Ge­nuss-Ur­laub in Spa­ni­en

So au­then­tisch ist die Cos­ta Blan­ca – ge­ra­de ab­seits der Haupt­sai­son

Bella - - INHALT - Text: Ina Volk­mer

Der Süd­os­ten Spa­ni­ens ist pa­ra­die­sisch. Wei­te wei­ße Sand­strän­de, die zu stun­den­lan­gen Spa­zier­gän­gen ein­la­den, das tür­kis­blaue Mit­tel­meer, Ta­pas und Rot­wein an je­der Ecke – ein klei­nes Fleck­chen Him­mel auf Er­den, ge­nau rich­tig für ei­nen Som­mer­ur­laub un­ter Pal­men. Aber hat die Cos­ta Blan­ca auch jetzt, nach der Haupt­sai­son von Ju­ni bis Au­gust, noch et­was zu bie­ten?

Jetzt lässt sich wie­der das „ech­te“Spa­ni­en er­le­ben

Herbst und Früh­ling ist die bes­te Zeit, um Land und Leu­te wirk­lich ken­nen­zu­ler­nen, ist An­to­nio Frut­os Fernán­dez der fes­ten Über­zeu­gung. Als Tou­ris­ten­füh­rer ist er na­tür­lich In­si­der und kennt die Re­gi­on rund um Ali­can­te, das Zen­trum der Cos­ta Blan­ca, wie sei­ne Wes­ten­ta­sche. Übers Wo­che­n­en­de möch­te er mir sei­ne Lieb­lings­or­te zei­gen, die in der Strand-Sai­son viel zu kurz kom­men.

Mit ei­nem strah­len­den Lä­cheln emp­fängt er mich am Frei­tag­nach­mit­tag am Flug­ha­fen von Ali­can­te. Mit dem Au­to geht es bei som­mer­li­chen 22 Grad Rich­tung Stadt. „Die bes­te Art, sich ei­nen Über­blick über Ali­can­te und die Cos­ta Blan­ca zu ver­schaf­fen, ist von oben“, sagt An­to­nio, setzt den Blin­ker und steu­ert den 169 Me­ter ho­hen Berg Be­na­can­til an, auf des­sen Spit­ze das Cas­til­lo de San­ta Bár­ba­ra thront, ei­ne Burg aus dem 9. Jahr­hun­dert. Ich bin so­fort hin und weg. Die Cos­ta Blan­ca liegt uns zu Fü­ßen. Die Stadt, der Strand, der al­te Ha­fen, das Meer – ein spek­ta­ku­lä­rer An­blick. Als wir we­nig spä­ter auf den be­rühm­ten Mo­sa­ik­flie­sen der Cal­le

de l’Ex­pla­na­da de España ent­lang­spa­zie­ren, bin ich ab­so­lut zu­frie­den. Der Strand zu un­se­rer Lin­ken, Re­stau­rants zu un­se­rer Rech­ten. In der Luft das Rau­schen des Mee­res und das La­chen der Ein­hei­mi­schen. „Die bes­ten Ta­pas der Stadt gibt es an der Pla­za de Ga­b­ri­el Miró“, ver­rät An­to­nio. Als wir den Abend im Re­stau­rant „Ta­pe­not“bei ei­nem Glas Rot­wein und spa­ni­schen Köst­lich­kei­ten aus­klin­gen las­sen, bin ich herr­lich ent­spannt. In leich­ter Ja­cke, um­ge­ben von fröh­li­chen Spa­ni­ern – so lässt es sich le­ben!

Es ist En­de Ok­to­ber – und die Luft noch schön warm

Am nächs­ten Tag geht es für mich und An­to­nio nach Ori­hue­la, ei­ne Kle­in­stadt im In­land. Sie liegt et­wa 60 Ki­lo­me­ter von Ali­can­te ent­fernt. Bei ei­nem Spa­zier­gang durch die his­to­ri­sche Alt­stadt zeigt mir An­to­nio die kunst­voll ver­zier­ten Bau­ten – wie die ein­drucks­vol­le Kir­che Igle­sia de las San­tas Jus­ta y Ru­fi­na und das al­te Do­mi­ni­ka­ner­klos­ter Co­le­gio San­to Do­m­in­go. Kul­tur vom Feins­ten. Und das al­les oh­ne Drän­geln und Schub­sen, weil kaum noch Tou­ris­ten un­ter­wegs sind. Aber nicht nur das: „Im Hoch­som­mer ist es viel zu heiß für so ein Pro­gramm“, er­klärt An­to­nio. „Man huscht den gan­zen Tag von Schat­ten zu Schat­ten. Aber jetzt im Herbst lässt es sich doch ganz pri­ma aus­hal­ten, oder?“

