Si­che­rungs­schel­len kön­nen ei­nen un­er­wünsch­ten Was­ser­ein­trag im At­ti­ka­be­reich ver­hin­dern. Dr. Su­san­ne Kas­pa­rek von Si­ta er­läu­tert, war­um.

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Meis­tens wer­den sie erst zu spät ent­deckt: Ver­steck­te Män­gel, die ei­nen Was­ser­ein­trag im At­ti­ka­be­reich ver­ur­sa­chen. Wer sei­ne Kon­struk­ti­on al­ler­dings mit Si­che­rungs­schel­len fi­xiert, muss kei­ne un­lieb­sa­men Un­dich­tig­kei­ten fürch­ten, sagt Dr. Su­san­ne Kas­pa­rek.

Ent­wäs­se­rung durch die At­ti­ka. Scheint ein­fach, ist aber nicht oh­ne Tü­cke. Die Ge­fahr ist, dass Un­dich­tig­kei­ten sehr spät be­merkt wer­den. Nicht fach­ge­rech­te In­stal­la­tio­nen rä­chen sich und brin­gen oft ho­he Fol­ge­kos­ten für die Sa­nie­rung mit sich. Und Feh­ler­quel­len, die gibt es reich­lich, an­ge­fan­gen bei der un­sach­ge­rech­ten Ein­dich­tung des Gul­ly­kör­pers. Die meis­ten Feh­ler­quel­len las­sen sich aber im Be­reich der An­schlüs­se or­ten, al­so im Über­gangs­be­reich vom Gul­lys­tut­zen auf das Ent­wäs­se­rungs­rohr. Wer­den die Ent­wäs­se­rungs­roh­re ge­stü­ckelt ver­ar­bei­tet, viel­leicht weil man ge­ra­de noch Rest­stü­cke auf La­ger hat­te, so er­ge­ben sich in den Rohr­an­schluss­be­rei­chen zu­sätz­li­che Ri­si­ko­zo­nen. Rohr­stü­cke­lun­gen soll­ten auf je­den Fall ver­mie­den wer­den. Der Trend geht zu im­mer di­cke­ren Wär­me­dämm­pa­ke­ten, in­nen und au­ßen an der At­ti­ka. At­ti­ka­di­cken von 40 bis 50 Zen­ti­me­ter sind heu­te kei­ne Sel­ten­heit mehr. Da­mit ver­län­gert sich auch der Be­reich der Kern­boh­rung, die Stre­cke des schwer ein­seh­ba­ren „Tun­nels“, durch den die Ent­wäs­se­rungs­roh­re ge­führt wer­den müs­sen. Oft schiebt der Hand­wer­ker den Gul­lys­tut­zen auf das Rohr und bei­des zu­sam­men vom Dach aus durch die At­ti­ka. Wenn die­se Kon­struk­ti­on dann noch nach­jus­tiert wird, kann sich ei­ne un­ge­si­cher­te Muf­fen­ver­bin­dung schon lö­sen. Noch un­güns­ti­ger ist es, wenn das Rohr von An­fang an et­was schief auf­ge­steckt wur­de und die­se schon fra­gi­le Ver­bin­dung beim Ein­bau noch wei­ter aus­ge­rich­tet wird. Dann kann die Dich­tung in der Muf­fe von An­fang an nicht rich­tig dich­ten. Manch­mal ist die Durch­drin­gung et­was eng, es gibt viel­leicht ei­ne Ver­schmut­zung, so dass die Kon­struk­ti­on et­was hin und her ge­scho­ben wer­den muss, und schon hat sich die Muf­fe ge­löst. Be­son­de­re Acht­sam­keit er­for­dern Si­tua­tio­nen, in de­nen der Dach­de­cker be­reits den Gul­ly ein­ge­dich­tet hat und der Sa­ni­tär­in­stal­la­teur von au­ßen die Rohr­lei­tung an­schlie­ßen muss. Die­se Kon­struk­ti­on er­for­dert viel Fein­ge­fühl, denn ein­seh­bar ist der An­schluss­be­reich im Her­zen der At­ti­ka nicht mehr. Wenn dann noch von au­ßen ge­zo­gen und nach­jus­tiert wird, kann die Muf­fen­ver­bin­dung un­be­ab­sich­tigt ge­lo­ckert be­zie­hungs­wei­se ge­löst wer­den. Schon ist das Rohr vom Gul­ly ab­ge­zo­gen be­zie­hungs­wei­se so weit ab­ge­zo­gen, dass die Dich­tung nicht mehr rich­tig grei­fen kann.

