Tond­ach­zie­gel oder Be­tond­ach­stei­ne? Rai­ner Bal­ken­hol von Crea­ton er­klärt die Un­ter­schie­de.

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Egal ob Neu­bau oder Sa­nie­rung – vor Be­ginn der Dach­ar­bei­ten steht frü­her oder spä­ter meis­tens die Fra­ge: Tond­ach­zie­gel oder Be­tond­ach­stei­ne? Rai­ner Bal­ken­hol er­klärt die Un­ter­schie­de.

Rein op­tisch las­sen sich Tond­ach­zie­gel und Be­tond­ach­stei­ne aus der Fer­ne heu­te kaum noch un­ter­schei­den. Ei­ner­seits wer­den Ober­flä­chen von Be­tond­ach­stei­nen im­mer fei­ner ge­stal­tet, so dass sie Tond­ach­zie­geln äh­neln. An­de­rer­seits sind die tra­di­tio­nell eher klein­for­ma­ti­gen Tond­ach­zie­gel in­zwi­schen auch in grö­ße­ren For­ma­ten er­hält­lich.

Ei­ne häu­fi­ge Fra­ge bei der Aus­wahl von Dach­ein­de­ckun­gen ist die nach der Ver­schmut­zungs­nei­gung. Vor­ab sei ei­nes ge­sagt: We­der bei Tond­ach­zie­geln noch bei Be­tond­ach­stei­nen lässt sich Al­gen- und Moos­bil­dung voll­stän­dig ver­mei­den. Über die Jah­re kann je­doch über­mä­ßi­ger Feuch­te­ein­trag den Be­wuchs be­güns­ti­gen.

Tond­ach­zie­gel bie­ten auf­grund ih­rer Kopf- und Sei­ten­ver­fal­zung ei­ne ho­he Re­gen­ein­trags­si­cher­heit. So kommt bei Tond­ach­zie­geln von Crea­ton ei­ne Ver­fal­zung mit spe­zi­el­ler Technik zum Ein­satz, die mit ih­ren aus­ge­präg­ten Sei­ten­rip­pen den Re­gen­ein­trag selbst bei ho­hem Wind­druck und bei ge­rin­ger Dach­nei­gung ef­fek­tiv ver­hin­dern soll. Rest­was­ser aus den Fal­zen wird in die Mul­den des Dach­zie­gels rück­ge­führt und von dort ab­ge­lei­tet. Da Zie­gel zu­dem dif­fu­si­ons­of­fen sind, wird das ins Ma­te­ri­al ein­ge­drun­ge­ne Was­ser wie­der ab­ge­ge­ben und ei­ner Ver­moo­sung so ent­ge­gen­ge­wirkt.

An­ders als bei Dach­stei­nen ist die Hö­hen­über­de­ckung bei Tond­ach­zie­geln nicht ab­hän­gig von der Dach­nei­gung, son­dern ein­zig von der Ver­fal­zung. Die­ser Vor­teil kommt ins­be­son­de­re bei flach­ge­neig­ten Dä­chern zum Tra­gen. Auch in der Sa­nie­rung punk­ten Tond­ach­zie­gel durch ih­re fle­xi­blen Ein­satz­mög­lich­kei­ten, da hier auf be­ste­hen­de Latt­wei­ten­ein­tei­lun­gen auf­ge­baut wer­den kann. Das seit­li­che Ver­schie­be­spiel er­leich­tert die Ver­le­gung zu­sätz­lich.

Tond­ach­zie­gel be­ste­hen aus rein na­tür­li­chen Roh­stof­fen und sind voll­stän­dig re­cy­cel­bar. Für ih­re Her­stel­lung wer­den Ton, Lehm und Was­ser so­wie ge­ge­be­nen­falls mi­ne­ra­li­sche Farb­pig­men­te und Gla­sur­frit­ten bei ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren von rund 1 000 Grad Cel­ci­us ge­brannt. Tond­ach­zie­gel sind wit­te­rungs­be­stän­dig und re­sis­tent ge­gen UV-Strah­len und Frost. Dies sorgt da­für, dass auch nach Jah­ren die Far­be nicht ver­blasst oder Ab­plat­zun­gen die Op­tik des Da­ches be­ein­träch­ti­gen.

Die noch im­mer recht ver­brei­te­te Faust­re­gel „Be­tond­ach­stei­ne sind schwarz, Tond­ach­zie­gel sind rot“ist in­zwi­schen längst über­holt. So bie­tet Crea­ton mit sei­nem Mo­del­len „Pre­mi­on“und „Can­tus“durch­ge­färb­te, schwar­ze Tond­ach­zie­gel an.

