Paul Zie­lin­ski, Lei­ter tech­ni­sche Be­ra­tung Dach bei Er­lus, geht auf die Vor­tei­le ei­nes Steil­dachs ein.

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Vor­aus­schau­end den­ken – das ist bei der Pla­nung ei­nes Neu­baus wich­tig. Da­bei ist nicht zu­letzt die Fra­ge nach der Gestal­tung des Da­ches zen­tral. Ob Flach- oder Steil­dach, die­se Ent­schei­dung soll­ten

Bau­her­ren erst nach kom­pe­ten­ter Be­ra­tung und reif­li­cher Über­le­gung tref­fen.

Bei der Ent­schei­dung, ein Haus mit ei­nem Steil­dach oder ei­nem Flach­dach ab­zu­schlie­ßen, spie­len nicht sel­ten äs­the­ti­schen Über­le­gun­gen ei­ne zen­tra­le Rol­le. Wäh­rend das Steil­dach in Deutsch­land ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on hat, gilt das Flach­dach häu­fig als mo­der­ner und ist zu­dem in der An­schaf­fung bil­li­ger. Dau­er­haf­te War­tungs­kos­ten, en­er­ge­ti­sche Aspek­te und Wet­ter­be­stän­dig­keit spie­len bei der Ent­schei­dungs­fin­dung eher ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. „Das Steil­dach bringt da­bei kla­re Vor­tei­le mit sich. Die­se in Ge­sprä­chen mit Bau­her­ren dar­zu­le­gen ge­hört zu ei­ner fun­dier­ten Be­ra­tung“, sagt Paul Zie­lin­ski, Lei­ter der tech­ni­schen Be­ra­tung Dach bei Er­lus.

14 Haupt­dach­for­men

Das tra­di­tio­nel­le Steil­dach er­öff­ne mehr Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten als ein Flach­dach. Mit zahl­rei­chen Dach­zie­gel­ar­ten in ver­schie­den Grö­ßen, For­men, Far­ben und Funk­tio­nen bie­ten Her­stel­ler ei­ne gro­ße Aus­wahl. Für zu­sätz­li­che Ab­wechs­lung bei der Dach­kon­zep­ti­on sor­gen 14 Haupt­dach­for­men – vom Sat­tel- über das Walm- bis hin zum Pult­dach. Hin­zu kom­men un­ter­schied­lichs­te Ar­ten von Dach­auf­bau­ten, wie Gau­ben und Dach­ein­bau­ten, wie Dach­flä­chen­fens­tern. „Selbst wer eher ei­ne zeit­ge­nös­si­sche und ge­rad­li­ni­ge Ar­chi­tekt- ur­spra­che be­vor­zugt, kann die­se mit Tond­ach­zie­geln um­set­zen“, sagt Zie­lin­ski. Et­wa mit fla­chen De­sign­zie­geln oder ei­nem flach­ge­neig­ten Dach, das ku­bi­sche Ar­chi­tek­tur mit den Vor­tei­len des Steil­da­ches ver­bin­den kann. Dies sei mög­lich dank ak­tu­el­ler Pro­dukt­in­no­va­tio­nen, wie dem neu­en Er­golds­ba­cher „E 58 RS“von Er­lus. „Sei­ne aus­ge­präg­te Ring­ver­fal­zung mit drei­fa­chem Kopf- und Sei­ten­falz er­laubt ei­ne Re­gel­dach­nei­gung von 16 Grad“, so Zie­lin­ski. Durch ho­he Ste­ge und zu­sätz­li­che Rip­pen bie­te der Zie­gel ho­he Si­cher­heit vor Schlag­re­gen, wäh­rend die Un­ter­kon­struk­ti­on tro­cken bleibt.

