Po­li­ti­sche Fra­ge­run­de aus Ju­gend­per­spek­ti­ve

Bergische Morgenpost Radevormwald - - RADEVORMWALD - VON WOLF­GANG WEITZDÖRFER

Mehr als 200 Schü­ler des Theo­dor-Heuss-Gym­na­si­ums in­for­mier­ten sich bei ei­ner Dis­kus­si­on mit den Bun­des­tags­kan­di­da­ten.

RA­DE­VORM­WALD Die Au­la des Theo­dor-Heuss-Gym­na­si­ums ist voll be­setzt. Groß ver­kün­det ein Ban­ner über der Büh­ne, was An­lass für das Er­schei­nen der 200 Schü­ler aus den Jahr­gangs­stu­fen Q1 und Q2 so­wie ver­ein­zelt auch aus un­te­ren Jahr­gangs­stu­fen ist: Po­di­ums­dis­kus­si­on zur Bun­des­tags­wahl 2017. Die Di­rekt­kan­di­da­ten für Ober­berg Dr. Cars­ten Bro­des­ser (CDU), Michaela En­gel­mei­er (SPD), Jörg Klop­pen­burg (FDP), Andrea Mün­neke­hof (Bünd­nis 90/Die Grü­nen, als Ver­tre­tung von Land­wirt Micha­el Braun) und Diyar Agu (Die Lin­ke) stell­ten sich den Fra­gen der Schü­ler. Or­ga­ni­siert hat die Dis­kus­si­on der Leis­tungs­kurs So­zi­al­wis­sen­schaft.

„Sol­che Ter­mi­ne gibt es seit mehr als 20 Jah­ren. 2017 ha­ben wir zwei Wah­len, wir ha­ben uns für die Bun­des­tags­wahl ent­schie­den“, sag­te Po­li­tik­leh­rer Elmar Ha­chen, der die Ver­an­stal­tung seit vie­len Jah­ren be­glei­tet. Ei­ne an­ge­nehm un­ver­krampf­te Al­ter­na­ti­ve zu üb­li­chen For­ma­ten im Wahl­kampf – ein­fach, weil Fra­gen und Art der Fra­ge­stel­lung eben aus der Ju­gend­per­spek­ti­ve ka­men. Ein­ein­halb St­un­den Zeit hat­ten die Kan­di­da­ten ein­ge­plant, um von sich und ih­rem Pro­gramm zu über­zeu­gen.

Nach ei­ner kur­zen Vor­stel­lungs­run­de ging es di­rekt an In­hal­te. Die Mo­de­ra­to­ren Den­nis Ber­ke und Ma­xi­mi­li­an Ben­kert vom Leis­tungs­kurs schaff­ten es sou­ve­rän, die Kan­di­da­ten, so­bald sie in ih­ren Ant­wor­ten all­zu aus­schwei­fend wur­den, wie­der an die kur­ze Lei­ne zu neh­men. Im­mer wie­der kam es vor, dass sie die vor al­lem die beim Kan­di­da­ten-Hea­ring gel­ten­de 30-Se­kun­den-pro-Ant­wort-Re­gel über­schrit- ten. Vor al­lem der jun­ge Lin­kenKan­di­dat Agu hat­te of­fen­sicht­lich Re­de­be­darf.

Die ers­te Fra­ge dreh­te sich di­rekt um ein The­ma, das in ei­nem Gym­na­si­um auf der Hand liegt: G8 oder G9? Die Ant­wort war, sym­pto­ma­tisch für die gu­te Stim­mung un­ter den Kan­di­da­ten, ein­hel­lig: Al­le spra­chen sich für G9 aus. Auch beim The­ma Po­pu­lis­mus war man sich ei­nig. Die Fra­ge lau­te­te: „Was hal­ten Sie da­von, dass die AfD es ver­bie­ten möch­te, dass Ho­mo­se­xu­el­le Kin­der aus Kin­der­hei­men ad­op­tie­ren dür­fen?“Die deut­lichs­ten Wor­te fand So­zi­al­de­mo­kra­tin En­gel­mei­er: „Ich schä­me mich da­für, ich bin ent­setzt, dass die Neo­na­zis – denn nichts An­de­res ist die AfD-Par­tei­füh­rung für mich – heu­te wie­der mit sol­chen Pa­ro­len da­her­kom­men.“Bro­des­ser er­gänz­te: „Mit Pa­ro­len schafft man kei­ne Lö­sun­gen.“Klop­pen­burg mein­te: „Erst ges­tern ha­be ich mich in ei­ner an­de­ren Dis­kus­si­on wie­der für die AfD ge­schämt“, und Agu sag­te: „Die AfD ist ei­ne Schan­de für die De­mo­kra­tie.“Da­für gab es den größ­ten Ap­plaus.

Im wei­te­ren Ver­lauf ging es um ak­tu­el­le The­men wie den Die­selskan­dal, in­ne­re Si­cher­heit oder „Fa­ke News“. Und auch das Per­sön­li­che kam zur Spra­che. Hei­ter­keit er­reg­te da­bei Klop­pen­burgs Ant­wort auf die Fra­ge, was er ma­chen wür­de, wenn sei­ne Toch­ter ihm er­öff­ne­te, sich künf­tig für die Lin­ke zu en­ga­gie­ren: „Ich wür­de mich freu­en, dass sie sich en­ga­giert. Dann wür­de ich mich aber fra­gen, was ich falsch ge­macht ha­be.“

Auch Ein­bli­cke in die po­li­ti­schen Zie­le wur­den mit gro­ßem In­ter­es­se auf­ge­nom­men. Was na­tür­lich für die Ju­gend sprach, die sich als al­les an­de­re als po­li­tik­ver­dros­sen zeig­te.

BM-FO­TO: JÜR­GEN MOLL

Die fünf Kan­di­da­ten stell­ten sich den Fra­gen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler.

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