Die schlau­fen­för­mi­ge Ver­le­gung von dif­fu­si­ons­hem­men­den Schich­ten in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Zwi­schen­spar­ren­däm­mung ist nur noch mit ei­nem Nach­weis zu­läs­sig. Ma­ri­us Hau­bold von Ur­sa er­läu­tert die zu­sätz­li­che Be­rech­nung.

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Die schlau­fen­för­mi­ge Ver­le­gung von dif­fu­si­ons­hem­men­den Schich­ten in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Zwi­schen­spar­ren­däm­mung im Dach­be­reich ist nur noch mit ei­nem Nach­weis zu­läs­sig. Ma­ri­us Hau­bold er­läu­tert die nun nö­ti­ge, zu­sätz­li­che Be­rech­nung.

Um ei­ne Durch­feuch­tung von Au­ßen­bau­tei­len wie dem Dach durch Tau­was­ser­bil­dung in Fol­ge von Dif­fu­si­on und Kon­vek­ti­on zu ver­hin­dern, sorgt ei­ne raum­sei­tig an­ge­ord­ne­te Dampf­brem­se und Luft­sper­re für ei­ne funk­ti­ons­tüch­ti­ge Kon­struk­ti­on. Durch ei­ne fal­sche Ver­le­gung oder Be­schä­di­gung die­ser Schicht kann feuch­te Raum­luft in den Dach­auf­bau ge­lan­gen und sich dort als Tau­was­ser nie­der­schla­gen. Die­ser bau­phy­si­ka­li­sche Vor­gang kann zu Feuch­teschä­den und Schim­mel­bil­dung füh­ren. Da­her sind die An­for­de­run­gen an die fach­ge­rech­te Pla­nung und Aus­füh- rung der Dampf­brem­se und der Luft­dicht­heits­schicht im Dach be­son­ders hoch. Der Nach­weis da­für, dass kein schäd­li­ches Tau­was­ser im In­ne­ren des Bau­teils an­fällt, kann bei der Be­rück­sich­ti­gung kon­struk­ti­ver Prin­zi­pi­en nach DIN 4108-3 er­bracht wer­den. Bei der Sa­nie­rung von be­ste­hen­den Dä­chern wird al­ler­dings häu­fig als be­son­de­re Art der Aus­füh­rung ei­ne schlau­fen­för­mi­ge Ver­le­gung der dif­fu­si­ons­hem­men­den Bah­nen an­ge­wen­det. Hier­bei wird die Dampf­brem­se oder Dampf­sper­re von au­ßen über den Spar­ren ver­legt. Dies hat den Vor­teil, dass die in­ne­re Be­k­lei- dung des Da­ches nicht ent­fernt wer­den muss und der Wohn­raum wei­ter­hin ge­nutzt wer­den kann.

Die schlau­fen­för­mi­ge Ver­le­gung ist jah­re­lang gän­gi­ge Pra­xis im Dach­hand­werk und hat sich be­währt. Gleich­zei­tig be­sit­zen Dach­sa­nie­run­gen mit Neu­ein­de­ckun­gen und en­er­ge­ti­sche Ver­bes­se­run­gen ei­nen im­mer hö­he­ren Stel­len­wert. So wur­den in den letz­ten Jah­ren mehr Bau­leis­tun­gen an be­ste­hen­den Ge­bäu­den durch­ge­führt als an Neu­bau­ten.

Mit dem Ver­weis des neu­en Merk­blat­tes „Wär­me­schutz bei Dach und Wand“auf die DIN 4108-3 ist nun bei der Aus­füh­rung ei­ner schlau­fen­för­mi­gen Ver­le­gung ein Nach­weis mit ei­nem ge­naue­ren Be­rech­nungs­ver­fah­ren er­for­der­lich. Das her­kömm­li­che Gla­ser-Ver­fah­ren ist für die­sen An­wen­dungs­fall nicht zu­läs­sig. Der neue Nach­weis er­for­dert ei­ne hy­gro-

ther­mi­schen Si­mu­la­ti­on, die ei­ne Be­rech­nung des Wär­meund Feuch­te­trans­ports im Schich­ten­auf­bau un­ter Fest­le­gung be­stimm­ter Rand­be­din­gun­gen so­wie ei­ne Beur­tei­lung der bau­phy­si­ka­li­schen Fol­gen be­inhal­tet. Bei der Be­rech­nung lässt sich so­wohl die Holz­feuch­te im Spar­ren als auch die Feuch­te an kri­ti­schen Stel­len wie der Spar­ren­ober­sei­te pro­gnos­ti­zie­ren.

