Ho­he Was­ser­bin­dung

baustoffpraxis - - BODEN -

Ei­ne „ho­he kris­tal­li­ne Was­ser­bin­dung“bei bau­che­mi­schen Pro­duk­ten sorgt für ei­ne schnel­le Trock­nung. Se­bas­ti­an Kam­me­rer er­klärt, in wel­chen Fäl­len dies von Vor­teil ist.

Auf fast je­der Bau­stel­le, bei­spiels­wei­se beim Neu­bau ei­nes Ein­fa­mi­li­en­hau­ses, wer­den vie­le Ton­nen an Bau­stof­fen in Form von feuch­ten Spach­tel­mas­sen, Putz-, Estrich- und Ver­le­ge­mör­teln ver­ar­bei­tet. All die­se Bau­stof­fe wer­den vor dem Ein­bau mit Was­ser ver­mischt und brin­gen so­mit teils er­heb­li­che Bau­feuch­te in das Ge­bäu­de. Nun hat sich die Au­ßen­hül­le mo­der­ner Ge­bäu­de im­mer wei­ter von ei­ner frü­he­ren „At­mungs­ak­ti­vi­tät“des Hau­ses in Rich­tung zu luft­dicht aus­ge­bil­de­ten Häu­sern mit sehr ho­hem Wär­me­dämm­stan­dard ge­wan­delt. Dies führt zu deut­lich län­ge­ren Trock­nungs­zei­ten im Ge­bäu­de, da das Über­schuss­was­ser der ein­ge­bau­ten Frisch­mör­tel we­ni­ger schnell nach au­ßen ge­lan­gen kann, als dies frü­her noch der Fall war.

In die­sem Zu­sam­men­hang ist es ein gro­ßer Vor­teil, wenn man Bau­stof­fe ein­set­zen kann, die nach dem An­mi­schen und Ein­bau­en durch na­tür­li­che Trock­nung nur noch we­nig Rest­feuch­te be­zie­hungs­wei­se Über­schuss­was­ser an die Raum­luft der Bau­stel­le ab­ge­ben müs­sen.

Schon sehr lan­ge wer­den Bau­stof­fe mit so­ge­nann­ter „ho­her kris­tal­li­ner Was­ser­bin­dung“er­folg­reich an Bau­stel­len und bei spe­zi­el­len An­wen­dun­gen ein­ge­setzt, bei de­nen ne­ben ei­ner schnel­len Fes­tig­keits­ent­wick­lung des Bau­stof­fes auch ei­ne schnel­le Trock­nung ge­wünscht ist. Zu fin­den sind sol­che Tech­no­lo­gi­en un­ter an­de- rem in spe­zi­el­len, mo­der­nen Flie­sen­kle­bern, Schnell­ze­men­te­stri­chen, Fließ­spach­tel­mas­sen und Ver­guss­mör­teln.

Auch wenn von Deutsch­land im­mer wie­der be­haup­tet wird, dass vie­les ex­akt in Nor­men und Merk­blät­tern ge­re­gelt und be­schrie­ben ist, für ge­nau die­se wich­ti­ge und be­son­de­re Ei­gen­schaft der Bau­stoff­tech­no­lo­gie gibt es bis­her kei­ne spe­zi­el­le Norm. Auch im Be­reich der Flie­sen­kle­ber, bei der die auf den ers­ten Blick doch sehr um­fas­sen­de DIN EN 12004 gilt, fin­det sich kei­ne An­for­de­rung an die Trock­nungs­ei­gen­schaf­ten der Dünn­bett­mör­tel.

Vor­sicht ist ge­bo­ten, da al­lei­ne mit dem Be­griff „kris­tal­li­ne Was­ser­bin­dung“nicht gleich zwin­gend ei­ne schnel­le Trock­nung der Bau­stof­fe ein­her­ge­hen muss. Im Prin­zip weist je­der ze­men­tä­re Bau­stoff – un­ab­hän­gig von der Ze­men­tart und -gü­te oder des­sen Ge­halt – ei­ne ge­wis­se kris­tal-

li­ne Was­ser­bin­dung auf. Al­ler­dings be­schränkt sich das Bin­dungs­ver­mö­gen klas­si­scher Ze­men­te im Be­zug auf das An­mach­was­ser auf et­wa 40 Pro­zent ih­rer Mas­se. Wür­de man die­sen Mör­teln je­doch ge­ra­de eben die­se Was­ser­men­ge zum An­mi­schen hin­zu ge­ben, wür­de man noch lan­ge kein ver­ar­bei­tungs­ge­rech­tes und leicht­gän­gi­ges Pro­dukt er­hal­ten. Dem­ent­spre­chend müs­sen die­se Ma­te­ria­li­en in der Re­gel mit weit mehr An­mach­was­ser an­ge­mischt wer­den, als der Ze­ment für sei­ne ei­ge­ne Re­ak­ti­on be­nö­tigt. Ge­nau die­ses über­schüs­si­ge Was­ser muss spä­ter aus­trock­nen und kann da­bei noch auf an­gren­zen­de Bau­tei­le ein­wir­ken.

Dem ge­gen­über ste­hen Mör­tel­sys­te­me mit „ho­her kris­tal­li­ner Was­ser­bin­dung“. Spe­zi­el­le Bin­de­mit­tel­ge­mi­sche bin­den bei die­sen Sys­te­men ei­nen weit­aus hö­he­ren Teil des An­mach­was­sers kris­tal­lin in die Mör­tel­ma­trix ein und füh­ren da­mit zu Mör­teln mit schnell trock­nen­den Ei­gen­schaf­ten. Der höchs­te Grad an che­mi­scher Was­ser­bin­dung, der „ho­hen kris­tal­li­nen Was­ser­bin­dung“, wird durch spe­zi­el­le Hoch­leis­tungs­bin­de­mit­tel­sys­te­me, so ge­nann­te „ter­nä­re Bin­de­mit­tel“er­reicht. Die­se be­ste­hen aus ei­nem Drei­stoff­ge­misch aus Cal­ci­um­alumi­nat­ze­men­ten, Cal­ci­umsul­fat und ei­nem ge­rin­gen An­teil an Port­land­ze­men­ten.

