Spe­zi­al­wis­sen

Der Eu­ro­code 6 „Be­mes­sung und Kon­struk­ti­on von Mau­er­werks­bau­ten“ist jetzt deutsch­land­weit als al­lei­ni­ge Be­mes­sungs­re­gel für Mau­er­werk an­zu­wen­den. Ge­org Flas­sen­berg er­klärt, wie die­se neue Re­ge­lung an­zu­wen­den ist.

baustoffpraxis - - AUS DEM INHALT -

Der Eu­ro­code 6 ist deutsch­land­weit als al­lei­ni­ge Be­mes­sungs­re­gel für Mau­er­werk an­zu­wen­den

Seit April 2011 la­gen al­le na­tio­na­len Fas­sun­gen des Eu­ro­code 6 vor. Die Ver­öf­fent­li­chung der na­tio­na­len An­hän­ge zu den je­wei­li­gen Tei­len wur­de mit den A2-Än­de­run­gen zu Teil 1-1 und Teil 3 im Herbst 2014 ab­ge­schlos­sen. Das in Deutsch­land be­währ­te ver­ein­fach­te Ver­fah­ren wur­de mit auf­ge­nom­men.

Der Teil 3 mit sei­nen ver­ein­fach­ten Be­rech­nungs­me­tho­den wur­de vor al­lem auf Wunsch Deutsch­lands in den Eu­ro­code 6 in­te­griert. Da­mit wur­de in An­leh­nung an das be­währ­te ver­ein­fach­te Ver­fah­ren nach DIN 1053-1 ge­si­chert, dass auch bei An­wen­dung des Eu­ro­codes der sta­ti­sche Nach­weis ei­nes Groß­teils al­ler im Mau­er­werks­bau auf­tre­ten­den Pro­blem­stel­lun­gen – so auch für Po­ren­be­ton­mau­er­werk – in­ner­halb kür­zes­ter Zeit und oh­ne gro­ßen Auf­wand wei­ter­hin mög­lich ist.

Der An­wen­dungs­be­reich für das ver­ein­fach­te Nach­weis­ver­fah­ren von DIN EN 1996-3/NA ist in Ta­bel­le 1 de­fi­niert. Dar­über hin­aus sind die nach­fol­gen­den An­wen­dungs­gren­zen ein­zu­hal­ten: • Die Ge­bäu­de­hö­he über Ge­län­de darf höchs­tens hm 20 Me­ter be­tra≤ gen. Als Ge­bäu­de­hö­he darf bei ge- neig­ten Dä­chern das Mit­tel von Fir­stund Trauf­hö­he an­ge­nom­men wer­den.

• Die ma­xi­ma­le Wand­schlank­heit ist auf = hef/t 27 be­grenzt. λ ≤

• Die De­cken­auf­la­ger­tie­fe a muss min­des­tens die hal­be Wand­di­cke (t/2), je­doch mehr als 100 Mil­li­me­ter be­tra­gen. Bei ei­ner Wand­di­cke t = 36,5 Zen­ti­me­tern darf die Min­dest­de­cken­auf­la­ger­tie­fe auf 0,45 · t re­du­ziert wer­den.

• Das Über­bin­de­maß lol nach DIN EN 1996-1-1 muss min­des­tens 0,4 · hu (hu = St­ein­hö­he) und min­des­tens 45 Mil­li­me­ter be­tra­gen. Bei Ele­ment­mau­er­werk ist ein Über­bin­de­maß lol≥ 0,2 · hu zu­läs­sig, muss aber min­des­tens 125 Mil­li­me­ter be­tra­gen.

Po­ren­be­ton­stei­ne – Plan­stei­ne und Plan­ele­men­te – sind in der har­mo­ni­sier­ten eu­ro­päi­schen Bau­stoff­norm DIN EN 771-4 ent­hal­ten. Wie bei an­de­ren Bau­stoff­nor­men ist für die An-

wen­dung die­ser in Deutsch­land noch die DIN 20000- 404 zu be­ach­ten. Dar­in sind die Fes­tig­keits-/Roh­dich­te­kom­bi­na­tio­nen und ih­re Zu­ord­nung zu den St­ein­druck­fes­tig­keits­klas­sen ge­re­gelt, die dann für die Er­mitt­lung der cha­rak­te­ris­ti­schen Mau­er­werks­druck­fes­tig­keit nach EC 6 ge­mäß Ta­bel­le 2 be­nö­tigt wer­den. Aus­ge­nom­men hier­von sind der­zeit noch die Kom­bi­na­tio­nen PP4-0,5 und PP6-0,6, die über Zu­las­sungs­be­schei­de ge­re­gelt sind, aber ge­nau­so wie an­de­res Po­ren­be­ton­mau­er­werk nach EC 6 be­mes­sen wer­den kön­nen.

