End­lich! Rat­haus bald oh­ne Ge­rüst

Bergische Morgenpost Radevormwald - - WERMELSKIRCHENER ANZEIGER - VON SOLVEIG PUDELSKI

Die Fas­sa­de ist fast kom­plett sa­niert. Ges­tern be­gann die Fir­ma Rom­bach mit dem Ab­bau des Bau­ge­rüsts am Haupt­trakt, an dem Teil der Bür­ger­sä­le wird noch ge­ar­bei­tet. Stadt rech­net mit vier Mil­lio­nen Eu­ro Ge­samt­kos­ten.

WERMELSKIRCHEN Ein his­to­ri­scher Mo­ment für die Stadt: Ges­tern be­gann die Fir­ma Rom­bach mit dem Ab­bau des Bau­ge­rüsts an der Rat­haus­fas­sa­de. „Das ist ein lang er­war­te­ter Ter­min und ein po­si­ti­ves Zei­chen für die Be­völ­ke­rung, wenn das Rat­haus nach zwölf Jah­ren in vol­ler Schön­heit er­strahlt“, sag­te Bür­ger­meis­ter Rai­ner Bleek ges­tern Mor­gen vor dem Ge­bäu­de, wäh­rend das Klap­pern von Me­tall­tei­len beim Ab­bau des Ge­rüsts durch die Fir­men­mit­ar­bei­ter im In­nen­hof wi­der­hall­te und das En­de der Fas­sa­den­sa­nie­rung an­kün­dig­te.

Statt Mar­mor­plat­ten, die einst die Fas­sa­de be­deck­ten, wer­den graue, pul­ver­be­schich­te­te Alu­mi­ni­um­Blech­plat­ten die neue Au­ßen­hül­le bil­den. Die ge­fühlt un­end­li­che Ge­schich­te der Fas­sa­den­sa­nie­rung kommt dann zum Ab­schluss. Ein Fest mit Bür­gern, um das Bau­en­de zu wür­di­gen, soll es aber nicht ge­ben, sag­te Bleek auf Nach­fra­ge die­ser Re­dak­ti­on mit ei­nem Schmun­zeln.

In ein, zwei Wo­chen wer­den 90 Pro­zent des Bü­ro­ge­bäu­des ge­rüst­frei sein, schätz­te der Vor­ar­bei­ter bei Rom­bach, Sa­scha Ha­gen­bü­cher. Denn ganz oh­ne Bau­ge­rüst wer­de der Ge­samt­kom­plex wohl erst in ei­ni­gen Mo­na­ten sein, er­gänz­te Tho­mas Mar­ner, Tech­ni­scher Bei­ge­ord­ne­ter. An der Fas­sa­de der Bür­ger­sä­le wer­de noch ge­ar­bei­tet. Au­ßer­dem wer­den noch die Flach­dä­cher des Ge­bäu­des sa­niert, da­zu ge­hört auch der Be­reich über dem Haupt­ein­gang, wo üp­pi­ges Grün auf dem Dach­vor­sprung sprießt. Hier müs­se ein Ge­rüst zur Ab­sturz­si­che­rung er­rich­tet wer­den.

Der Mo­ment des Ge­rüst­ab­baus wirk­te über­ra­schend, denn die Stadt­ver­wal­tung re­agier­te noch we­ni­ge Wo­chen zu­vor eher zu­rück­hal­tend, wenn sie nach ei­nem Ter­min des Sa­nie­rungs­en­des be­fragt wur­de. „Un­se­re Kol­le­gin Kat­ha­ri­na Harms hat rich­tig Gas ge­ge­ben bei der Ko­or­di­nie­rung der ver­schie­de­nen Fir­men“, sag­te Mar­ner. Harms ist als Bau­in­ge­nieu­rin im städ­ti­schen Ge­bäu­de­ma­nage­ment auch für die Abrech­nung der Kos­ten zu­stän­dig. Un­term Strich rech­ne die Stadt mit Ge- samt­kos­ten von vier Mil­lio­nen Eu­ro, da­rin ent­hal­ten sei­en nicht nur Aus­ga­ben für Alu­mi­ni­um-Fas­sa­den­plat­ten und de­ren Ein­bau, son­dern auch Aus­ga­ben für Si­che­rungs­maß­nah­men, die Be­ton­sa­nie­rung, für die Re­pa­ra­tur der Ge­bäu­de­sub­stanz und für die en­er­ge­ti­sche Sa­nie­rung. Für die Mie­te des Bau­ge­rüs­tes fal­len ins­ge­samt rund 380.000 Eu­ro an. Der Kauf ei­nes ei­ge­nen Ge­rüsts wur­de zwar er­wo­gen, es hät­te sich aus fi­nan­zi­el­ler Sicht nicht ge­lohnt, da die Stadt auch des­sen Über­wa­chung hät­te be­zah­len müs­sen, er­klär­te Mar­ner.

