IHK-Um­fra­ge: Kon­junk­tur­hoch im Herbst

Bergische Morgenpost Radevormwald - - RADEVORMWALD - VON MERLIN BARTEL

Trotz welt­po­li­ti­scher Span­nun­gen bleibt die Stim­mung bei den lo­ka­len Un­ter­neh­men gut – das zeigt ei­ne Um­fra­ge der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer zu Köln. Die lo­ka­le Wirt­schaft lei­det je­doch un­ter ei­nem Fach­kräf­te­man­gel.

OBER­BERG Der Herbst ist mit sei­ner bun­ten Laub­pracht ein Hin­gu­cker. Wäh­rend die Blät­ter fal­len, stei­gen die Zah­len im Bi­lanz­buch: Auch wirt­schaft­lich ist die Jah­res­zeit ein Er­folg.

In die­sem Jahr hat die Kon­junk­tur bei den Un­ter­neh­men der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) der Re­gi­on Köln zum Herbst­be­ginn noch ein­mal an­ge­zo­gen. Im Ober­ber­gi­schen Kreis be­ur­teil­te fast je­des zwei­te Un­ter­neh­men (49,6 Pro­zent) die La­ge im Herbst als „gut“. Im glei­chen Zei­t­raum des Vor­jah­res hat­te die­ser Wert mit 40,2 Pro­zent deut­lich dar­un­ter ge­le­gen.

Im Früh­jahr er­reich­te der Op­ti­mis­mus im Ober­ber­gi­schen Kreis mit 51,7 Pro­zent sei­nen Hö­he­punkt und sank über den Sommer wie­der leicht. Trotz die­ses Rück­gangs bei

Micha­el Sall­mann den Er­war­tun­gen an die zu­künf­ti­ge Ge­schäfts­ent­wick­lung stie­gen die In­ves­ti­ti­ons­ab­sich­ten zum Herbst an. Hin­ter die­sem ver­meint­li­chen Wi­der­spruch scheint ei­ne ab­war­ten­de Hal­tung der Fir­men zu ste­cken.

Die fi­nan­zi­el­len Mit­tel so­wie die Be­reit­schaft sind in der lo­ka­len Wirt­schaft al­so vor­han­den. Ob die Plä­ne um­ge­setzt wer­den kön­nen, hängt je­doch von der wei­te­ren Kon­junk­tur-Ent­wick­lung ab. Die­se wird stark be­ein­flusst von in­nen- und au­ßen­po­li­ti­schen Fak­to­ren – auf- grund der ak­tu­ell an­ge­spann­ten welt­po­li­ti­schen La­ge fällt ei­ne Pro­gno­se schwer.

Gu­te Stim­mung herrscht auch in den Un­ter­neh­men der an­de­ren Städ­te und Krei­se der IHK Köln: In Köln und Le­ver­ku­sen so­wie im Rhei­nisch-Ber­gi­schen, Ober­ber­gi­schen und Rhein-Erft-Kreis be­wer- te­ten die Kon­zer­ne die La­ge als „gut“. Auch der Blick auf die kom­men­den Mo­na­te fällt bei den Fir­men po­si­tiv aus: Die gu­te Be­schäf­ti­gungs­si­tua­ti­on und der ho­he Kon­sum sor­gen für Wachs­tum.

„Die Er­war­tun­gen der Un­ter­neh­men sind mit Blick auf die kom­men­den zwölf Mo­na­te et­was zu­rückhal- ten­der als noch im Früh­jahr“, sagt Micha­el Sall­mann, Lei­ter der Ge­schäfts­stel­le Ober­berg der IHK Köln. „Die Be­trie­be bli­cken aber sehr zu­ver­sicht­lich in die Zu­kunft.“So wer­de sich der Wachs­tums­trend vor­aus­sicht­lich ver­fes­ti­gen.

Die IHK Köln er­rech­net zur bes­se­ren Ver­gleich­bar­keit für den ge­sam- ten Be­zirk ei­nen so­ge­nann­ten Kon­junk­tur­kli­ma­in­di­ka­tor. Die­ser ist mit 125,7 Punk­ten hö­her als im Früh­jahr (124,7). Ak­tu­ell rech­nen 19 Pro­zent der Un­ter­neh­men da­mit, dass sich ihr Ge­schäft in den kom­men­den zwölf Mo­na­ten ver­bes­sern wird. 71 Pro­zent er­war­ten ein gleich­blei­ben­des Ni­veau, le­dig­lich zehn Pro­zent be­fürch­ten ei­ne Ver­schlech­te­rung.

Ob­wohl die lo­ka­le Wirt­schaft ei­nen gol­de­nen Herbst er­lebt, gibt es auch Kri­tik: Fach­kräf­te­man­gel, sin­ken­de Nach­fra­ge im In­land und die ak­tu­el­le Wirt­schafts­po­li­tik stel­len für die Be­trie­be öko­no­mi­sche Ri­si­ken dar. Die lo­ka­le Wirt­schaft freut sich zwar über sta­bi­le Nach­fra­ge nach Pro­duk­ten und Di­enst­leis­tun­gen, doch es gibt die Be­fürch­tung, die Nach­fra­ge nicht mehr be­die­nen zu kön­nen. Die Fir­men be­grün­den das mehr­heit­lich mit feh­len­den Ka­pa­zi­tä­ten und der Schwie­rig­keit, qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zu fin­den. „In man­chen Be­rei­chen ist der Ar­beits­markt be­reits sehr eng“, sagt Micha­el Sall­mann. Un­ter an­de­rem in der Ho­tel­le­rie, im Ein­zel­han­del, im Bau­ge­wer­be und in In­dus­trie­be­trie­ben herr­sche Fach­kräf­te­man­gel.

Auch der in­ner­deut­sche Markt schwäch­te zu­letzt zu­neh­mend ab. „Hier bleibt vor al­lem die Re­gie­rungs­bil­dung ab­zu­war­ten“, sagt Sall­mann, „und wel­che Zie­le sich ei­ne neue Ko­ali­ti­on set­zen wird.“

Die ge­nann­ten Ge­fah­ren für ei­ne sta­bi­le Kon­junk­tur­ent­wick­lung klin­gen wie po­li­ti­sche For­de­run­gen: En­de des Nied­rig­zins, Bü­ro­kra­tie­ab­bau, Aus­bau in­ter­na­tio­na­ler Be­zie­hun­gen. Die ak­tu­el­le Kon­junk­tur­um­fra­ge zum Herbst wur­de vom 7. Au­gust bis 7. Sep­tem­ber bei rund 3000 Un­ter­neh­men aus dem IHKBe­zirk Köln durch­ge­führt.

„Die Er­war­tun­gen der

Un­ter­neh­men sind et­was zu­rück­hal­ten­der als noch im Früh­jahr“

Ge­schäfts­füh­rer IHK Ober­berg

BM-FO­TO: DPA

Gu­te Kon­junk­tur­aus­sich­ten – aber im Bau­ge­wer­be feh­len qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter.

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