Ge­denk­stät­te im eins­ti­gen Pfer­de­stall

Bergische Morgenpost Remscheid - - STADTPOST - VON ANDRE­AS WE­BER rem­scheid@ ber­gi­sche-mor­gen­post.de 02191 999 322 BM.Rem­scheid rp-on­li­ne.de/whats­app

EMA-Gym­na­si­um hat ein ehr­gei­zi­ges Ziel: Hin­ter dem Po­li­zei­ge­bäu­de soll an Ver­folg­te der Na­zi-Zeit er­in­nert wer­den.

Rem­scheid soll ei­ne Ge­denk- und Bil­dungs­stät­te für das Schick­sal der Ver­folg­ten zwi­schen 1933 und 1945 er­hal­ten. En­ga­gier­te Leh­rer und die Ge­schichts-AG am Ernst-Mo­rit­zArndt-Gym­na­si­um wer­den als Ein­stieg am 9. No­vem­ber (13 Uhr), dem Jah­res­tag der Reichs­pro­grom­nacht, zwei Aus­stel­lun­gen in der Stät­te prä­sen­tie­ren, den sie als künf­ti­gen Stand­ort aus­er­ko­ren ha­ben: den ehe­ma­li­gen Pfer­de­stall am Quim­per­platz.

Hin­ter dem Po­li­zei­haupt­quar­tier be­fin­det sich das Eck­ge­bäu­de, in dem am 9. No­vem­ber 1938 ins­be­son­de­re jü­di­sche Mit­bür­ger über die oh­ne­hin über­füll­ten Ar­rest­zel­len hin­aus wie Vieh ein­ge­pfercht wur­den.

Im Schul­aus­schuss sprach Schul­lei­ter Hans Heinz Schu­ma­cher am Mitt­woch ers­te Ein­la­dun­gen für die Er­öff­nung aus. Zum ei­nen wer­den EMA-Gym­na­si­as­ten ei­ne Aus­stel­lung zur so­ge­nann­ten „Po­len­ak­ti­on“und zur Po­grom­nacht in Rem­scheid prä­sen­tie­ren. Dar­über hin­aus ist es dem Gym­na­si­um ge­lun­gen, die Wan­der­aus­stel­lung „Vor al­ler Au­gen“von der Stif­tung „To­po­gra­fie des Ter­rors“aus Berlin hier­hin zu lot­sen. Vier Mo­na­te wer­den die Ex­po­na­te am Quim­per­platz zu se­hen sein.

„Wir star­ten pro­fes­sio­nell“, ver­spricht Schu­ma­cher und fügt hin­zu: „Den Nach­druck, mit dem wir un­ser Ziel ver­fol­gen, hät­ten uns vie­le nicht zu­ge­traut.“Der Ein­satz­wil­le der Pro­jekt­grup­pe um den stell­ver­tre­ten­den Schul­lei­ter und Ge­schichts­leh­rer Olaf Wie­gand ist im­mens. Er ist auch Aus­druck ei­ner seit Jah­ren in­ten­siv be­trie­be­nen Au­f­ar­bei­tung der Na­zi-Zeit in Rem­scheid.

„Vor zwölf Jah­ren wur­den vor dem EMA die ers­ten Stol­per­stei­ne ge­legt“, führ­te Schu­ma­cher im Aus­schuss an. Die vom mitt­ler­wei­le pen­sio­nier­ten Ge­schichts­leh­rer Klaus Blum­berg ins Le­ben ge­ru­fe­ne Ge­schichts-AG ar­bei­te­te da­nach Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und das Schick­sal jü­di­scher Mit­schü­ler an der EMA auf. Da­von zeu­gen die Ge- denk­ta­fel und der „Freund Baum“am Haupt­ein­gang an der El­ber­fel­der Stra­ße. Au­ßer­dem gibt es Be­stre­bun­gen, Aus­tausch­pro­gram­me mit Is­ra­el zu in­ten­si­vie­ren, eben­so das bis­lang ver­geb­li­che Be­mü­hen, dort ei­ne Aus­tausch­schu­le zu fin­den.

Mit der Bil­dungs- und Ge­denk­stät­te tritt das EMA in ei­ne neue Di- men­si­on. Für die Schü­ler war klar: „So et­was fehlt in Rem­scheid.“Um­lie­gen­de Kom­mu­nen wie Wup­per­tal, Köln oder Düs­sel­dorf ha­ben ei­nen Ort der Er­in­ne­rung. Ei­nen sol­chen in Rem­scheid dau­er­haft zu eta­blie­ren, wird viel Geld kos­ten.

Oh­ne nam­haf­te Mit­tel aus För­der­töp­fen wird sich der Um­bau nicht rea­li­sie­ren las­sen. „Aber die größ­te Rei­se fängt nun mal mit dem ers­ten Schritt an“, tas­ten sich Hans Heinz Schu­ma­cher und die vie­len Mit­strei­ter am EMA an die Her­ku­les­auf­ga­be her­an.

Bis der „Pfer­de­stall“zu ei­ner stän­di­gen Ein­rich­tung wird, will das EMA an dem his­to­ri­schen Ort jähr­lich am 9. No­vem­ber wei­te­re tem­po­rä­re Aus­stel­lun­gen aus den ei­ge­nen Rei­hen und von ex­ter­nen Leih­ge­bern zei­gen. Das An­lie­gen wird un­ter­stützt von Ober­bür­ger­meis­ter Burk­hard Mast-Weisz und auch Birgitta Ra­der­ma­cher, heu­ti­ge Re­gie­rungs­prä­si­den­tin und zu­vor Po­li­zei­che­fin in Wup­per­tal. Die Po­li­zei wür­de dem Gym­na­si­um als Un­ter­mie­ter die Im­mo­bi­lie über­las­sen, die als Lie­gen­schaft dem Land ge­hört.

Das Ge­bäu­de hält Hans Heinz Schu­ma­cher für ide­al: Es be­steht aus ei­nem Haupt­raum (19,5 x 8,30 Me­ter) und ei­nem Ne­ben­raum (10 x 8,30 Me­ter). „Der grö­ße­re von bei­den könn­te für ei­ne Dau­er­prä­sen­ta­ti­on ge­nutzt wer­den, der klei­ne­re für Bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen die­nen“, über­legt Schu­ma­cher. Zwei klei­ne­re Räu­me stün­den dar­über hin­aus zur Ver­fü­gung.

Vor­teil: „Der Pfer­de­stall ist weit­ge­hend so er­hal­ten wie da­mals.“Heu­te wird er zwar teil­wei­se als Ab­stell­raum ge­nutzt, könn­te aber für ei­ne Ge­denk­stät­te so her­ge­rich­tet wer­den, dass sein au­then­ti­scher Cha­rak­ter nicht ver­lo­ren geht.

Lang­fris­tig plant das Ernst-Mo­ritz-Arndt-Gym­na­si­um ei­ne wis­sen­schaft­li­che Dau­er­aus­stel­lung, die Rem­scheids Ge­schich­te im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, ih­re Vor- und Nach­ge­schich­te in Gr­und­zü­gen do­ku­men­tiert und die Ge­scheh­nis­se im Lern­ort „Pfer­de­stall“be­greif­bar macht.

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FO­TO: RO­LAND KEUSCH

Hier soll die Bil­dungs- und Ge­denk­stät­te für Ver­folg­te des Na­tio­nal­so­zi­al­mus ent­ste­hen: Der ehe­ma­li­ge Pfer­de­stall hin­ter dem Po­li­zei­ge­bäu­de am Quim­per­platz.

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