Po­li­ti­ker wol­len Street­wor­ker-Ein­satz

Bergische Morgenpost Wermelskirchen - - WERMELSKIRCHENER ANZEIGER - VON UDO TEIFEL

Ju­gend­hil­fe­aus­schuss über­rasch­te den Bei­ge­ord­ne­ten mit ei­nem An­trag – ob die Fi­nanz­po­li­ti­ker fol­gen? FDP schießt be­reits quer. Der Street­wor­ker soll Ju­gend­li­che be­treu­en, die die be­ste­hen­den An­ge­bo­te nicht an­neh­men.

WER­MELS­KIR­CHEN Wie kann man das Pro­blem von Ju­gend­li­chen, die im Dorf­park über die Strän­ge schla­gen, in den Griff krie­gen? Dirk Wart­mann (WNKUWG) mein­te jetzt im Ju­gend­hil­fe­aus­schuss, man soll­te nach­den­ken, um die­sen Ju­gend­li­chen et­was zu bie­ten. „Krea­ti­ve in die­ser Stadt soll­ten mal die Köp­fe zu­sam­men­ste­cken“– er lös­te da­mit ei­ne Dis­kus­si­on aus, mit de­ren Er­geb­nis er wohl mit sei­nem An­trag, über den Dorf­park zu dis­ku­tie­ren, nicht ge­rech­net hat­te: Die Mit­glie­der des Aus­schus­ses be­an­trag­ten die Ein­stel­lung ei­nes Street­wor­kers. Zu die­sem Zeit­punkt war Käm­me­rer Bernd Hibst nicht mehr im Raum – er hät­te sich wohl mäch­tig ver­schluckt.

Ro­bert Dahl­hoff

Wie kann man die­se Ju­gend­li­chen über­haupt er­rei­chen? Der Ers­te Bei­ge­ord­ne­te Ste­phan Görnert mein­te, mit den be­ste­hen­den An­ge­bo­ten sei­en sie nicht zu er­rei­chen. Und das gel­te nicht nur für Da­b­ring­hau­se­ner Ju­gend­li­che – das sei stadt­weit ein Pro­blem. Dies kön­ne man nur an­ge­hen mit ei­nem Street­wor­ker. Er woll­te ei­gent­lich nur um Un­ter­stüt­zung wer­ben, ihn bei dem nächs­ten Ent­wurf des Stel­len­plans zu un­ter­stüt­zen. „Ein Street­wor­ker, ich den- ke, ei­ne hal­be Stel­le reicht vor­erst, soll­te nicht nur in Da­b­ring­hau­sen Ju­gend­li­che an­spre­chen, son­dern auch an an­de­ren Stel­len, oder ge­mein­sa­me Frei­zeit­mög­lich­kei­ten ent­wer­fen.“Er hofft, so auch Är­ger mit der Nach­bar­schaft ein­zu­däm­men.

Was er dann hör­te, wird ihn glei­cher­ma­ßen über­rascht wie auch be­stä­tigt ha­ben. Sa­b­ri­na Herbst (AJZ Bahn­damm): „Wir krie­gen mit, wie Ju­gend­li­che rum­lau­fen und kei­nen An­lauf­punkt ha­ben.“Das AJZ sei si­cher spe­zi­ell und nicht für je­den – aber „vie­le trei­ben sich an der Ram­pe“rum. Sie be­grü­ße den Vor­schlag der Stadt­ver­wal­tung, wie­der ei­nen Street­wor­ker ein­zu­stel­len – „sonst klappt es nicht mehr, Jun­ge und Al­te zu­sam­men­zu­brin­gen“. Die AJZ­ler se­hen sich in die­ser Si­tua­ti­on längst als „Hel­fer und Kon­flikt­ver­mitt­ler“an der Ram­pe.

Ro­bert Dahl­hoff, CVJM-Ju­gend­re­fe­rent, be­ob­ach­tet seit 25 Jah­ren die­ses Pro­blem mit jun­gen Leu­ten, dass sei­ner An­sicht zy­klisch auf­tau­che. Ob Brauns­berg, Hüpp­tal oder Dorf­park – das sei nicht neu. Die Ar­beit ei­nes Street­wor­kers, mein­te er, soll­te sich nicht über­be­wer­tet wer­den. Er plä­dier­te: „Ju­gend­li­che brau­chen ei­nen Raum, oh­ne dass sie im­mer gleich be­treut wer­den müs­sen.“Man soll­te ih­nen die­sen Raum gön­nen und auch mal Kon­flik­te hin­neh­men. Es müs­se die­se „funk­ti­ons­dif­fu­sen Zwi­schen­räu- me“ge­ben, bis sich die Ju­gend­li­chen ent­wi­ckelt hät­ten. „Da­mit müs­sen wir sen­si­bel um­ge­hen.“

Dahl­hoff wur­de dann sehr deut­lich: „Wenn ich an ei­nem Park le­be, muss ich auch da­mit rech­nen, dass der Park mit Le­ben ge­füllt ist.“Er warn­te vor „blin­dem Ak­tio­nis­mus“in Form von Ord­nungs­amts- und Po­li­zei­ak­tio­nen; „wir müs­sen auch mal Bür­gern ge­gen­über stand­haft blei­ben, wir müs­sen sol­che Pro­ble­me aus­hal­ten, sonst ist es aus mit dem so­zia­len Mit­ein­an­der.“

Ei­ner­seits woll­te der Lei­ter der Po­li­zei­sta­ti­on, Andre­as Wei­ler­mann, Dahl­hoff ver­ste­hen: „Das ist ein tem­po­rä­res Pro­blem – im­mer in den Som­mer­fe­ri­en.“Die jun­gen Leu­te wol­len nicht be­spaßt wer­den, son­dern sich nur tref­fen. An­de­rer­seits sei der Lärm über das nor­ma­le Maß hin­aus­ge­gan­gen, und da hät­ten Po­li­zei und Ord­nungs­amt tä­tig wer­den müs­sen: „Es gibt da ei­nen Rechts­an­spruch, der zu er­fül­len ist.“

Als Lö­sung, die plötz­lich rund um den Tisch fast gro­ße Ei­nig­keit her­vor­rief, fand bei den Ju­gend­po­li­ti­kern die Ein­stel­lung ei­nes Street­wor­kers. Wo­bei Dag­mar Ep­pert (FDP) als ein­zi­ge Po­li­ti­ke­rin zu­rück­ru­der­te – sie frag­te gleich, wie das haus­halts­tech­nisch ab­ge­wi­ckelt wer­den könn­te.

Das in­ter­es­sier­te aber die Ju­gend­po­li­ti­ker in die­sem Mo­ment nicht. Sie emp­fah­len dem Rat bei Ent­hal­tung der FDP, ei­ne Stel­le zu schaf­fen. Wo­bei Görnert gleich die gro­ße Eu­pho­rie in die­ser Run­de dämpf­te: „Zeit­nah wird das nicht mög­lich sein.“

„Es muss funk­ti­ons­dif­fu­se Zwi­schen­räu­me für Ju­gend­li­che ge­ben“

Ju­gend­re­fe­rent

BM-FO­TO: MOLL

Der Dorf­park in Da­b­ring­hau­sen – hier wie auch an an­de­ren Stel­len im Stadt­ge­biet tref­fen sich Ju­gend­li­che, die nicht die An­ge­bo­te von Ver­ei­nen und Ein­rich­tun­gen an­neh­men. Ihr Auf­tritt führ­te im­mer mal wie­der zu Po­li­zei­ein­sät­zen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.