Eu­ro­pa, sei jung im Kopf!

Ge­dan­ken an gro­ße Al­te beim Be­such der Ka­the­dra­le von Reims.

Bergische Morgenpost Hueckeswagen - - Stimme Des Westens -

Be­leg da­für, dass selbst hoch­in­tel­li­gen­te Men­schen von Zeit zu Zeit dum­mes Zeug von sich ge­ben. De Gaul­le und Ade­nau­er wa­ren po­li­ti­sche Vi­sio­nä­re. Ihr deutsch-fran­zö­si­sches Ver­söh­nungs­werk kann man als Jahr­hun­dert­werk be­grei­fen. Wer sich ge­le­gent­lich über ab­sur­des Thea­ter in Brüs­sel oder Straß­burg är­gert, soll­te das Gro­ße der Idee ei­nes ver­ein­ten Eu­ro­pas für wich­ti­ger neh­men, je­nes Gro­ße, zu des­sen Fun­da­ment-Ge­stein das his­to­ri­sche Da­tum im go­ti­schen Pracht­bau zu Reims ge­hört.

Es mag sein, dass der Schrift­stel­ler Hein­rich Mann recht hat­te, als er das „über­na­tio­na­le Ge­mein­schafts­ge­fühl der Eu­ro­pä­er ei­ne rei­ne Er­fin­dung von Dich­tern“nann­te. Aber dass wir gut dar­an tun, die von Wins­ton Chur­chill – welch ein Vi­sio­när auch er – erst­mals 1946 ent­wi­ckel­te Idee der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Eu­ro­pa für im­mer­grün zu hal­ten, darf man be­haup­ten, oh­ne un­ter die me­di­zi­ni­schen Fäl­le sor­tiert zu wer­den. Nach Krie­gen, Lan­d­raub, Völ­ker­mord ei­ne Aus­söh­nung ins Werk zu set­zen, war die Leis­tung eu­ro­päi­scher Gestal­ter. Wir wä­ren fre­che Ver­sa­ger, wenn wir uns nicht auf de­ren Schul­tern stell­ten, son­dern ih­nen ins Kreuz tre­ten wür­den. Vor­wärts, al­ter Kon­ti­nent, sei jung im Kopf!

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