Aber auch nach der Mon­ta­ge zahlt sich ei­ne fach­ge­rech­te Aus­füh­rung aus. Das Dach „ar­bei­tet“, un­ter an­de­rem un­ter Tem­pe­ra­tur­ein­fluss – ge­ra­de im Früh­jahr oder Herbst, Jah­res­zei­ten, die durch gro­ße Tag-Nach­tTem­pe­ra­tur­un­ter­schie­de ge­kenn­zeich­net sind. So scheint zum Bei­spiel die Son­ne mor­gens schon kräf­tig auf die ei­ne Ge­bäu­de­sei­te, wäh­rend die an­de­re Sei­te noch im Schat­ten liegt. Die sonn­ge­wärm­te Sei­te dehnt sich aus, die nacht­küh­le Schat­ten­sei­te noch nicht. Ge­ne­rell wird die Tem­pe­ra­tur­ent­wick­lung auf ei­nem Flach­dach oft un­ter­schätzt.

Wenn die Son­ne kräf­tig scheint, kön­nen hier Tem­pe­ra­tu­ren bis zu 90 Grad Cel­ci­us er­reicht wer­den. Es kommt zu ei­ner so­ge­nann­ten „ther­mi­schen Deh­nung“. Nachts, wenn die Tem­pe­ra­tu­ren fal­len, zieht sich die Kon­struk­ti­on wie­der zu­sam­men. Die­se Span­nungs­un­ter­schie­de füh­ren zu Be­we­gun­gen, die si­cher auf­ge­fan­gen wer­den müs­sen.

Dich­tun­gen spie­len ei­ne zen­tra­le Rol­le bei der lü­cken­lo­sen Kon­struk­ti­on. So ge­nann­te Roll­rin­ge soll­ten auf je­den Fall ver­mie­den wer­den. Wie ihr Na­me schon as­so­zi­ie­ren lässt, kön­nen sie weg­rol­len, wo­mit sie ih­re Dicht­auf­ga­be/Funk­ti­on im An­schluss­be­reich nicht mehr aus­füh­ren kön­nen. Bei Sa­nie­rungs­fäl­len fin­den sich im­mer wie­der Roll­ring­dich­tun­gen, die schon halb im Gul­ly­topf hän­gen oder be­reits ganz hin­ein­ge­rutscht sind. Funk­ti­ons­tüch­ti­ge Dich­tun­gen be­kom­men be­son­de­re Re­le­vanz, wenn der Über­gang vom Gul­ly auf das Fall­rohr in der Mit­te der At­ti­ka ver­or­tet ist. Si­ta zum Bei­spiel ver­wen­det prin­zi­pi­ell kei­ne Roll­rin­ge, son­dern aus­schließ­lich Lip­pen- oder Pro­fil­dicht­rin­ge, die mit ih­rer Lip­pe be­zie­hungs­wei­se ha­ken­för­mi­gen Über­lap­pung zu­sätz­lich ge­gen den „Roll­ef­fekt“ge­si­chert sind.

Kei­ne Ver­bin­dung oh­ne Si­che­rungs­schel­le. Das ist ein wich­ti­ges Ele­ment auf dem Weg zu ei­ner re­kla­ma­ti­ons­frei­en Ent­wäs­se­rung durch die At­ti­ka. Bei ei­ner her­kömm­li­chen Frei­spie­ge­l­entwäs­se­rung ist der Fül­lungs­grad ei­ner ver­zo­ge­nen Lei­tung mit 0,7 vor­ge­ge­ben. Bei Stark­re­ge­ner­eig­nis­sen aber kön­nen sich an Gul­lys enor­me Was­ser­men­gen sam­meln, die zu na­he­zu voll ge­füll­ten Roh­ren füh­ren. Die Ver­bin­dung ge­rät ex­trem un­ter Druck, so dass die Ge­fahr be­steht, dass Gul­ly und Rohr aus­ein­an­der­glei­ten. Ei­ne Si­che­rungs­schel­le bringt hier ein zu­sätz­li­ches Plus an Si­cher­heit. Noch si­che­rer wird die Ge­s­amt- kon­struk­ti­on, wenn hier ein ge­prüf­tes Sys­tem ein­ge­setzt wird, bei dem al­le Mo­du­le per­fekt in­ein­an­der­grei­fen. Aber auch das bes­te Sys­tem kann nur feh­ler­frei ar­bei­ten, wenn die Grund­re­geln ei­ner fach­ge­rech­ten Flach­dach­ent­wäs­se­rung nach DIN 1986-100 re­spek­tiert wer­den. Da­zu ge­hört un­ter an­de­rem. ei­ne stand­ort­be­zo­ge­ne Aus­le­gung der Haupt- und Not­ent­wäs­se­rung, min­des­tens zwei Pro­zent Ge­fäl­le und vor al­len Din­gen, kein Ge­gen­ge­fäl­le.

FO­TOS: SI­TA

Ei­ne Si­che­rungs­schel­le schafft ei­ne si­che­re Ver­bin­dung von Gul­li und Rohr.

Die Au­to­rin Dr. Su­san­ne Kas­pa­rek ist Pro­dukt­ma­na­ge­rin bei Si­ta.

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