Abend­him­mel vol­ler glü­hen­der Ster­ne

Bergische Morgenpost Hueckeswagen - - BERGISCHE KULTUR - VON CHRIS­TI­AN PEISELER

Fa­b­ri­zio Ven­tura di­ri­gier­te das ers­te Be­wer­bungs­kon­zert für die Po­si­ti­on als Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor der Ber­gi­schen Sym­pho­ni­ker. Er zeig­te sich als ein Di­ri­gent, der die Leich­tig­keit liebt. Groß­ar­tig spiel­te der Pia­nist Mich­ail Li­fits.

REM­SCHEID Groß war das In­ter­es­se am Di­ri­gat von Fa­b­ri­zio Ven­tura. Fast al­le Plät­ze wa­ren im Teo Ot­to Thea­ter be­setzt, was bei Phil­har­mo­ni­schen Kon­zer­ten nur sel­ten der Fall ist. Auch Ober­bür­ger­meis­ter Burk­hard Mast-Weisz woll­te sich ei­nen Ein­druck ver­schaf­fen von ei­nem mög­li­chen Nach­fol­ger für Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Peter Kuhn. Sme­ta­nas „Mol­dau“, Liszts zwei­tes Kla­vier­kon­zert und Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dys „Schot­ti­sche Sym­pho­nie“hat­te Kuhn für das ers­te von drei Be­wer­bungs­kon­zer­ten aus­ge­sucht. Für ro­man­tisch ge­stimm­te Mu­sik­freun­de si­cher ein Ver­gnü­gen.

Ven­tura hat die­se Kom­po­si­tio­nen so ver­in­ner­licht, dass er kei­ne No­ten brauch­te beim Di­ri­gie­ren. Der Rö­mer Ven­tura (58) führ­te mit Leich­tig­keit und Ge­müt. Sei­ne Ges­tik ent­fal­te­te sich klar und be­stimmt. Es such­te in je­dem Takt, so schien es, größt­mög­li­che Nä­he zu den Mu­si­kern. Pa­thos­ges­ten set­ze er nur sel­ten ein. Mal brei­te­te er die Ar­me weit aus und schick­te ei­ne char­man­tes ita­lie­ni­sches Lä­cheln zu den Strei­chern, um dem Wohl­klang der ers­ten Gei­ger­grup­pe noch ein paar Ka­lo­ri­en zu­zu­füh­ren. Den Blä­sern gab er wei­che Fin­ger­zei­ge und die Cel­li lei­te­te er mit der lin­ken Hand.

Wie in­spi­riert und freu­dig die Mu­si­ker den klang­li­chen Vor­stel­lun­gen des GMD von Müns­ter folg­ten, zeig­te sich in der Men­dels­sohnSym­pho­nie. In die­sem Werk oh­ne Satz­pau­se bleibt al­les in ei­nem sei­den­wei­chen Fluss. Die rhyth­misch an­spruchs­vol­len Ton­spu­ren leuch­te­ten kris­tall­klar. Die Stim­mungs­um­schwün­ge füg­ten sich or­ga­nisch in­ein­an­der. Ein de­li­ka­tes Kon­zert, das freund­li­chen Ap­plaus er­fuhr, die Zu­schau­er aber nicht aus den Sit­zen riss. Lei­der auch nicht bei Liszts Kla­vier­kon­zert. Liszt hat un­ter sei­ner Re­pu­ta­ti­on als gro­ßer Vir­tuo- se und Frau­en­held schon zu Leb­zei­ten ge­lit­ten. Cho­pin be­zeich­ne­te ihn als „pia­nis­ti­sche Null“und Men­dels­sohn nann­te ihn so­gar den „di­let­tan­tischs­ten un­ter den Di­let­tan­ten“. In sei­nem zwei­ten Kla­vier­kon­zert könn­te man von man­cher ober­fläch­li­chen Fär­bung spre­chen, wenn zum Bei­spiel Orches­ter und Kla­vier wie ei­ne Her­de dres­sier­ter Pfer­de im Gleich­schritt ga­lop­pie­ren. Aber das Meis­ter­li­che an die­ser Kom­po­si­ti­on zeigt sich in der Mehr­deu­tig­keit der Tö­ne und Stim­mun­gen, die sich wie dunk­le Erd­plat­ten ver­schie­de­ner Kon­ti­nen­te an­ein­an­der rei­ben und ei­ne ei­ge­ne Klang­welt in Schwin­gun­gen brin­gen. Vor al­lem wenn ein Pia­nist wie Mich­ail Li­fits am Kla­vier sitzt. Blitz­schnell konn­te er von ei­nem dra­ma­ti­schen Sturm­lauf über die ge­sam­te Tas­ta­tur in ei­nen ly­ri­schen Mo­dus wech­seln. Je­der Ton er­hielt sei­ne Zeit, um aus der Stil­le den nächs­ten Ton auf­tau­chen zu las­sen, bis ein Abend­him­mel vol­ler glü­hen­der Ster­ne fun­kel­te. Li­fits, 1982 in Tasch­kent ge­bo­ren, spiel­te mit Hin­ga­be und Kon­zen­tra­ti­on, Fein­füh­lig­keit und Tem­pe­ra­ment. Ein groß­ar­ti­ger Mu­si­ker, den man ger­ne in Rem­scheid noch mal hö­ren möch­te.

FO­TO: DO­RO SIEWERT (AR­CHIV)

Fa­b­ri­zio Ven­tura hin­ter­ließ ei­nen gu­ten Ein­druck beim Kon­zert mit den Ber­gi­schen Sym­pho­ni­kern.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.