Um Mau­er­werks­bau­tei­le aus Po­ren­be­ton ef­fi­zi­ent be­rech­nen zu kön­nen, wur­den im Auf­trag des Bun­des­ver­ban­des Po­ren­be­ton für Pla­ner und Ar­chi­tek­ten Be­mes­sungs­ta­feln von Prof. Dr. Carl-Alex­an­der Graub

ner, TU Darm­stadt, er­ar­bei­tet (Stel­lung­nah­me Az 15 0177 vom 01.11.2015). Die­se kön­nen un­ter­glie­dert nach den je­wei­li­gen St­ein­druck­fes­tig­keits­klas­sen auf der Web­site des Bun­des­ver­ban­des Po­ren­be­ton un­ter den Ru­bri­ken „Pla­ner/Ar­chi­tek­ten“oder „Down­loads“her­un­ter­ge­la­den wer­den. Ei­ne ein­fa­che und ef­fi­zi­en­te Be­mes­sung von Po­ren­be­ton­mau­er­werk ist da­mit ge­währ­leis­tet.

In den Ta­feln wer­den auf Grund­la­ge des ver­ein­fach­ten Nach­weis­ver­fah­rens er­mit­tel­te Trag­fä­hig­keits­wer­te für zwei­sei­tig ge­hal­te­ne Mau­er­werks­wän­de aus Po­ren­be­ton­stei­nen (t = 11,5; 15; 17,5; 20; 24,0; 30; 36,5; 42,5; 48 Zen­ti­me­ter) an­ge­ge­ben. Da am Markt je­de St­ein­druck­fes­tig­keits­klas­se in ver­schie­de­nen Roh­dich­te­klas­sen vor­han­den ist, wird auf der si­che­ren Sei­te lie­gend je­weils pro St­ein­druck­fes­tig­keits­klas­se die größ­te vor­han­de­ne Roh­dich­te­klas­se ver­wen­det und die ent­spre­chen­de Wich­te des Mau­er­werks nach DIN EN 1991-1-1/NA an­ge­setzt. Für das Ei­gen­ge­wicht wird ein Teil­si­cher­heits­bei­wert von = 1,35 fest­ge­legt. γG

Dar­über hin­aus ste­hen Bei­spiel­be­mes­sun­gen für al­le re­le­van­ten Bau­tei­le im Po­ren­be­ton­be­richt 14 – „Mau­er­werk aus Po­ren­be­ton – Bei­spie­le zur Be­mes­sung nach Eu­ro­code 6“– zur Ver­fü­gung. Die­ser kann eben­falls un­ter den glei­chen Ru­bri­ken der Web­site des Bun­des­ver­ban­des Po­ren­be­ton her­un­ter­ge­la­den wer­den. Die Bei­spiel­be­mes­sun­gen der Mau­er­werks­kon­struk­tio­nen ent­stam­men be­reits aus­ge­führ­ten Bau­vor­ha­ben. Dem üb­li­chen Be­rech­nungs­al­go­rith­mus fol­gend, ist je­der Be­mes­sungs­schritt mit ei­nem Ver­weis auf die zu­ge­hö­ri­gen Ab­schnit­te der DIN EN 1996 und den ver­bun­de­nen Na­tio­na­len An­hän­gen ver­se­hen. Da­bei ha­ben die Au­to­ren Prof. Dr.

Wolf­ram Jä­ger und Dr. Frank Stei

ni­gen Be­mes­sun­gen für in Ver­bin­dung mit ge­mau­er­ten Kon­struk­tio­nen er­for­der­li­che Stahl­be­ton­bal­ken nicht aus­ge­klam­mert und auch für die­se die An­wen­dung der Stahl­be­ton­norm, EC 2 (DIN EN 1992), er­läu­tert.

Die Um­stel­lung bei der Mau­er­werks­be­mes­sung von der deut­schen auf die eu­ro­päi­sche Nor­mung ist durch die bau­auf­sicht­li­che Ein­füh­rung des EC 6 in al­len Bun­des­län­dern voll­zo­gen. Durch das Bei­be­hal­ten ei­nes ver­ein­fach­ten Nach­weis­ver­fah­rens und das Er­ar­bei­ten von Be­mes­sungs­hil­fen ist der sta­ti­sche Nach­weis von Bau­tei­len aus Po­ren­be­ton­mau­er­werk wie bis­lang ein­fach und ef­fi­zi­ent mög­lich.

FO­TO: THO­MAS LEHMANN

Bei dem Ob­jekt Am Bram­schkon­tor, das sich in Dres­den-Fried­rich­stadt be­fin­det, han­delt es sich um ei­nen ein­scha­li­gen Mau­er­werks­bau aus Po­ren­be­ton oh­ne zu­sätz­li­che Au­ßen­däm­mung.

TA­BEL­LEN/FO­TO: BUN­DES­VER­BAND PO­REN­BE­TON

Ta­bel­le 1: An­wen­dungs­be­reich für das ver­ein­fach­te Nach­weis­ver­fah­ren nach DIN EN 1996-3/NA.

Ta­bel­le 2: Cha­rak­te­ris­ti­sche Mau­er­werks­druck­fes­tig­keit fk in N/mm2 für Ein­stein­mau­er­werk aus Po­ren­be­ton­stei­nen mit Dünn­bett­mör­tel nach Tab. NA.D.9 der DIN EN 1996-3/NA.

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