Ob­jekt­be­richt

Die Räu­me im In­ne­ren des WCC in Bonn er­for­der­ten ver­schie­de­ne raum­akus­ti­sche Lö­sun­gen

baustoffpraxis - - AUS DEN INHALT -

Das wäh­rend der Bau­pha­se als „Bau­teil A“be­zeich­ne­te Haupt­ge­bäu­de bil­det zu­sam­men mit dem ehe­ma­li­gen Plenar­saal der Bun­des­re­gie­rung so­wie dem his­to­ri­schen Was­ser­werk am Ufer des Rheins die we­sent­li­chen Ele­men­te des World Con­fe­rence Cen­ter Bonn (WCCB).

Die von den Ex­per­ten er­rech­ne­ten Soll­nach­hall­zei­ten la­gen zwi­schen TSoll = 0,80 s in den klei­ne­ren Ta­gungs­räu­men und TSoll = 1,80 s im Foy­er­be­reich. Um­ge­setzt wur­den die Akus­tik­de­cken nach Ri­gips-Sys­tem „AD10RTA“als Un­ter­de­cken mit hö­hen­ver­setz­ter Me­tall-Un­ter­kon­struk­ti­on. Die Grund- und Trag­pro­fi­le (CD 60/27) wur­den hier­für mit­tels „No­ni- us“-Ab­hän­gern zwi­schen 500 Mil­li­me­tern und 2 000 Mil­li­me­tern tief von den Stahl­be­ton­de­cken ab­ge­hängt. Die Be­plan­kung er­folg­te mit „Ri­gi­to­ne 12/25“-Loch­plat­ten.

Be­stand rund um das als „Kris­tall“be­zeich­ne­te Glas­dach im Foy­er die Her­aus­for­de­rung vor al­lem dar­in, in ei­ner Hö­he von bis zu 13 Me­tern zu ar­bei­ten, so muss­ten un­ter den Em­po­ren und Ga­le­ri­en Aus­spa­run­gen und Öff­nun­gen et­wa für Laut­spre­cher und Leuch­ten so­wie für vier gro­ße Rauch­gas­ven­ti­la­to­ren mit fast 2 000 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser in­te­griert wer­den. Gleich­zei­tig soll­ten die gro­ßen De­cken­flä­chen durch Schat­ten­fu­gen op­tisch ge­glie­dert wer­den.

In ei­nem un­ter­ir­disch ver­lau­fen­den Tun­nel­sys­tem, der das Foy­er mit dem al­ten Plenar­saal ver­bin­det, muss­ten die zu er­stel­len­den Akus­tik­de­cken­flä­chen eben­falls un­ter­schied­li­che Nei­gun­gen ha­ben. Auf­grund der un­ter­schied­li­chen Hö­hen­quo­ten der bei­den Ge­bäu­de fin­den sich in der ge­sam­ten Tun­nel­an­la­ge meh­re­re Stei­gun­gen und dar­aus re­sul­tie­ren­de Pla­teaus und Ram­pen. Die Loch­de­cken soll­ten ana­log zum Bo­den­ver­lauf ab­ge­hängt wer­den. Die Schwie­rig­keit be­stand un­ter an­de­rem dar­in, die aus der Streck­me­tall­de­cke im Un­ter­ge­schoss des Foy­ers her­vor­ge­hen­den Leuch­ten­ka­nä­le in die ,Ri­gi­to­ne’-De­cken flä­chen­bün­dig zu in­te­grie­ren und fort­zu­füh­ren. Hier­für wur­de die ge­sam­te, cir­ca 500 Qua­drat­me­ter gro­ße De­cken­flä­che aus vie­len von­ein­an­der un­ab­hän­gig wir­ken­den Viel­ecken zu ei­nem stim­mi­gen Ge­samt­bild zu­sam­men­ge­setzt. Da­bei war ins­be­son­de­re dar­auf zu ach­ten, dass trotz der gro­ßen An­zahl an Licht­ka­nä­len die Un­ter­kon­struk­tio­nen der ein­zel­nen De­cken­fel­der über­brü­ckend mit­ein­an­der ver­bun­den wur­den, so­dass die De­cke auf­grund

ih­rer va­ri­ie­ren­den Nei­gun­gen kei­ne Span­nun­gen auf­bau­en oder un­ge­woll­te Ver­for­mun­gen aus­bil­den konn­te.

Ei­ne op­ti­ma­le Raum­akus­tik war auch für den gro­ßen, über zwei Ge­schos­se ge­hen­den Haupt­saal ge­for­dert, in dem ins­ge­samt knapp 3 600 Zu­hö­rer Platz fin­den. Mit ei­ner Ge­samt­hö­he von 16 Me­tern er­gibt sich dort ein akus­tisch wirk­sa­mes Raum­vo­lu­men von rund 38 000 Ku­bik­me­tern, für das ei­ne Nach­hall­zeit von TSoll = 1,30 s an­ge­strebt war, rea­li­siert mit un­ter­schied­li­chen Ma­te­ria­li­en: Stoff, Holz, Me­tall, Gips und Gips­fa­ser.

