Lie­ber Rad­stre­cke statt Mu­se­ums­bahn?

Bergische Morgenpost Radevormwald - - RADEVORMWALD - VON STE­FAN GILSBACH

Der ehe­ma­li­ge SPD-Stadt­ver­ord­ne­te Pe­ter Hart­wig aus Frie­ling­hau­sen hält die Plä­ne des Ver­eins „Wup­per­schie­ne“für il­lu­so­risch. Er fin­det, die An­la­ge ei­nes Rad­we­ges auf der Tras­se sei tou­ris­tisch weit­aus viel­ver­spre­chen­der.

RADEVORMWALD Die Mit­glie­der des Ver­eins „Wup­per­schie­ne“ha­ben ei­nen gro­ßen Traum. Sie möch­ten, dass ei­nes Ta­ges ei­ne Mu­se­ums­bahn durch das Tal der Wupper zwi­schen Radevormwald und Wuppertal dampft. Die­ses Pro­jekt ver­folgt der Ver­ein seit Jah­ren, noch fehlt al­ler­dings der gro­ße Durch­bruch.

Und nun müs­sen sich die Freun­de der Mu­se­ums­bahn auch noch deut­li­che Kri­tik aus Wuppertal an­hö­ren, ge­nau­er ge­sagt: aus Frie­ling­hau­sen. Dort wohnt Pe­ter Hart­wig, ehe­ma­li­ger Stadt­ver­ord­ne­ter der SPD in Wuppertal und vie­len Ra­dern gut be­kannt (er ge­hör­te bei­spiels­wei­se zum „Spiel-oh­ne-Gren­zen“-Team im Jahr 1970).

„Wenn so vie­le Mit­tel

ge­flos­sen sind, dann muss es auch ein­mal los ge­hen“

Pe­ter Hart­wig

SPD-Po­li­ti­ker aus Wuppertal

Hart­wig hat die Be­mü­hun­gen der „Wup­per­schie­ne“über Jah­re hin­weg ver­folgt. Nun äu­ßer­te er sich in ei­nem Ar­ti­kel in der Wup­per­ta­ler Aus­ga­be der „WZ“. Sein Fa­zit: Das Pro­jekt kann nicht um­ge­setzt wer­den, die Hin­der­nis­se sind zu groß. Viel bes­ser wä­re es, die Tras­se für ein an­de­res tou­ris­ti­sches An­ge­bot zu ver­wen­den, näm­lich ei­nen Fahr­rad­weg.

Hart­wig ist ein Freund deut­li­cher Wor­te. Die al­ten Bah­nen, die in Dahl­hau­sen ste­hen, nennt er in dem Ar­ti­kel „Schrott“und legt den Ver­eins­mit­glie­der na­he: „Bes­ser ein En­de mit Schre­cken als ein Schre­cken oh­ne En­de.“Da­bei be­zwei­felt er nicht, dass die Eh­ren­amt­ler der Wup­per­schie­ne „ho­no­ri­ge Leu­te“sei­en.

„Die Idee ei­ner Mu­se­ums­bahn ist gut, aber das wird man eh­ren­amt­lich nicht stem­men kön­nen“, führt Pe­ter Hart­wig ge­gen­über un­se­rer Zei­tung aus. Es sei nicht er­kenn­bar, wie die Stre­cke in ei­nen Zu­stand ge­bracht wer­den kön­ne, die ei­nen ech­ten Ver­kehr mit Lo­ko­mo­ti­ven mög­lich ma­che. Hart­wig ver­weist auf das vie­le Geld, das be­reits in die Plä­ne ge­steckt wur­den – et­wa An­fang des Jah­res rund 200.000 Eu­ro für die Sa­nie­rung der Brü­cke Öh­de. Ins­ge­samt sei­en schon rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro aus­ge­ge­ben wor­den. „Wenn so vie­le Mit­tel ge­flos­sen sind, muss es auch ein­mal los­ge­hen“, meint er. Die Stim­mung vie­ler Bür­ger ge­gen­über dem Vor­ha­ben sei skep­tisch, ver­si­chert der Frie­ling­hau­ser. „Ich hö­re oft von den Leu­ten: ,Pe­ter, das wird doch nichts’.“

Weit­aus bes­ser se­hen in sei­nen Au­gen die Mög­lich­kei­ten ei­nes neu­en Fahr­rad­we­ges aus. „Der Weg wür­de in Wil­helms­thal en­den, di­rekt un­ter­halb des Stau­damms der Wupper-Tal­sper­re, von dort gibt es ei­ne gu­te An­bin­dung an die Bal­kan- tras­se.“Auf die­se Wei­se kön­ne man ein gro­ßes We­ge­netz für Fahr­rad­fah­rer in der Re­gi­on knüp­fen. „Das Gan­ze ruft ge­ra­de­zu da­nach, um­ge­setzt zu wer­den“, sagt Hart­wig.

Sei­ne Aus­sa­gen in der „WZ“sind auch bei den Mit­glie­dern der „Wup­per­schie­ne“re­gis­triert wor­den. Dort re­agiert man aber nicht mit Zorn. Im Ge­gen­teil: Der Ver­ein will den Kri­ti­ker ein­la­den, sich die al­te Stre­cke auf ei­ner Drai­si­nen­fahrt ein­mal gründ­lich an­zu­se­hen und (so hof­fen sie) sei­ne Mei­nung zu än­dern. Das wird am 21. Ju­ni sein. Mit Hart­wig wer­den auch Ul­rich Grot­stol­len, der Vor­sit­zen­de des Ver­eins „Wup­per­schie­ne“, Bern­hard Czes­ka (Vor­stands­mit­glied), Mo­ni­ka Zier­den und Ar­min Barg vom Drai­si­nen­ver­ein „Wup­per­trail“da­bei sein.

Bei der „Wup­per­schie­ne“sieht man die La­ge be­greif­li­cher­wei­se we­ni­ger kri­tisch. Auf der In­ter­net­sei­te drü­cken die Mit­glie­der ih­re Freu­de über die ab­ge­schlos­se­ne Sa­nie­rung der Brü­cke Öh­de aus.

„Wir sind wei­ter­hin der Mei­nung, dass es klappt“, sagt Ul­rich Grot­stol­len, der Vor­sit­zen­de des Ver­eins. Er räumt al­ler­dings ein, dass der Zeit­plan nach hin­ten ver­scho­ben wer­den muss­te. „Wir hat­ten uns das Gan­ze ein­fa­cher vor­ge­stellt, die Stan­dards wer­den hö­her“, sagt er. „Und so ent­steht in der Öf­fent­lich­keit der Ein­druck, es wür­de sich nichts tun.“Was die Mit­tel be­trifft, die Pe­ter Hart­wig an­ge­spro­chen hat­te, so sei­en die­se vor al­lem in die his­to­ri­schen Ge­bäu­de am Rand der Stre­cke in­ves­tiert wor­den.

FO­TO: HANS DÖRNER (AR­CHIV)

Die­ses Fo­to aus dem Jahr 1991 zeigt die Fahrt ei­nes Zugs mit Dampf­lok auf der al­ten Bahn­stre­cke zwi­schen Wuppertal und Radevormwald. Das al­les soll ei­nes Ta­ges wie­der zu er­le­ben sein, wenn es nach den Mit­glie­dern der „Wup­per­schie­ne“geht. Doch es gibt auch skep­ti­sche Stim­men.

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