Viel­fäl­ti­ge An­for­de­run­gen an luft­dich­te Hül­le

Die An­for­de­run­gen an die luft­dich­te Ge­bäu­de­hül­le sind viel­fäl­tig und in der DIN 4108-2 aus­führ­lich be­schrie­ben. Die Vor­aus­set­zung für die Ver­mei­dung von Luft­strö­mun­gen in der Kon­struk­ti­on ist die luft­dich­te Aus­füh­rung der wär­me­über­tra­gen­den Um­fas­sungs­flä­che. Be­vor­zugt wird die An­ord­nung der Luft­dicht­heits­schicht auf der Raum­sei­te, um so ein Ein­drin­gen von feuch­ter Raum­luft in das In­ne­re des Bau­teils zu ver­hin­dern. Da­ge­gen ist bei der schlau­fen­för­mi­gen Ver­le­gung der Be­reich der Spar­ren­ober­sei­te be­son­ders ge­fähr­det. An der kal­ten Ober­flä­che kann sich durch Was­ser­dampf­kon­vek­ti­on Tau­was­ser bil­den und Schä­den wie zum Bei­spiel Pilz­be­fall am Holz ver­ur­sa­chen. Die­sem Ri­si­ko kann ei­ne li­ni­en­för­mi­ge An­pres­sung der Bah­nen im un­te­ren Be­reich der Spar­ren ent­ge­gen­wir­ken. Das Her­an­zie­hen von Be­klei­dun­gen aus klein­for­ma­ti­gen Plat­ten, Scha­lun­gen, Pa­nee­len oder Pro­fil­b­le­chen als luft­dich­te Schicht ist nicht zu­läs­sig. Wei­ter­hin müs­sen Durch­drin­gun­gen, An­schlüs­se und Über­lap­pun­gen luft­dicht aus­ge­führt wer­den. Schon klei­ne Fehl­stel­len kön­nen hier zu Luft­durch­läs­sig­kei­ten und Feuch­teschä­den füh­ren. Be­fes­ti­gun­gen, die im Zu­ge der Mon­ta­ge der Bah­nen ver­wen­det wer­den, soll­ten zu­sätz­lich ab­ge­dich­tet wer­den. Bei der Ver­wen­dung von Kle­be- und Dicht­mit­tel sind die Her­stel­ler­vor­schrif­ten zu be­rück­sich­ti­gen. Schlau­fen­bil­dun­gen und me­cha­ni­sche Si­che­run­gen wie zum Bei­spiel Lat­ten oder Scha­lun­gen kön­nen Zug­kräf­te auf Kle­be­ver­bin­dun­gen und Luft­dicht­heits­bah­nen ver­hin­dern. In­stal­la­ti­ons­ebe­nen sind mög­lichst raum­sei­tig an­zu­ord­nen, um Durch­drin­gun­gen zu re­du­zie­ren.

Stan­dar­di­sier­te Lö­sun­gen ent­wi­ckeln

Um in Zu­kunft ei­ne si­che­re und wirt­schaft­li­che Lö­sung für die Feuch­te­be­rech­nung an­bie­ten zu kön­nen, ar­bei­ten An­bie­ter von Dämm­stof­fen, Dampf­brem­sen und Luft­sper­ren an der Ent­wick­lung stan­dar­di­sier­ter Sys­tem­lö­sun­gen. So lie­fert Ur­sa ei­nen Nach­weis nach DIN 4108-3 un­ter Be­ach­tung des Merk­blat­tes Wär­me­schutz bei Dach und Wand des Zen­tral­ver­ban­des des deut­schen Dach­de­ck­er­hand­werks. Die­ser er­folgt mit Hil­fe des hy­gro­ther­mi­schen Si­mu­la­ti­ons­pro­gram­mes „Wu­fi“des Fraun­ho­fer In­sti­tuts für Bau­phy­sik nach DIN EN 15026 und wur­de vom re­nom­mier­ten Bü­ro für Holz­bau und Bau­phy­sik Di­plom-In­ge­nieur (FH) Da­ni­el Kehl er­stellt. Die Dau­er der Si­mu­la­ti­on um­fasst ei­nen Zei­t­raum von fünf Jah­ren un­ter Be­rück­sich­ti­gung ei­ner ho­hen Aus­gangs­feuch­te. Der Bau­teilauf­bau im Ge­fach um­fasst von in­nen nach au­ßen: ei­ne Gips­kar­ton-

bau­plat­te, ei­ne Luft­schicht, die Dampf­brem­se „Se­co Pro SDV“oder „Se­co Pro 2“und ei­ne Däm­mung aus Mi­ne­ral­wol­le mit Wär­me­leit­fä­hig­keit von 0,035 W/(mK) so­wie ei­ne dif­fu­si­ons­of­fe­ne Un­ter­deck­bahn.

