­len die Wis­sen­schaft­ler Beur­tei­lungs­klas­sen hin­sicht­lich der Ge­sund­heits­ge­fähr­dung oder tes­ten Bio­zi­de zur Be­kämp­fung von Al­gen und Pil­zen in Be­zug auf ih­re Um­welt­ver­träg­lich­keit. Auch Un­ter­su­chun­gen zum Trock­nungs­ver­hal­ten von Bau­tei­len oder die Fra­ge, ob Ein­zel­feu­er­stät­ten das Ri­si­ko für raum­sei­ti­gen Schim­mel­pilz ver­hin­dern, zäh­len zu den Aspek­ten, die feuch­te Woh­nun­gen und Schim­mel­pilz­schä­den ver­hin­dern kön­nen.

FO­TO: VE­LUX DEUTSCH­LAND

Auch wenn es drau­ßen kalt ist, muss re­gel­mä­ßig ge­lüf­tet wer­den. So kann die mit Feuch­tig­keit an­ge­rei­cher­te Luft aus dem In­nern ge­gen fri­sche aus­ge­tauscht wer­den.

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