Wie­der­se­hen der „Win­kel“-Kin­der

Bergische Morgenpost Radevormwald - - RADEVORMWALD - VON JOA­CHIM RÜTTGEN

An­net­te Schmidt, Lothar Fecht­ner und Die­ter Haus­mann or­ga­ni­sie­ren ein be­son­de­res Nach­bar­schafts­tref­fen. Am 2. No­vem­ber er­war­ten sie mehr als 110 ehe­ma­li­ge Nach­bar­schafts­kin­der aus der Stra­ße „Auf ’m Win­kel“in Önk­feld.

RADEVORMWALD Es wa­ren die ge­mein­sa­men Er­in­ne­run­gen an ei­ne un­be­schwer­te und glück­li­che Kind­heit, die vier ehe­ma­li­ge Nach­bars­kin­der der Stra­ße „Auf dem Win­kel“vor mehr als zehn Jah­ren auf dem Ra­de­vorm­wal­der Weih­nachts­markt zu­sam­men­brach­ten. Stun­den­lang schwelg­ten sie in ge­mein­sa­men Kind­heits­er­in­ne­run­gen, re­de­ten und lach­ten – und das auch noch, nach­dem der Weih­nachts­markt schon längst ge­schlos­sen hat­te. Beim Aus­ein­an­der­ge­hen fiel dann der Satz „Wir wa­ren doch so vie­le Kin­der. Das wä­re doch schön, wenn wir uns al­le noch mal tref­fen könn­ten.“Die Idee für ein ge­mein­sa­mes Tref­fen war ge­bo­ren.

„Un­ge­wöhn­lich war die ho­he An­zahl

an Kin­dern“

Lothar Fecht­ner

Nach zehn Jah­ren wird das Tref­fen nun von An­net­te Schmidt, Lothar Fecht­ner und Die­ter Haus­mann ge­plant, die in den 1960er­und 1970er-Jah­ren selbst in der Stra­ße „Auf’m Win­kel“groß ge­wor­den sind. Die Or­ga­ni­sa­ti­on end­gül­tig ins Rol­len brach­te schließ­lich ei­ne E-Mail ei­nes in Nie­der­sach­sen woh­nen­den „Win­kel“-Kin­des, das ei­ne Ex­cel-Ta­bel­le mit den Na­men der ihm be­kann­ten Kin­der an Fecht­ner ver­schick­te.

Mit Hil­fe der Lis­te wer­den Adres­sen ge­sam­melt, Kon­tak­te her­ge­stellt und Men­schen in ganz Deutsch­land so­wie aus dem eu­ro­päi­schen Aus­land an­ge­schrie­ben. In ei­ner Face­book-Grup­pe tau­schen sich die ehe­ma­li­gen „Win­kel“-Kin­der zu­sätz­lich aus und ver­net­zen sich mit den ehe­ma­li­gen Nach­bars­kin­dern. Die Re­so­nanz ist groß und über­rascht nicht nur die Or­ga­ni­sa­to­ren. „Wir ha­ben in­zwi­schen mehr als 210 Win­kel-Kin­der der ers­ten dort le­ben­den Fa­mi­li­en er­mit­teln kön­nen“, sagt Fecht­ner. Mehr als die Hälf­te konn­ten be­reits kon­tak­tiert wer­den, über 110 ha­ben ih­re Teil­nah­me am Tref­fen zu­ge­sagt. Die ehe­ma­li­gen „Win­kel“-Kin­der rei­sen im No­vem­ber aus al­len Tei­len der Bun­des­re­pu­blik an. So­gar aus Ös­ter­reich und En­g­land ha­ben ehe­ma­li­ge Kin­der der Nach­bar­schaft ihr Kom­men an­ge­kün­digt.

Die Stra­ße „Auf dem Win­kel“ist für die drei Or­ga­ni­sa­to­ren ein be­son­de­rer Ort, den sie mit vie­len schö­nen Kind­heits­er­leb­nis­sen ver­bin­den. Un­ge­fähr 60 Jah­re ist der Bau von 20 Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern in die­ser Stra­ße nun her, doch vie­le Er­in­ne­run­gen der Or­ga­ni­sa­to­ren an die­se Zeit sind le­ben­dig ge­blie­ben. „Die Haus­num­mern 2 bis 8 wur­den 1958 fer­tig­ge­stellt, im Jahr dar­auf die üb­ri­gen Häu­ser. Un­ge­wöhn­lich war die ho­he An­zahl an Kin­dern“, schil­dert Fecht­ner, der sich der­zeit mit der Chro­nik der Stra­ße be­fasst. Die­se Chro­nik soll mit den Wohn­raum­pla­nun­gen süd­lich der Bahn­stra­ße Mit­te bis En­de der 1950erJah­re be­gin­nen und mit dem Zug­un­glück 1971, bei dem auch vier der „Win­kel“-Kin­der be­trof­fen wa­ren, en­den. Als Qu­el­le hier­für die­nen die Aus­ga­ben der Ber­gi­schen Mor­gen­post, die im Ra­de­vorm­wal­der Stadt­ar­chiv ab­ge­legt sind.

60 Jah­re spä­ter wer­den sich die „Win­kel“-Kin­der zu ei­nem Wie­der­se­hen am 2. No­vem­ber im Land­haus Önk­feld tref­fen. Im Rah­men der Ver­an­stal­tung soll nicht nur die Chro­nik prä­sen­tiert wer­den, es wer­den auch Fo­tos aus der ge­mein­sa­men Kind­heit ge­zeigt. „Die äl­tes­te Teil­neh­me­rin un­se­res Tref­fens ist 74, die jüngs­te 47“, sagt Fecht­ner vol­ler Vor­freu­de.

In den Jah­ren nach dem Zwei­ten Welt­krieg stieg die Zahl der Ein­woh­ner in der Stadt ex­trem an. Die Fol­ge da­von war ei­ne sehr gro­ße Woh­nungs­not. In den 1950er- und 1960er-Jah­ren wuchs die Stadt in die bis da­hin au­ßer­städ­ti­schen Be­rei­che süd­lich des Bahn­hofs. Ge­baut wur­de da­mals an der Feld­stra­ße, am Jung-Stil­ling-Weg, Höl­ter­hof, Pfer­de­feld, Wei­den­weg, Auf ‘m Win­kel, spä­ter dann noch an der Ispin­gra­der Stra­ße und am Höh­weg. Spä­ter ka­men Süd- und Nord­stadt hin­zu. In der Stra­ße „Auf ‘m Win­kel“ent­stan­den 20 Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern, die im Zei­t­raum von zwei Jah­ren ge­baut und be­zo­gen wur­den. Die ers­ten Be­woh­ner zo­gen 1958 ein.

FO­TO: PRI­VAT

Die­ter Haus­mann, An­net­te Schmidt, Lothar Fecht­ner (v. l.) freu­en sich auf das Wie­der­se­hen mit den ehe­ma­li­gen Nach­bars­kin­dern.

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