Das wich­tigs­te Kri­te­ri­um für die Ent­schei­dung für ein Steil- oder Flach­dach bil­den häu­fig die Kos­ten. In der An­schaf­fung ist ein Steil­dach ge­ring­fü­gig teu­rer als ein Flach­dach, so der Ex­per­te. „Be­trach­tet man je­doch den ge­sam­ten Le­bens­zy­klus, sum­mie­ren sich beim Flach­dach lang­fris­tig die Zu­satz­kos­ten. Denn das Flach­dach ver­fügt über ei­ne teu­re Un­ter­kon­struk­ti­on aus Stahl­be­ton­de­cken und Schicht­auf­bau­ten – mit nicht zu un­ter­schät­zen­den Kos­ten für War­tung und In­stand­hal­tung“, er­klärt Zie­lin­ski. So müs­sen auch hoch­wer­ti­ge Ab­dich­tun­gen im Ver­gleich zu ei­nem Zie­gel­dach häu­fig er­neu­ert wer-

den. Der Grund: Auf Flach­dä­chern samm­le sich Re­gen­was­ser. Da­mit steigt die Ge­fahr von Was­ser­ein­tritt ins Hau­sin­ne­re. Schwe­re Schnee­las­ten im Win­ter sind zu­dem ei­ne ho­he Be­las­tung für die Trag­fä­hig­keit des Flach­da­ches. Die Dach­nei­gung beim Steil­dach sorg­te da­für, dass al­le Las­ten auf den sta­bi­len Au­ßen­wän­den lie­gen, Re­gen­was­ser fließt di­rekt über die Dach­rin­ne ab und schwe­rer Schnee rutscht in Schnee­fang­vor­rich­tun­gen bis er schmilzt. Die­se sys­tem­be­ding­ten Ei­gen­schaf­ten sor­gen da­für, dass der War­tungs­rhyth­mus beim Steil­dach deut­lich län­ger ist.

In­ner­halb der durch­schnitt­li­chen Le­bens­dau­er ei­nes Hau­ses von rund 80 Jah­ren sei es im Re­gel­fall nicht not­wen­dig, das Steil­dach zu er­set­zen, wäh­rend die Ab­dich­tun­gen auf dem Flach­dach im sel­ben Zei­t­raum gleich mehr­mals ei­ner Aus­wechs­lung be­dürf­ten.

Der For­schungs­be­reich für In­dus­trie­bau und in­ter­dis­zi­pli­nä­re Bau­pla­nung der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät (TU) in Wi­en hat be­rech­net, dass ein von Be­ginn an aus­ge­bau­tes Dach­ge­schoss un­ter ei­nem Steil­dach bei den Ge­samt­kos­ten pro Qua­drat­me­ter et­wa 14 Pro­zent güns­ti­ger ab­schnei­det als ein Flach­dach. Nach 50 Jah­ren sind es so­gar 16 Pro­zent. Durch das grö­ße­re Platz­an­ge­bot ei­nes aus­ge­bau­ten Steil­da­ches be­trägt laut der TU Wi­en die Er­spar­nis ge­gen­über dem Flach­dach in­ner­halb ei­nes Le­bens­zy­klus mehr als 400 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter. Auch auf­grund die­ser ge­rin­ge­ren Kos­ten ist das Steil­dach dem Flach­dach vor­zu­zie­hen, so das Fa­zit der Wis­sen­schaft­ler.

Wet­ter­auf­zeich­nun­gen zei­gen, dass Stür­me im Zu­ge des Kli­ma­wan­dels kon­ti­nu­ier­lich zu­neh­men. Das Dach ist auf­grund sei­ner gro­ßen An­griffs­flä­che bei Stür­men, Stark­re­gen oder Ha­gel­schlag im­mer di­rekt be­trof­fen. „Die häu­figs­ten, auf­grund auf­wän­di­ger Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten teu­ers­ten Dach­schä­den gibt es sta­tis­tisch bei fla­chen Dä­chern aus groß­flä­chi­gen, bahn­ar­ti­gen Werk­stof­fen oh­ne zu­sätz­li­chen Ober­flä­chen­schutz. Denn bei ih­nen ist ei­ne fach­ge­rech­te, punk­tu­el­le Scha­dens­be­sei­ti­gung nur sel­ten mög­lich“, sagt Zie­lin­ski. Je stei­ler das Dach, des­to grö­ßer sei der An­press­druck bei Sturm an der wind­ge­wand­ten Sei­te. Je fla­cher die Dach­nei­gung, des­to hö­her sei der Wind­sog zum Bei­spiel hin­ter der At­ti­ka. Klein­for­ma­ti­ge Deck­werk­stof­fe wie Dach­zie­gel könn­ten die­sem Sog durch ih­re Luft­durch­läs­sig­keit leich­ter Wi­der­stand leis­ten als gro­ße „se­gel­ar­ti­ge“Ab­dich­tun­gen aus Bah­nen. Zu­sätz­lich kön­nen Sturm­klam­mern für de­ren Fi­xie­rung sor­gen. Auch beim Stark­re­gen punk­te das Steil­dach: Es lei­te den an­fal­len­den Nie­der­schlag nach au­ßen ab. Zwei­scha­li­ge Kon­struk­ti­on