Für die Teil-Bau­ab­nah­me der Fas­sa­de wur­de ein ex­ter­ner Fach­mann be­auf­tragt. „Es gab er­staun­lich we-

Rai­ner Bleek nig Män­gel wie Beu­len oder un­dich­te Kan­ten. Da­mit ha­be ich nicht ge­rech­net“, räum­te Mar­ner ein. Er ge­he da­von aus, dass die­se Fas­sa­den­ver­klei­dung „40 Jah­re plus“hal­ten wer­de.

War­um al­les so lan­ge ge­dau­ert ha­be? Bür­ger­meis­ter Rai­ner Bleek be­ton­te, dass das Ge­rüst über Jah­re zu­nächst „nur“der Si­che­rung di­en­te, al­so dem Schutz vor brö­ckeln­den, her­ab­fal­len­den Fas­sa­den­stü­cken. Es be­gan­nen ei­ne po­li­ti­sche Dis­kus­si­on und ein lan­ger Ent­schei­dungs­pro­zess, wel­che Fas­sa­den­ver­klei­dung nun ge­wählt wer­de. Klar war, dass die Pha­se der Ge­währ­leis­tung längst ab­ge­lau­fen war, die Bau­fir­ma für die Bau­män­gel nicht mehr haft­bar ge­macht wer­den konn­te. 2014 wur­de das Ge­rüst um­ge­baut zu ei­nem Ar­beits­ge­rüst, An­fang 2015 be­gan­nen die Ar­bei­ten. Spä­ter wur­den Be­ton­schä­den ent­deckt, die sa- niert wer­den muss­ten. Weil das Rat­haus wie vie­le Ge­bäu­de nicht per­fekt nach Maß ge­baut ist, wur­den die Alu-Ble­che für ei­ni­ge Ecken maß­ge­schnei­dert pro­du­ziert. Nach bau­li­chen Ver­zö­ge­run­gen wur­den Ge­sprä­che mit der bau­aus­füh­ren­den Fir­ma ge­führt, dann lie­fen die Ar­bei­ten und die Ma­te­ri­al­be­lie­fe­rung zü­gi­ger, er­in­ner­te Bleek.

Die freie Sicht aus dem Fens­ter oh­ne Bret­ter und Stan­gen dürf­te auch für die Rat­haus­mit­ar­bei­ter ei­ne Er­leich­te­rung sein. „Schlimm war die Pha­se, als die Fens­ter zu­ge­klebt wer­den muss­ten und nicht ge­öff­net wer­den konn­ten“, ge­stand Tho­mas Mar­ner. Staub und Be­ton­sprit­zer auf dem Glas wa­ren zwar un­ver­meid­bar,

„Das ist ein lang er­war­te­ter Ter­min und ein po­si­ti­ves Zei­chen für

die Be­völ­ke­rung“

Bür­ger­meis­ter „Schlimm war die

Pha­se, als die Fens­ter zu­ge­klebt wer­den muss­ten“

aber zu Jah­res­be­ginn ha­be er sich dann doch da­zu durch­ge­run­gen, die Fens­ter rei­ni­gen zu las­sen. „Ich war er­schro­cken, wie hell es plötz­lich im Bü­ro war“, er­zähl­te er mit ei­nem Schmun­zeln. Auch wenn die Fas­sa­de im neu­en Glanz er­strahlt, ist das Rat­haus au­ßen noch nicht per­fekt: An den son­nen­ex­po­nier­ten Stel­len wird ein Son­nen­schutz in Form von Au­ßen­ja­lou­si­en mon­tiert, um ei­ne er­träg­li­che Raum­tem­pe­ra­tur in den Bü­ros zu ge­währ­leis­ten. Nicht ent­schie­den sei, ob für die Mon­ta­ge ein Hub­stei­ger oder ein mo­bi­les Bau­ge­rüst zum Ein­satz kommt. Das Ar­beits­ge­rüst, das jetzt ent­fernt wird, wä­re nicht ge­eig­net, weil ei­ni­ge Be­rei­che nicht zu­gäng­lich wä­ren.

Tho­mas Mar­ner

Bei­ge­ord­ne­ter

BM-FO­TO: JÜR­GEN MOLL

Grund zum Strah­len: Kat­ha­ri­na Harms, Bau­in­ge­nieu­rin im Ge­bäu­de­ma­nage­ment, und Tho­mas Mar­ner, Tech­ni­scher Bei­ge­ord­ne­ter sind er­leich­tert, dass die Fas­sa­den­sa­nie­rung bald an­ge­schlos­sen ist.

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