Hoch­stim­mung in der Wirt­schaft

Bergische Morgenpost Radevormwald - - REMSCHEID KOMPAKT - VON CHRIS­TI­AN PEISELER

Die Rem­schei­der In­dus­trie er­lebt ihr bes­tes Jahr seit 2013. Die Aus­sich­ten für 2019 werden als sehr gut ein­ge­schätzt.

Die Stim­mung in der Rem­schei­der Wirt­schaft ist blen­dend. So gut wie seit vie­len Jah­ren nicht mehr. Trotz al­ler schlech­ten Nach­rich­ten aus vie­len Tei­len der Welt. Das geht aus der neu­es­ten Umfrage der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Wup­per­tal-So­lin­gen-Remscheid (IHK) her­vor, die ges­tern vor­ge­stellt wur­de.

Der dro­hen­de har­te Br­ex­it, der Han­dels­krieg zwi­schen den USA und Chi­na, die stei­gen­den Zin­sen bei der ame­ri­ka­ni­schen No­ten­bank, die Über­schul­dungs­po­li­tik in Ita­li­en, der Krieg in Sy­ri­en, der Die­selskan­dal in der Au­to­in­dus­trie, die Auf­kün­di­gung des Iran-Ab­kom­mens, die Sank­tio­nen ge­gen Russ­land: Dem Ab­satz-Boom von Pro­duk­ten aus Remscheid scheint dies kei­nen Ab­bruch zu tun.„Die Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren und stel­len neue Ar­beits­kräf­te ein“, sagt Tho­mas Mey­er, Prä­si­dent der IHK.

ImVer­gleich zu den Nach­bar­städ­ten So­lin­gen un­dWup­per­tal gibt die In­dus­trie in Remscheid ein be­son­ders gu­tes Stim­mungs­bild ab. Die ers­ten bei­den Quar­ta­le in die­sem Jahr zähl­ten zu den stärks­ten seit 2013. Was selbst den IHK-Prä­si­den­ten über­rascht, sind die Pro­gno­sen für das nächs­te Jahr. 68 Pro­zent ge­hen da­von aus, dass die La­ge so gut bleibt wie sie ist, 20 Pro­zent glau­ben, die Ge­schäf­te werden noch bes­ser ver­lau­fen. Nur zwölf Pro­zent ver­mu­ten ei­ne Ein­trü­bung.

Um die­sen an­hal­ten­den wirt­schaft­li­chen Auf­schwung ein­ord­nen zu kön­nen, hilft auch ein Blick zu­rück. Zwi­schen 1990 und 2010 er­leb­te das Ber­gi­sche Land ei­ne kras­se Tal­fahrt. Von den 250.000 so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ar­beits­plät­zen gin­gen in der Re­gi­on 65.000 Ar­beits­plät­ze ver­lo­ren, fast ein Vier­tel. Die Ar­beits­lo­sig­keit stieg an, die Kom­mu­nen über­schul­de­ten sich mehr und mehr. Über 20 Jah­re hat es ge­braucht, um aus die­ser Struk­tur­kri­se her­aus­zu­kom­men. Wäh­rend das Ruhr­ge­biet da­mals für sei­nen Struk­tur­wan­del vie­le För­der­gel­der von der Lan­des­re­gie­rung be­kam, muss­te das Städ­te­drei­eck meist se­hen, wie es al­lei­ne zu­recht­kommt. Die Fi­nanz­kri­se vor zehn Jah­ren hat die zar­te Kon­junk­tur auch in Remscheid wie­der ab­ge­würgt. Doch die Um­satz­zah­len zei­gen, dass die­se Zeit ge­nutzt wur­de, um sich neu auf­zu­stel­len. Zwei Jah­re Kurz­ar­bei­ter­geld, die die Ge­mein­schaft der Steu­er­zah­ler auf­ge­bracht hat, setz­te vie­le Un­ter­neh­men in die La­ge, ih­re Fach­kräf­te zu hal­ten. Als die Welt­kon­junk­tur wie- der in Fahrt kam, wa­ren die Rem­schei­der auf den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten so­fort prä­sent und konn­ten ih­re Qua­li­täts­pro­duk­te lie­fern. Die­ser Boom hält bis heu­te an.

Die Rem­schei­der In­dus­trie ist wie kei­ne an­de­re Bran­che im Ber­gi­schen Land von Ex­por­ten ab­hän­gig. Der größ­te Teil geht in die Eu­ro­päi­sche Uni­on. Die gro­ßen Blö­cke sind Ma­schi­nen­bau (20 Pro­zent), Werk­zeug­in­dus­trie (17 Pro­zent) und Me­tall­ver­ar­bei­tung (11,2 Pro­zent). Ein ho­her Pro­zent­satz der Ge­win­ne fließt in die In­ves­ti­ti­on von neu­en Ma­schi­nen und in die Er­wei­te­rung der Stand­or­te. Laut Umfrage neh­men die Fir­men kei­ne neu­en Kre­di­te bei den Ban­ken auf, son­dern be­zah­len die Rech­nun­gen aus den Rück­la­gen.

Die La­ge im Ein­zel­han­del sticht aus der Kon­junk­tur­um­fra­ge her­aus. Und zwar in ne­ga­ti­ver Hin­sicht. Ein Drit­tel al­ler be­frag­ten Ge­schäfts­in­ha­ber be­wer­tet die Si­tua­ti­on als schlecht. „Der Ein­zel­han­del steht vor ei­nem gro­ßen Um­bruch“, sagt Mey­er. Zu ei­ner nach­hal­ti­genVe­r­un­si­che­rung füh­ren die of­fe­nen Ent­schei­dun­gen beim DOC in Len­nep und beim FOC in Wup­per­tal. Die Händ­ler sei­en ver­un­si­chert und zö­gern mit In­ves­ti­tio­nen. Mey­er hofft, dass es im Streit zwi­schen Remscheid und Wup­per­tal ums DOC in Len­nep bald ei­ne Lö­sung ge­ben wird. Ers­te Hin­wei­se dar­auf gab es jüngst in ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­er­klä­rung von der Ex­poRe­al in München. Aber noch hat Wup­per­tal sei­ne Kla­ge nicht zu­rück­ge­zo­gen.

FO­TO: HERTGEN (ARCHIV)

Werk­zeu­ge aus Remscheid – hier Schrau­ben­schlüs­sel von Ha­zet – sind ge­fragt.

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