Im Zu­ge der Re­ak­ti­on ent­ste­hen bei die­sem Bin­de­mit­tel­ge­misch spe­zi­el­le Hy­drata­ti­ons­pro­duk­te (was­ser­hal­ti­ge Ver­bin­dun­gen, so ge­nann­te „Hy­dra­te“), wel­che ge­gen­über nor­ma­len Ze­men­ten ei­nen we­sent­lich hö­he­ren Was­ser­be­darf auf­wei­sen. Die­se Ver­bin­dun­gen ver­brau­chen re­gel­recht das über­schüs­si­ge An­mach­was­ser, bin­den es che­misch ein und füh­ren so­mit zu ei­ner be­son­ders in­ten­si­ven und re­ak­ti­ven „Trock­nung“des Mör­tels.

Am be­kann­tes­ten sind ter­nä­re Sys­te­me aus dem Be­reich der Estrich­tech­no­lo­gie: Wäh­rend bei nor­mal er­här­ten­den Ze­men­te­stri­chen je nach Bau­stel­len­kli­ma et­wa vier bis acht Wo­chen an Trock­nungs­zeit bis zur Be­le­ge­rei­fe ein­zu­pla­nen sind und das Funk­ti­ons­hei­zen bei Hei­zestri­chen erst nach 21 Ta­gen be­gon­nen wer­den kann, er­lau­ben Schnel­le­stri­che auf ter­nä­rer Ba­sis ei­nen we­sent­lich schnel­le­ren Bau­fort­schritt.

Auch ver­schie­de­ne Dünn­bett­mör­tel wer­den auf Ba­sis ter­nä­rer Bin­de­mit­tel her­ge­stellt, bei­spiels­wei­se der noch­mals ver­bes­ser­te Mi­cro-Gum Flex­kle­ber „MG-Flex schnell XXL“von Sopro. Hier­aus er­gibt sich gleich ei­ne gan­ze Rei­he von Vor­tei­len:

• In den letz­ten Jah­ren sind die For­mat­grö­ßen der Ver­le­ge­wa­re ste­tig ge­wach­sen, bei de­nen der Dünn­bett­kle­ber we­sent­lich mehr Zeit be­nö­tigt, um sein Über­schuss­was­ser ab­ge­ben und da­mit ein­her­ge­hend Fes­tig­keit auf­bau­en zu kön­nen. Hier emp­feh­len auch die Merk­blät­ter des BEB den Ein­satz von Flie­sen­kle­bern mit schnel­ler Trock­nung.

• Seit lan­gem wer­den ent­spre­chen­de Kle­ber dort ein­ge­setzt, wo die Bau­zeit ei­ne wich­ti­ge Rol­le spielt. Ein­zel­han­dels­flä­chen bei­spiels­wei­se er­wirt­schaf­ten in Um­bau­pha­sen kein Geld, Bahn­hö­fe kön­nen nicht ta­ge- oder wo­chen­lang ge­sperrt wer­den, was ins­be­son­de­re auch für (Flucht-) Trep­pen gilt.

• Das Über­schuss­was­ser nor­mal er­här­ten­der Flie­sen­kle­ber wirkt auch auf das Be­lags­ma­te­ri­al über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum ein. Wäh­rend dies bei ke­ra­mi­schen Flie­sen un­kri- tisch ist, re­agie­ren an­de­re Be­lags­ma­te­ria­li­en un­ter Um­stän­den sen­si­bler auf die „von un­ten“ein­wir­ken­de Feuch­tig­keit. Be­kannt sind da­für ver­schie­de­ne Na­tur­werk­stei­ne, aber auch dün­ne, aus ei­nem Block ge­gat­ter­te Be­ton­werk­stei­ne und so man­che kunst­harz­ge­bun­de­ne Plat­te. Flie­sen­kle­ber auf ter­nä­rer Bin­de­mit­tel­ba­sis wir­ken in die­sem Fäl­len Ver­fär­bun­gen und Ver­for­mun­gen der Be­lä­ge ent­ge­gen.

• Auch im Au­ßen­be­reich bie­ten ter­nä­re Flie­sen­kle­ber ei­ne deut­lich hö­he­re Si­cher­heit bei un­güns­ti­gen Wit­te­rungs­be­din­gun­gen, auch bei nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren im Grenz­be­reich von 5 Grad Cel­ci­us und ei­ner si­che­ren Er­här­tung und Aus­trock­nung zwi­schen Fein­stein­zeug­flie­sen und Ab­dich­tung. Für die­sen An­wen­dungs­be­reich bie­tet Sopro den „Mega Flex S2 Tur­bo“an.

FO­TOS: SOPRO

Der nor­mal er­här­ten­de Flie­sen­kle­ber trock­nen zwi­schen zwei Glas­plat­ten nur sehr lang­sam ab (l.), wäh­rend ter­nä­re Dünn­bett­kle­ber mit ho­her kris­tal­li­ner Was­ser­bin­dung schnell und re­ak­tiv auch zwi­schen Glas­plat­ten er­här­ten und trock­nen.

Groß­for­ma­ti­ge Flie­sen ver­lang­sa­men die Trock­nung der Mör­tel, hier sind ter­nä­re Ver­le­ge­mör­tel des­halb sehr gut ge­eig­net.

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