Nicht nur bei Un­wet­tern, auch bei Son­ne und ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren ha­be das Steil­dach Vor­zü­ge: In der Re­gel sei es zwei­scha­lig mit ei­ner zu­sätz­li­chen Bahn oder Plat­te kon­stru­iert und be­kom­me durch die Kon­ter­lat­tung ei­nen Ent­lüf­tungs­ka­nal. An­sons­ten liegt ein Dach­bo­den­raum zum Durch­lüf­ten vor. In bei­den Fäl­len ent­weicht die Hit­ze im Be­reich des Firs­tes, was ein über­mä­ßi­ges Auf­hei­zen des Raum­kli­mas ver­hin­dert.

Ein Flach­dach birgt die Mög­lich­keit das Dach zu be­grü­nen und mit ei­ner Dach­ter­ras­se, Son­nen­kol­lek­to­ren oder gar ei­nem Schwimm­bad aus­zu­stat­ten. Zu­dem be­steht beim Flach­dach die Op­ti­on, das Haus auf­zu­sto­cken – falls die Be­bau­ungs­plä­ne das er­lau­ben. Ei­ne Auf­sto­ckung ist beim Steil­dach zwar nur be­dingt mög­lich, et­wa durch ei­ne Kniestock­an­he­bung, da­für hat der Haus­be­sit­zer von Be­ginn an ei­nen zu­sätz­li­chen Raum im Dach, den er wet­ter­un­ab­hän­gig und ganz­jäh­rig nut­zen kann.

So­lar­zel­len oder Kol­lek­to­ren las­sen sich beim Flach­dach nur durch zu­sätz­li­che Auf­stän­de­run­gen ide­al an den Strah­lungs­win­kel der Son­ne an­pas­sen. Die­se las­sen sich je­doch nicht be­lie­big be­fes­ti­gen. Auf­last­ba­sier­te Sys­te­me wie­der­um, wel­che zu punk­tu­el­len Las­ten auf der Ab­dich­tung füh­ren, stel­len ein häu­fig un­ter­schätz­tes Ri­si­ko dar, so der Ex­per­te. Sta­tik und Dach­auf­bau müss­ten da­her vor der Mon­ta­ge der So­lar­an­la­ge auf dem Flach­dach sehr in­ten­siv über­prüft wer­den. „Beim Steil­dach ist der Win­kel zur Son­ne auf­grund der Dach­schrä­ge grund­sätz­lich bes­ser. So­lar­kol­lek­to­ren und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen las­sen sich so­mit ein­fa­cher und ef­fi­zi­en­ter pla­nen“, sagt Zie­lin­ski.

Die beim Flach­dach ein­ge­setz­ten Ma­te­ria­li­en zur Dich­tung wie zum Bei­spiel Bi­tu­men oder Kunst­stof­fe sei­en spä­ter nur kos­ten­in­ten­siv zu ent­sor­gen. Sor­ten­rei­ne Tond­ach­zie­gel­dä­cher sei­en da­ge­gen ein Wert­stoff, der sich pro­blem­los als mi­ne­ra­li­scher Se­kun­där­roh­stoff wei­ter­ver­wen­den las­se. Da­für bie­ten Flach­dä­cher durch Dach­be­grü­nung die Mög­lich­keit, Aus­gleichs­flä­chen zu schaf­fen. Die TU Wi­en stell­te den­noch fest: Im Le­bens­zy­klus von 50 Jah­ren spart das Steil­dach im Ver­gleich zum Flach­dach 26,21 Ton­nen Koh­len­stoff­di­oxid ein.

FO­TOS: ER­LUS

Ein flach­ge­neig­tes Dach ver­bin­det ku­bi­sche Ar­chi­tek­tur mit den Vor­tei­len ei­nes Steil­dachs.

Mit dem „E 58 RS“ist ei­ne Re­gel­dach­nei­gung von 16 Grad mög­lich.

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