Mehr Ren­te für Er­werbs­ge­min­der­te

Bergische Morgenpost Radevormwald - - POLITIK - VON EVA QUADBECK

Schwer­kran­ke er­hal­ten seit 2014 hö­he­re Ren­ten. Ins­ge­samt bleibt das Ni­veau aber nied­rig.

BERLIN Die Ren­ten für Er­werbs­ge­min­der­te sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von ei­nem nied­ri­gen Ni­veau kon­ti­nu­ier­lich ge­stie­gen. 2016 be­trug die durch­schnitt­li­che Hö­he 697 Eu­ro im Mo­nat. Im Jahr da­vor wa­ren es mit 672 Eu­ro noch vier Pro­zent we­ni­ger. Der Sprung von 2014 zu 2015 von 628 auf 672 Eu­ro ent­sprach so­gar ei­nem An­stieg um sie­ben Pro­zent. Dies geht aus Da­ten der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung her­vor, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­lie­gen. „Ne­ben den Ren­ten­an­pas­sun­gen wirkt sich ins­be­son­de­re die im Rah­men des Ren­ten­pa­kets ver­ab­schie­de­te Re­form der Er­werbs­min­de­rungs­ren­ten aus, die zum 1. Ju­li 2014 in Kraft ge­tre­ten ist“, sag­te ein Spre­cher der Ren­ten­ver­si­che­rung.

Die ak­tu­el­le Durch­schnitts­zah­lung von 697 Eu­ro liegt im­mer noch un­ter der Grund­si­che­rung im Al­ter von der­zeit rund 850 Eu­ro. Trotz des

pro Mo­nat kon­ti­nu­ier­li­chen An­stiegs der ver­gan­ge­nen Jah­re konn­te das Ni­veau aus dem Jahr 2000, als die al­ten Be­rufs- und Er­werbs­un­fä­hig­keits­ren­ten im Durch­schnitt noch bei 706 Eu­ro mo­nat­lich la­gen, bis­lang nicht er­reicht wer­den.

Die gro­ße Ko­ali­ti­on hat in klei­nen Schrit­ten Ver­bes­se­run­gen für die Men­schen ge­schaf­fen, die we­gen Er­kran­kun­gen ih­rem Job nicht mehr nach­ge­hen kön­nen. Seit Ju­li 2014 wur­de die so­ge­nann­te Zu­rech­nungs­zeit von 60 auf 62 Jah­re aus­ge­wei­tet. Das heißt, wenn heu­te ein Ar­beit­neh­mer we­gen schwe­rer Krank­heit aus dem Be­rufs­le­ben aus­schei­den muss, er­hält er ei­ne Ren­te, als ha­be er bis zum 62. Ge­burts­tag zum bis­he­ri­gen Lohn ge­ar­bei­tet. Ein wei­te­rer Re­form­schritt zu­guns­ten der Er­werbs­ge­min­der­ten steht an. Ein Spre­cher der Ren­ten­ver­si­che­rung be­ton­te, die Zu­rech­nungs­zeit bei Ren­ten­zu­gän­gen ab 1. Ja­nu­ar 2018 wer­de schritt­wei- se um wei­te­re drei Jah­re ver­län­gert. „Der durch­schnitt­li­che Ren­ten­zahl­be­trag wird sich da­durch in den kom­men­den Jah­ren wei­ter er­hö­hen“, er­klär­te der Spre­cher.

Im Ver­gleich zu den sehr teu­ren Ren­ten­re­for­men die­ser Wahl­pe­ri­ode, die ei­ne Er­hö­hung der Müt­ter­ren­te und die Ein­füh­rung der Ren­te ab 63 be­inhal­te­ten, fal­len die Zu­wäch­se für die Er­werbs­ge­min­der­ten eher be­schei­den aus. Zu­dem pro­fi­tie­ren von den Neu­re­ge­lun­gen auch nur die Neu­rent­ner. Schwer er­krank­te Ar­beit­neh­mer, die zwi­schen 2001 und 2014 ei­ne Er­werbs­min­de­rungs­ren­te neu be­ka­men, blei­ben schlecht­ge­stellt. Dass das Ni­veau der Er­werbs­min­de­rungs­ren­ten zu Be­ginn des Jahr­tau­sends so stark ge­sun­ken war, hängt mit den da­ma­li­gen Ren­ten- und Ar­beits­markt­re­for­men zu­sam­men. Durch die Ein­füh­rung von Hartz IV wuchs auch die Zahl der Er­werbs­min­de­rungs­rent­ner mit nied­ri­gen An­wart­schaf­ten.

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