Die Mus­ter­be­rech­nung setzt be­son­ders an­spruchs­vol­le bau­phy­si­ka­li­sche, kon­struk­ti­ve und en­er­ge­ti­sche Rand­be­din­gun­gen vor­aus, um zu ei­nem Er­geb­nis mit ei­nem brei­ten An­wen­dungs­be­reich zu kom­men. So legt die Be­rech­nung bei­spiels­wei­se ei­ne Dach­nei­gung von 50 Grad mit Nordori­en­tie­rung zu Grun­de. Da sich ei­ne nach Nor­den ori­en­tier­te Dach­flä­che durch die ge­rin­ge­re Son­nen­ein­strah­lung feuch­te­tech­nisch un­güns­tig ver­hält, gilt das Er­geb­nis auch für an­de­re Him­mels­rich­tun­gen. Das glei­che gilt für die Dach­nei­gung – die ge­won­ne­nen Aus­sa­gen kön­nen auch für fla­che­re Nei­gun­gen an­ge­setzt wer­den.

Des Wei­te­ren wur­de von ei­ner nor­ma­len Raum­feuch­te aus­ge­gan­gen, wie sie für Wohn­räu­me ein­schließ­lich Bä­dern und Kü­chen für Wohn­zwe­cke an­ge­nom­men wer­den kann zu­züg­lich ei­ner fünf­pro­zen­ti­gen Er­hö­hung für die Be­mes­sung der Kon­struk­ti­on. Auch ein stän­di­ger Feuch­te­ein­tritt in Fol­ge von Luft­un­dicht­hei­ten wur­de im Zu­ge der Si­mu­la­ti­on be­ach­tet, denn trotz fach­ge­rech­ter Aus­füh­rung las­sen sich Le­cka­gen nicht im­mer voll­stän­dig ver­mei­den.

Holz­feuch­te ein Kri­te­ri­um

Für die Be­wer­tung der Be­rech­nung war zum ei­nen die Holz­feuch­te des Spar­rens ein Kri­te­ri­um, da die­se die Fes­tig­keits- und Stei­fig­keits­kenn­wer­te des Bau­stof­fes be­ein­flusst. Zum an­de­ren war die Po­ren­luft­feuch­te und -tem­pe­ra­tur im kri­ti­schen Teil des Hol­zes re­le­vant, denn durch ei­ne kri­ti­sche Holz­feuch­te steigt das Ri­si­ko des Be­falls durch holz­zer­stö­ren­de Pil­ze am Spar­ren. Das Er­geb­nis der Be­rech­nung er­gab, dass un­ter Ein­satz der Dampf­brem­sen „Se­co Pro SDV“und „Se­co Pro 2“die Holz­feuch­te im Spar­ren bis auf cir­ca 12 Pro­zent her­un­ter­trock­net und sich da­mit auf ei­nem un­kri­ti­schen Ni­veau be­fin­det. Des Wei­te­ren kann an der kri- tischs­ten Stel­le des Spar­rens ei­ne Ge­fähr­dung durch holz­zer­stö­ren­de Pil­ze aus­ge­schlos­sen wer­den. An die­ser Stel­le sei er­wähnt, dass die­se Er­geb­nis­se un­ter ei­ner Sum­me an­spruchs­vol­ler Rand­be­din­gun­gen er­zielt wur­den und dass sich bei we­ni­ger kri­ti­schen Rand­be­din­gun­gen das Er­geb­nis noch ein­mal ver­bes­sert.

Durch ei­ne Stan­dar­di­sie­rung kann ei­ne auf­wän­di­ge Ein­zel­fall­be­rech­nung der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren und der Auf­wand sich auf ei­ne fach­ge­rech­te Aus­füh­rung kon­zen­trie­ren. Auf An­fra­ge kann ei­ne Mus­ter­be­rech­nung durch Ur­sa zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.

FO­TOS: UR­SA

Dach­sa­nie­run­gen mit Neu­ein­de­ckun­gen und en­er­ge­ti­sche Ver­bes­se­run­gen ha­ben ei­nen im­mer hö­he­ren Stel­len­wert. So wur­den in den letz­ten Jah­ren mehr Bau­leis­tun­gen an be­ste­hen­den Ge­bäu­den durch­ge­führt als an Neu­bau­ten.

Der Au­tor Di­plom-In­ge­nieur Ma­ri­us Hau­bold ist Ma­na­ger An­wen­dungs­tech­nik und Schu­lun­gen von Ur­sa.

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