Das kann ein Im­mun-Neu­start

Spe­zia­list Prof. Hie­pe aus Berlin wen­det be­reits er­folg­reich ei­ne neu­ar­ti­ge The­ra­pie an. Sie hilft so­gar Rheu­ma- und MS-Pa­ti­en­ten

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Gro­ße Pro­ble­me las­sen sich manch­mal nur durch un­ge­wöhn­li­che Maß­nah­men ­lö­sen. Um ein feh­ler­haf­tes Im­mun­sys­tem bei so­ge­nann­ten Au­to­im­mun-Er­kran­kun­gen (sie­he rechts) wie­der auf den rich­ti­gen Kurs zu brin­gen, ha­ben For­scher ein Ver­fah­ren ent­wi­ckelt, mit dem die kör­per­ei­ge­ne Ab­wehr wie ein Com­pu­ter her­un­ter­ge­fah­ren und neu ge­star­tet wird. Prof. Dr. Falk Hie­pe vom Deut­schen Rheu­maFor­schungs­zen­trum er­klärt, wem die The­ra­pie hel­fen kann. bel­la:

Herr Prof. Hie­pe, Sie be­han­deln Pa­ti­en­ten durch ei­nen Im­mun-Neu­start. Wie funk­tio­niert das?

Prof. Falk Hie­pe: Bei ­Au­to­im­mun-Er­kran­kun­gen wie Rheu­ma oder mul­ti­pler Sk­le­ro­se (MS) ha­ben sich so­ge­nann­te Ge­dächt­nis-Plas­ma­zel­len un­se­res Im­mun­sys­tems fälsch­li­cher­wei­se ge­merkt, dass sie ge­sun­des Ge­we­be an­grei­fen sol­len an­statt „bö­se“Vi­ren oder Bak­te­ri­en. Das führt zu chro­ni­schen Ent­zün­dun­gen et­wa der Ge­len­ke oder Ner­ven. Der Im­mun-Neu­start pro­gram­miert das Im­mun­sys­tem um. Da­zu wer­den dem Pa­ti­en­ten zu­nächst blut­bil­den­de Stamm­zel­len per Blut­ab­nah­me ent­nom­men und ein­ge­fro­ren. Dar­auf­hin wird das Ab­wehr-Ge­dächt­nis mit ei­ner Art Che­mo­the­ra­pie kom­plett ge­löscht. An­schlie­ßend be­kommt der Pa­ti­ent die kon­ser­vier­ten Stamm­zel­len wie­der, die dann ein neu­es, ge­sun­des Im­mun­sys­tem im Kör­per auf­bau­en.

Heißt das, die Pa­ti­en­ten sind ge­heilt?

Et­wa 50 Pro­zent der be­han­del­ten Pa­ti­en­ten brau­chen da­nach kei­ne wei­te­re The­ra­pie und gel­ten als ge­heilt. Vor ­al­lem bei ent­zünd­li­chen Krank­hei­ten wie Rheu­ma, MS oder Lu­pus Ery­the­ma­to­des zeigt die Be­hand­lung gro­ße Er­fol­ge. Aber auch zur Hei­lung von All­er­gi­en, für die eben­falls ein fehl­ge­lei­te­tes Im­mun­sys­tem ver­ant­wort­lich ist, könn­te der Im­mun-Neu­start schon bald als Stan­dard­the­ra­pie ein­ge­setzt wer­den.

Ist es nicht ge­fähr­lich, wenn das Im­mun­sys­tem ab­ge­schal­tet wird?

Wäh­rend der Be­hand­lung ist das In­fek­ti­ons­ri­si­ko für den Pa­ti­en­ten er­höht, da er ei­ni­ge Ta­ge kei­ne Ab­wehr hat. Bis­lang wird der Im­mun-Re­set da­her nur dann ein­ge­setzt, wenn kei­ne an­de­re The­ra­pie ge­hol­fen hat. Nach et­wa vier ­Wo­chen hat sich das Im­mun­sys­tem dann wie­der ­auf­ge­baut. Da­mit die Be­hand­lung bald auch bei All­er­gi­en ein­ge­setzt wer­den kann, for­schen wir der­zeit an ei­ner ­ab­ge­schwäch­ten Form, bei der nur die feh­ler­haf­ten Zel­len aus dem Im­mun­sys­tem ent­fernt wer­den.

Prof. Hie­pe be­han­delt mit der neu­en The­ra­pie be­reits Pa­ti­en­ten mit schwe­rem Rheu­ma

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