Noch et­was klappt jetzt ganz her­vor­ra­gend: die Ein­woh­ner der Stadt da­bei be­ob­ach­ten, wie sie in der Son­ne fla­nie­ren, Kaf­fee oder Wein trin­ken, ­es­sen und über das Le­ben phi­lo­so­phie­ren. An­to­nio zeigt auf zwei la­chen­de ­äl­te­re Her­ren, die Zi­gar­re rau­chend in der Son­ne sit­zen. Le­bens­freu­de pur.

Am Abend ent­führt mich mein Be­glei­ter nach Tor­re­vie­ja, ei­ne der schöns­ten Städ­te der Cos­ta Blan­ca. Un­ser Ziel ist der al­te Ha­fen. „Tor­re­vie­ja ist ein sehr

ro­man­ti­sches Städt­chen“, sagt An­to­nio. „Frü­her war es ein ver­schla­fe­nes Fi­scher­dorf. Seit 1768 wird hier je­doch im gro­ßen Stil Salz ab­ge­baut und in al­le Welt ver­schifft, un­ter an­de­rem auch nach Ku­ba. Die See­män­ner wa­ren da­mals mo­na­te­lang auf See und ha­ben ih­re Hei­mat sehr ver­misst. Wäh­rend ih­rer Auf­ent­hal­te in Ku­ba ha­ben sie die be­rühm­ten Ha­ba­ne­ras aus Ha­van­na ken­nen­ge­lernt. Das sind wun­der­schö­ne Volks­lie­der, die vom Meer, der Sehn­sucht und der Lie­be han­deln.“Per­fekt für See­leu­te, die ihr Zu­hau­se ver­mis­sen. An­to­nio zeigt auf das al­te Ge­mäu­er hin­ter uns, ei­ne Art OpenAir-Thea­ter. „Hier in den Eras de la Sal tref­fen sich je­des Jahr im Ju­li Sän­ger aus al­ler Welt. Sie sin­gen die be­rühm­ten Ha­ba­ne­ras von da­mals und ge­den­ken der See­leu­te.“Ja, das klingt wirk­lich sehr ro­man­tisch.

Abends sit­zen wir im na­he ge­le­ge­nen Re­stau­rant „El Pu­er­to“, und auch hier ist die Ma­gie der al­ten Zei­ten na­he­zu greif­bar. Die Ru­he, die über dem Ha­fen liegt. Die Boo­te, die im Wind lei­se vor sich hin schau­keln. Das war­me, gol­de­ne Licht, das die Eras de la Sal er­strah­len lässt. Ja, stel­le ich lä­chelnd fest: Die Cos­ta Blan­ca ist wirk­lich mehr als Meer, vor al­lem im Herbst!

66 bel­la Vom schö­nen Strand der klei­nen Stadt Calp hat man ei­nen herr­li­chen Blick auf den Fels Pe­ny­al d’Ifac

Pal­men, Meer und ganz viel Son­ne: Das Städt­chen Calp liegt nörd­lich von Ali­can­te

Vorn schau­keln die Jach­ten, da­hin­ter thront die Burg San­ta Bár­ba­ra – ei­ne der Top-Se­hens­wür­dig­kei­ten Ali­can­tes bel­la 67

Schi­cke Fas­sa­den: Die Re­stau­rants am Ha­fen von Vil­la­jo­yo­sa leuch­ten bunt

Auch im Herbst lo­cken rei­fe Oran­gen

Ein Traum in Pa­s­tell: der Spring­brun­nen vor der Kir­che in Tor­re­vie­ja Me­di­ter­ra­ner Flair in den klei­nen Gas­sen Ali­can­tes

68 bel­la Was für ein Aus­blick! Von der Burg San­ta Bár­ba­ra las­sen sich Ali­can­te, die Cos­ta Blan­ca und das Mit­tel­meer be­wun­dern

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