Um­ge­setzt wur­de die Kon­struk­ti­on aus ei­ner ein­sei­ti­gen Be­plan­kung der Un­ter­kon­struk­ti­on mit drei La­gen „Ri­gi­dur H“-Gips­fa­ser­plat­ten (3 x 12,5 mm) so­wie der Ein­brin­gung ei­ner 100 Mil­li­me­ter di­cken Mi­ne­ral­wol­le­la­ge. Zum Schutz vor me­cha­ni­schen Ein­wir­kun­gen und Abrieb der Däm­mung wur­de die Un­ter­kon­struk­ti­on dann mit ei­nem schwar­zen Akus­tikv­lies voll­flä­chig über­spannt und an­schlie­ßend mit ei­nem ver­zink­ten Loch­blech ge­schlos­sen. Die ge­sam­te Un­ter­kon­struk­ti­on wur­de in die Stahl­git­ter­bin­der des gro­ßen Saal­da­ches ein­ge­stellt. Die Be­plan­kung er­folg­te von Hän­ge­ge­rüs­ten aus, so­dass die drei La­gen „Ri­gi­dur H“-Gips­fa­ser­plat­ten voll­flä­chig an den Stahl­git­ter­trä­gern vor­bei­lau­fen kön­nen, um un­ter­halb der Gän­ge cir­ca 600 Mil­li­me­ter ho­ri­zon­tal an die Lauf­schie­nen der mo­bi­len Trenn­wän­de an­zu­schlie­ßen. Die­se Vor­satz­scha­len-Kon­struk­ti­on hat ei­ne Ge­samt­hö­he von cir­ca 3 700 Mil­li­me­tern und dient mit ei­ner Flä­che von mehr als 580 Qua­drat­me­ter als wirk­sa­mes Schall­schutz­schott.“

Mul­ti­funk­tio­na­le Räu­me

Ähn­lich mul­ti­funk­tio­nal wie die Kon­fe­renz­räu­me soll­te auch ein zwei­ge­schos­si­ger Raum mit in­te­grier­ter Em­po­re und in­nen­lie­gen­der Trep­pe als „Club Lounge“für di­ver­se Ver­an­stal­tun­gen ge­nutzt wer­den kön­nen. Al­le sicht­ba­ren Wand­ober­flä­chen wur­den dort als bis zu sie­ben Me­ter ho­he Vor­satz­scha­len rea­li­siert. Ge­mäß Ri­gips-Sys­tem „VS12RB“wur­de hier­für ei­ne Un­ter­kon­struk­ti­on aus „Ri­gi Pro­fil Mul­ti Tec UW 100“als Bo­den- und De­cken­an­schluss und „Ri­gi Pro­fil Mul­ti Tec CW 100“-Wand­pro­fi­len er­rich­tet. Das ge­sam­te Stän­der­werk wur­de da­bei je­weils auf ei­nem Drit­tel sei­ner Hö­he mit­tels La­schen mit der da­hin­ter­lie­gen­den Be­ton­wand ver­bun­den. Für op­ti­ma­len Schall- und Wär­me­schutz sorgt ei­ne 80 Mil­li­me­ter di­cke Mi­ne­ral­wol­le­däm­mung, die Be­plan­kung er­folg­te zwei­la­gig mit „Bau­plat­ten RB“.

Ei­ne Aus­nah­me von die­sem Kon­struk­ti­ons­auf­bau stellt die Brüs­tungs­be­klei­dung von Trep­pe und Em­po­re in­klu­si­ve des in­te­grier­ten Hand­laufs dar. Die­ser Be­rei­che wur­de in An­leh­nung an das Sys­tem „IW22RB“als Dop­pel­stän­der­werk so­wie an den Brüs­tungs­be­rei­chen mit zu­sätz­li­chen, sta­tisch re­le­van­ten Recht­eck­rohr­pro­fi­len kon­stru­iert. Die hin­te­re Stän­der­rei­he im Be­reich des Hand­laufs be­steht voll­stän­dig aus 100 Mil­li­me­ter UA-Pro­fi­len. Die Ver­la­schung der bei­den Stän­der­rei­hen er­folg­te ober- und un­ter­halb der Hand­lauf-Aus­neh­mung auf ge­sam­ter Raum­hö­he, um so­mit die vor­de­re Scha­len­last voll­stän­dig in die da­hin­ter­lie­gen­de Kon­struk­ti­on ein­zu­lei­ten.

Aus dem ty­pi­schen Kon­text ei­nes Kon­fe­renz- und Ta­gungs­zen­trums her­aus sticht der so ge­nann­te „Raum der Stil­le“, der im Un­ter­ge­schoss an das Foy­er an­grenzt. In die­sem be­wusst re­li­gi­ons­neu­tral ge­hal­te­nen Raum sol­len Be­su­cher und Ta­gungs­teil­neh­mer Mo­men­te der Ru­he und Ein­kehr fin­den. Den Mit­tel­punkt der Raum­de­cke bil­det ei­ne ge­wölb­te, gol­de­ne Kup­pel, die zu­sam­men mit dar­un­ter be­find­li­chen Auf­kan­tun­gen für die in­di­rek­te Be­leuch­tung kom­plett aus „Ri­gi­dur H“-Gips­faser­form­tei­len er­stellt wur­de.

FO­TO: IBB

Be­tritt man das Haupt­ge­bäu­de durch den Ein­gang am Platz der Ver­ein­ten Na­tio­nen, ge­langt man zu­nächst in das größ­ten­teils glas­über­dach­te Foy­er.

FO­TOS: IBB; BE­NE­DIKT FRINGS-NESS (2)

Ei­ni­ge Em­po­ren­be­rei­che be­sit­zen ei­nen ge­bo­ge­nen Grund­riss (l.). Vom Un­ter­ge­schoss des Foy­ers ver­bin­det ein Tun­nel das neue Haupt­ge­bäu­de mit dem Plenar­saal am Rhein (Mit­te). Ei­ne op­ti­ma­le Raum­akus­tik war für den über zwei Ge­schos­se ge­hen­den Haupt­saal ge­for­dert (r.).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.