Er­folgs­mo­dell sorgt für gu­te Was­ser­wer­te

Bergische Morgenpost Radevormwald - - WERMELSKIRCHEN - V ON THE­RE­SA DEMSKI

Ge­mein­sam fei­er­ten Ver­tre­ter aus Land­wirt­schaft und Was­ser­wirt­schaft ges­tern das 25-jäh­ri­ge Be­ste­hen ih­rer Ko­ope­ra­ti­on. Weit über 100 Gäs­te wa­ren auf dem Hof von Tors­ten Müh­ling­haus in Mit­tel­rau­ten­bauch zu Gast.

WERMELSKIRCHEN Es herrscht Fest­stim­mung. Land­wir­te und Ver­tre­ter der Was­ser­wirt­schaft fei­ern ge­mein­sam. Und zwi­schen­durch wirkt es fast ein biss­chen so, als könn­ten sie ih­ren ge­mein­sa­men Er­folg sel­ber nicht fas­sen. Pro­fes­sor Lothar Scheu­er vom Vor­stand des Ag­ger­ver­ban­des lobt Ver­trau­en und Ver­stän­di­gung zwi­schen Land­wir­ten und Was­ser­ver­sor­gern im Ber­gi­schen Land. Land­wirt Ernst-Joa­chim Brandt spricht wie vie­le an­de­re an die­sem Tag auch von ei­nem „Er­folgs­mo­dell“und meint da­mit die Ko­ope­ra­ti­on, die Was­ser­wirt­schaft und Land­wirt­schaft vor 25 Jah­ren ein­gin­gen. Al­le sind sich ei­nig: Seit Ver­tre­ter bei­der Sei­ten im Ber­gi­schen Land an ei­nem Tisch sit­zen, ha­ben sie viel er­reicht. Mit der Grün­dung der Ko­ope­ra­ti­on re­agier­ten Land­wir­te im Ber­gi­schen Land, Ag­ger­ver­band, Wup­per­ver­band, die Stadt­wer­ke So­lin­gen und die EWR in Rem­scheid vor 25 Jah­ren auf ei­ne lan­des­wei­te Ent­wick­lung.

Ein Vier­tel­jahr­hun­dert spä­ter sit­zen sie wie­der an ei­nem Tisch: Män­ner der ers­ten St­un­de, auch Ge­schäfts­füh­rer und Land­wir­te, die spä­ter da­zu ka­men, Mi­nis­te­ri­al­di­ri­gent Ger­hard Oden­kir­chen, der für das Mi­nis­te­ri­um für Um­welt, Land­wirt­schaft, Na­tur- und Ver­brau­cher­schutz in NRW zu Gast ist. Auf dem Hof von Tors­ten Müh­ling­haus in Mit­tel­rau­ten­bach er­in­nern sie sich am Don­ners­tag in bes­ter At­mo­sphä­re an die An­fän­ge ih­rer Ko­ope­ra­ti­on. „Das war nicht im­mer so har­mo­nisch“, sagt Georg Wulf vom Vor­stand des Wup­per­ver­ban­des. Von Lie­bes­hei­rat sei da­mals kei­ne Re­de ge­we­sen. Die ei­nen hät­ten die Qua­li­tät des Was­sers, die an­de­ren die Wirt­schaft­lich­keit ih­rer land- wirt­schaft­li­chen Be­trie­be im Blick ge­habt. „Aber dann ver­stan­den wir, dass wir uns ge­gen­sei­tig brau­chen“, er­klärt Wulf, „wir hör­ten dem an­de­ren zu und be­gan­nen, ihn zu ver­ste­hen.“Und ge­mein­sam nah­men sie ein Ziel in den Blick: Die Was­ser­qua­li­tät in den sechs Trink­was­ser­talsper­ren im Ber­gi­schen Land soll­te ver­bes­sert wer­den – oh­ne dass die Land­wir­te dar­un­ter lei­den.

Das Er­geb­nis lässt sich mes­sen: Die Ni­trat­wer­te lie­gen heu­te mit acht Mil­li­gramm pro Li­ter deut­li­che un­ter dem Grenz­wert von 50 Mil­li­gramm. Und gleich­zei­tig ver­zeich­nen die Land­wir­te Er­trä­ge, die ih­re Exis­tenz si­chern. Die Was­ser­ver­sor­ger er­klär­ten sich be­reit, Be­ra­ter zu fi­nan­zie­ren, die seit­dem auf land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­ben un­ter­wegs sind. Er­trags­ein­bu­ßen wer­den aus­ge­gli­chen, In­ves­ti­tio­nen un­ter­stützt. „Das Re­zept für den Er­folg ist die Frei­wil­lig­keit“, be­tont auch Kreis­land­wirt Pe­ter Lautz, „wir Land­wir­te kann­ten frü­her nur den Ham­mer.“Auch heu­te noch wer­den nur ein­stim­mi­ge Be­schlüs­se um­ge­setzt.

Zum Ju­bi­lä­um al­ler­dings er­in­nern Land­wir­te und Was­ser­ver­sor­ger auch an dunk­le St­un­den der Zu­sam­men­ar­beit – wie da­mals, als ein Land­wirt 1,7 Mil­lio­nen Li­ter Gül­le in die Neye-Tal­sper­re flie­ßen ließ. „War­um ha­ben sie da­mals nicht das Hand­tuch ge­wor­fen und der Ko­ope­ra­ti­on den Rü­cken ge­kehrt?“, fragt Mo­de­ra­to­rin Frie­de­ri­ke Mür­kens den Ver­tre­ter der EWR, der zum Ju­bi­lä­um auf dem Po­di­um Platz nimmt. „Wir wa­ren da­mals fas­sungs­los“, sagt Gie­ra, „aber wir ha­ben das nie als Schei­tern der Ko­ope­ra­ti­on emp­fun­den.“Der Vor­satz ei­nes Land­wir­tes ha­be die gu­ten Ver­bin­dun­gen nicht schwä­chen kön­nen. „Ganz im Ge­gen­teil: Wir sind nä­her zu­sam­men­ge­rückt“, stellt Gie­ra im Nach­klang fest. Und so soll es auch wei­ter­ge­hen – schließ­lich ge­be es neue Her­aus­for­de­run­gen. Und zu de­nen ge­hört auch die stei­gen­de An­zahl von An­fra­gen aus Hol­land oder vom Nie­der­rhein, im Ber­gi­schen ih­re Gül­le los­zu­wer­den. „Aber da ma­chen wir nicht mit“, sagt Wulf, „wir las­sen uns die er­reich­ten Zie­le nicht ka­putt­ma­chen.“

BM-FO­TO: JÜR­GEN MOLL

Ben­ja­min Ja­cob (l.), der neue Be­ra­ter der Trink­was­ser­ko­ope­ra­ti­on, steht mit den Gast­ge­bern In­grid und Tors­ten Müh­ling­haus vor ei­nem mo­der­nen Gül­le­schlepp­schuh­ver­tei­ler.

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