Ge­fan­ge­ner des Jah­res

Bergische Morgenpost Remscheid - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TIN KESS­LER

Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal hat lan­ge Jah­re je­den Mo­nat ei­nen po­li­ti­schen Ge­fan­ge­nen vor­ge­stellt – um auf ein per­sön­li­ches Schick­sal auf­merk­sam zu ma­chen und den Op­fern von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ein Ge­sicht zu ge­ben. Der Jour­na­list De­niz Yücel, den die tür­ki­sche Jus­tiz seit zwölf Mo­na­ten in Haft hält, ist zum Ge­fan­ge­nen des Jah­res ge­wor­den.

Er ist das Sym­bol für die vie­len Ver­folg­ten des tür­ki­schen Re­gimes un­ter Re­cep Tay­yip Er­do­gan ge­wor­den. Sei­ne Haft zeigt das rechts­staat­li­che De­fi­zit des Lan­des. Lei­der sind wir po­li­tisch macht­los, den nach der­zei­ti­gem Kennt­nis­stand zu Un­recht In­haf­tier­ten frei­zu­be­kom­men. In der ex­plo­si­ven Si­tua­ti­on der Re­gi­on ver­bie­ten sich Sank­tio­nen ge­gen ei­nen Na­to-Part­ner.

Dass der tür­ki­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Yil­di­rim ei­ne Frei­las­sung si­gna­li­siert, ist gleich­wohl ein gu­tes Zei­chen. Öf­fent­li­cher Druck hilft. Die Bun­des­re­gie­rung darf aber mit Er­do­gans Re­gime kei­nen schmut­zi­gen De­al ein­ge­hen. Et­wa, dass sie den blu­ti­gen Feld­zug ge­gen die Kur­den to­le­riert. Das ist laut des­sen ei­ge­ner Aus­sa­ge auch nicht im In­ter­es­se Yücels. BE­RICHT

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