Kur­ze Fahrt zur Apo­the­ke wird für 30-Jäh­ri­gen teu­er

Bergische Morgenpost Radevormwald - - RADEVORMWALD - VON BRI­GIT­TE NEUSCHÄFER

RADEVORMWALD Den ei­nen Ki­lo­me­ter von zu Hau­se zur nächs­ten Apo­the­ke und zu­rück wä­re er bes­ser zu Fuß ge­gan­gen – doch die­se Ein­sicht kam ei­nem 30-jäh­ri­gen Ra­de­vorm­wal­der zu spät.

Des­halb muss­te er sich nun vor dem Amts­ge­richt in Wip­per­fürth ver­an­wor­ten. Die An­kla­ge leg­te ihm vor­sätz­li­ches Fah­ren oh­ne Füh­rer­schein zur Last. Der Mann war an ei­nem spä­ten Vor­mit­tag im März auf der Keil­be­cker Stra­ße von der Po­li­zei an­ge­hal­ten und kon­trol­liert wor­den. Da­bei stell­ten die Be­am­ten fest, dass er schon län­ger kei­nen Füh­rer­schein mehr hat. Der war ihm zum ers­ten Mal we­gen ei­ner Trun­ken­heits­fahrt ab­ge­nom­men wor­den, da­mals al­ler­dings nur für ei­nen Mo­nat, beim zwei­ten Mal im Herbst 2015 dann auf lan­ge Zeit we­gen sei­ner Nei­gung zur Rausch­gift­sucht. „Bei die­sen Vor­be­las­tun­gen wuss­ten Sie doch ganz ge­nau, dass Sie auf kei­nen Fall ein Au­to fah­ren dür­fen“, hielt der Rich­ter dem Ra­de­vorm­wal­der nun im Straf­ver­fah­ren vor.

Der räum­te die ihm zur Last ge­leg­te Tat ein: „Ich se­he ein, dass ich’s ver­bockt ha­be und be­straft wer­den muss“, sag­te er. Er ha­be aber so­zu­sa­gen aus der Not her­aus ge­han­delt, weil sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin krank ge­we­sen sei und an dem Tag im März star­ke Schmer­zen ge­habt ha­be. „Da ha­be ich schnell noch das Me­di­ka­ment ho­len wol­len, be­vor die Apo­the­ke Mit­tags­pau­se macht und mei­ne Freun­din stun­den­lang die Schmer­zen aus­hal­ten muss.“

Zu Fuß wä­re das al­ler­dings zeit­lich auch noch gut ge­gan­gen, denn es sind nur rund zehn Mi­nu­ten hin und zu­rück zu lau­fen zwi­schen der Woh­nung und der Apo­the­ke. So oder so hät­te der 30-Jäh­ri­ge nicht das Au­to neh­men dür­fen, hielt der Amts­rich­ter ihm vor: „Oh­ne Füh­rer­schein dür­fen Sie nicht ein­mal ein paar Me­ter fah­ren, oh­ne dass das recht­li­che Kon­se­quen­zen für Sie hat.“

Das Ur­teil lau­te­te: 500 Eu­ro Geld­stra­fe (50 Ta­ges­sät­ze zu zehn Eu­ro). Für den Ra­de­vorm­wal­der, der von Hartz IV lebt, ist das viel Geld. Den­noch sei die Stra­fe dies­mal noch „mo­de­rat“, gab ihm der Rich­ter bei der Ur­teils­be­grün­dung mit auf den Weg, denn: „Wenn so­was noch ein­mal vor­kommt, ist nur ei­ne Geld­stra­fe nicht mehr sehr wahr­schein­lich bei Ih­rer Vor­ge­schich­te.“Der 30-jäh­ri­ge Ra­de­vorm­wal­der nahm das Ur­teil an, es ist da­mit rechts­kräf­tig.

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