Tond­ach­zie­gel wer­den in un­ter­schied­li­chen Ober­flä­chen­va­ri­an­ten von matt bis glän­zend so­wie ei­ner

brei­ten Farb­pa­let­te an­ge­bo­ten. Ge­mäß der DIN EN 1304 wird zwi­schen na­tur­ro­ten, en­go­bier­ten und gla­sier­ten Ober­flä­chen un­ter­schie­den. Na­tur­ro­te Dach­zie­gel er­hal­ten ih­re Far­be durch das im Ton ent­hal­te­ne Ei­sen­oxid. Ei­ne Va­ri­an­te sind durch­ge­färb­te Zie­gel, die sich mit­hil­fe des so­ge­nann­ten „Ke­ra­lis“-Ver­fah­rens, das im Werk in Gut­tau zum Ein­satz kommt, auch in an­de­ren Far­ben als Na­tur­rot bren­nen las­sen. Da­bei wer­den die Roh­stof­fe sehr fein ge­mah­len und bei hö­he­ren Tem­pe­ra­tu­ren als üb­lich ge­brannt. Schnitt­kan­ten, die beim Aus­bil­den von Gau­ben ent­ste­hen, sind durch die Durch­fär­bung fast nicht zu se­hen und müs­sen so­mit nicht nach­ge­ar­bei­tet wer­den.

Die Farb­tö­ne en­go­bier­ter Zie­gel lie­gen im Braun­ton-Be­reich. Üb­lich sind ro­te, brau­ne, graue und schwar­ze Ober­flä­chen. Gla­sier­te Zie­gel zeich­nen sich im Ge­gen­satz zu En­go­ben durch ei­ne glän­zen­de Ober­flä­che aus. Bei der Gla­sur wer­den Glas­frit­ten ein­ge­schmol­zen und fest in den Zie­gel ein­ge­brannt.

Be­tond­ach­stei­ne wer­den aus Sand, Ze­ment, Was­ser und Farb­pig­men­ten ge­fer­tigt und gel­ten auf­grund ih­res at­trak­ti­ven Ma­te­ri­al­prei­ses als kos­ten­güns­ti­ge Be­da­chung. Im Her­stel­lungs­pro­zess wer­den sie bei Tem­pe­ra­tu­ren von 60 Grad Cel­ci­us aus­ge­här­tet und an­schlie­ßend an der Luft ge­trock­net. Wie Tond­ach­zie­gel sind Be­tond­ach­stei­ne eben­falls voll­stän­dig re­cy­cel­bar.

Die Farb­ge­bung von Be­tond­ach­stei­nen ist durch Farb­bei­mi­schung re­gel­bar. Auch auf spe­zi­el­le Ve­re­de­lun­gen wird da­bei zu­rück­ge­grif­fen. Die Pro­dukt­li­nie „Pla­nar“bie­tet bei­spiels­wei­se ei­nen Dach­stein mit be­son­ders fei­ner und glat­ter Ober­flä­che in zahl­rei­chen mat­ten und glän­zen­den Far­ben an. Be­tond­ach­stei­ne sind frost­be­stän­dig und bruch­fest.

An­ders als Tond­ach­zie­gel wer­den Be­tond­ach­stei­ne oh­ne Kopf­ver­fal­zung aus­ge­bil­det. Dies er­mög­licht ei­ne fle­xi­ble Hö­hen­über­de­ckung. Hier gilt: Je stei­ler das Dach, des­to mehr Spiel. Je fla­cher das Dach, des­to grö­ßer ist die Hö­hen­über­de­ckung. Da durch ei­ne fla­che­re Dach­nei­gung auch die Re­gen­ein­trags­si­cher­heit sinkt, stei­gen die An­sprü­che an das Un­ter­dach.

Als zu­sätz­li­cher Schutz ge­gen Re­gen­ein­trag und dar­aus re­sul­tie­ren­de Ver­moo­sung ver­fü­gen die Dach­stein-Mo­del­le „Hei­del­berg“, „Gö­te­borg“, „Ve­ro­na“und „Kap­stadt“über zwei­fa­che Was­ser­fal­len im Kopf­be­reich. Ei­ne hoch lie­gen­de Sei­ten­ver­fal­zung mit zur Sei­te hin of­fe­ner Fu­ge so­wie ab­ge­run­de­te Fuß­kan­ten ver­bes­sern den Was­ser­ab­lauf und re­du­zie­ren Kan­ten­ver­schmut­zung. Sta­bi­le Auf­la­ge­ste­ge an den Auf­hän­ge­na­sen hel­fen, Stau­näs­se an der Dach­lat­te zu ver­mei­den. Ei­ne aus­ge­präg­te Fuß­ver­rip­pung ver­min­dert das Ein­drin­gen von Flug­schnee oder Schlag­re­gen.

Ge­mäß der DIN EN 1304 un­ter­schei­det man bei Tond­ach­zie­geln zwi­schen na­tur­ro­ten, en­go­bier­ten und gla­sier­ten Ober­flä­chen (v. l.).

Der Au­tor Rai­ner Bal­ken­hol ist Lei­ter der An­wen­dungs­tech­nik bei Crea­ton.

FO­TOS: CREA­TON

Dach­stei­ne wer­den oh­ne Kopf­ver­fal­zung her­ge­stellt. Das er­mög­licht ei­ne fle­xi­ble Hö­hen­über­de­ckung.

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