Der har­te Kampf ge­gen die Sucht

Bergische Morgenpost Remscheid - - STADTPOST - VON DA­NI­EL DRE­SEN

Ei­ne 17 Jah­re al­te Rem­schei­de­rin spricht über ih­re frü­he­re Dro­gen­sucht. Seit En­de 2017 hat sie kei­nen Jo­int mehr an­ge­fasst.

Hät­te sie vor drei Jah­ren doch den Auf­zug im Al­lee-Cen­ter nur ein paar Se­kun­den spä­ter ge­nom­men. Die 17-jäh­ri­ge Lau­ra (Na­me von der Re­dak­ti­on ge­än­dert) wür­de heu­te ei­ner Aus­bil­dung nach­ge­hen oder ihr Abitur ma­chen. Statt­des­sen sitzt sie wie­der bei Sucht­be­ra­ter Al­f­red Lin­den­baum vom Dia­ko­ni­schen Werk

Al­f­red Lin­den­baum zum Ge­spräch. Als Sym­bol für ih­re El­tern, dass sie es die­ses Mal mit dem Aus­stieg als Kif­fe­rin ernst meint.

Vor drei Jah­ren lern­ten sie und ih­re da­ma­li­ge Freun­din Ma­rie (Na­me ge­än­dert) zwei Jun­gen in die­sem Auf­zug ken­nen. „Die bei­den wa­ren ein biss­chen äl­ter als wir“, er­zählt Lau­ra. Nach der Zu­falls­be­geg­nung im Auf­zug tra­fen sich die vier an­schlie­ßend auch privat. „Ma­rie war mit ei­nem der Jun­gen zu­sam­men. Bei un­se­ren Tref­fen ha­ben die Jungs dann ir­gend­wann mal ge­fragt, ob wir nicht auch am Jo­int zie­hen wol­len.“Als die bei­den Kif­fer zum ers­ten Mal ih­ren Stoff aus­ge­packt hat­ten, er­in­nert sich Lau­ra, hat­ten bei­de Mäd­chen noch „ko­misch ge­guckt“. Nach ein paar Zü­gen stell­te sich bei Lau­ra die Wir­kung ein. „Ich ha­be mich plötz­lich gut ge­fühlt, war lus­tig und ha­be al­le schlech­ten Ge­dan­ken ver­ges­sen.“Kif­fen sei ei­ne an­ge­neh­me Ablen­kung ge­we­sen, um vom Stress mit den El­tern her­un­ter­zu­kom­men. Ob­wohl die Be­zie­hung zwi­schen ih­rer Freun­din Ma­rie und ei­nem der Jun­gen nach drei Wo­chen vor­bei war, blie­ben die Mäd­chen dem Kif­fen treu. „Wir ha­ben 20-jäh­ri­ge Kif­fer im Al­lee-Cen­ter und am Ebert­platz ge­trof­fen. Am En­de sind wir bei de­nen in der Woh­nung ge­lan­det“, er­in­nert sich die da­mals 14-Jäh­ri­ge. In Rem­scheid über ei­nen Dea­ler an Stoff zu ge­lan­gen, sei „über­haupt kein Pro­blem“. „Ge­fühlt ver­kauft je­der zwei­te in Rem­scheid Can­na­bis“, sagt Lau­ra. Ein Gramm kos­te 10 Eu­ro.

„Von ei­nem Gramm kann man sich bis zu drei Jo­ints bau­en.“Min­des­tens 2000 Eu­ro, schät­zen Lau­ra und Sucht­be­ra­ter Lin­den­baum, ha­be ih­re Sucht ge­kos­tet. „Ich ha­be die Jo­ints von mei­nem Ta­schen­geld be­zahlt. Oder ich ha­be mei­ne El­tern und Groß­el­tern ge­be­ten, mir Geld fürs Ki­no oder zum Es­sen­ge­hen zu ge­ben.“Sie ha­be al­ler­dings nie viel ge­raucht. „Es war für mich ein Ge­nuss – mal wo­chen­lang täg­lich, mal nur am Wo­che­n­en­de oder ein­mal im Mo­nat.“

Aus­schlag­ge­bend für ih­re bei­den Aus­stiegs­ver­su­che – der ers­te vor gut ei­nem Jahr – sind letzt­lich ih­re El­tern und die Schu­le. „Ich war ag­gres­siv und mü­de, kam mit ro­ten Au­gen nach Hau­se und ha­be nach Qualm ge­ro­chen.“Lau­ras El­tern hat­ten ih­re Toch­ter nicht mehr wie­der­er­kannt. Doch die Schü­le­rin stritt al­le Dro­gen­vor­wür­fe ab. Erst ein Urin­test brach­te die Wahr­heit ans Licht. Auch die Schu­le mach­te Druck. „Ich bin als 2er- und 3erKan­di­da­tin auf Vie­ren und Fün­fen ab­ge­rutscht und sit­zen­ge­blie­ben.“Sie ha­be die Schu­le ge­schwänzt und sei statt­des­sen mit Kif­fer-Freun­den nach Ven­lo ge­fah­ren, um sich neu­en Stoff zu be­sor­gen. „Wir hat­ten im­mer Angst, von der Po­li­zei er­wischt zu wer­den.“

Ein­mal war es be­son­ders knapp: Mit ih­rer sie­ben­köp­fi­gen Mäd­chenC­li­que kiff­te sie auf dem Kauf­lan­dPark­deck. „Als die Po­li­zei kam, bin ich mit zwei Freun­din­nen weg­ge­rannt.“Ih­re da­ma­li­gen Freun­din­nen wür­den trotz An­zei­ge wei­ter­kif­fen. Doch sie will es die­ses Mal zu­sam­men mit ih­rer Freun­din Ale­xa (Na­me ge­än­dert) schaf­fen. Auch weil Lau­ra ei­nen gro­ßen Traum ver­folgt: „Ich möch­te Po­li­zis­tin wer­den und die Dro­gen­sze­ne be­kämp­fen.“

An den Nach­wir­kun­gen ih­rer Sucht hat sie zu knab­bern. „Ich bin durchs Kif­fen et­was ver­gess­li­cher ge­wor­den.“Lin­den­baum kennt die­ses Phä­no­men: „Kif­fen be­ein­träch­tigt die Ge­dächt­nis­leis­tung und das lo­gi­sche Den­ken.“Lau­ras größ­te Bau­stel­le ist je­doch, das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen ihr und ih­ren El­tern neu auf­zu­bau­en.

„Kif­fen be­ein­träch­tigt die Ge­dächt­nis­leis­tung und das lo­gi­sche

Den­ken“

Sucht­be­ra­ter

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.