Schmaus, Mu­sik und Ti­sch­re­den

Bergische Morgenpost Wermelskirchen - - WERMELSKIRCHEN - VON WAL­TER SCHU­BERT

Bei der Ste­pha­nus­ge­mein­de in Hil­gen-Neu­en­haus gab es Lu­ther-Mahl.

WER­MELS­KIR­CHEN In die­sem Jahr fei­ern die evan­ge­li­schen Chris­ten 500 Jah­re Re­for­ma­ti­on. Es gibt vie­le Ver­an­stal­tun­gen, Vor­trä­ge und Got­tes­diens­te, die an den Re­for­ma­tor Mar­tin Lu­ther er­in­nern. Die Ste­pha­nus­ge­mein­de in Hil­gen-Neu­en­haus hat­te sich et­was Be­son­de­res ein­fal­len las­sen. Ein „Lu­ther-Mal“, gar­niert mit mit­tel­al­ter­li­cher Flö­ten­mu­sik und über­lie­fer­ten Ti­sch­re­den. Vie­le wa­ren in mit­tel­al­ter­li­cher Klei­dung er­schie­nen, und so ent­stand ei­ne fast stil­ech­te Stim­mung. „Ich glau­be, wir ha­ben heu­te ei­nen qua­li­fi­zier­ten Mar­tin Lu­ther ge­fun­den“, sag­te die Vor­sit­zen­de der Ge­mein­de, Do­ro­thee Hoff­rog­ge, bei ih­rer Be­grü­ßung.

Die Rol­le des Mar­tin Lu­ther hat­te Pfar­rer Jo­han­nes Haun über­nom­men, der als Pfar­rer im Ru­he­stand in Ei­pring­hau­sen lebt. „Der Kur­fürst hat­te das Au­gus­ti­ner­klos­ter in Wit­ten­berg der Fa­mi­lie Lu­ther zur Ver­fü­gung ge­stellt“, er­klär­te Haun. „Dort leb­te die Fa­mi­lie mit fünf Kin­dern zu­sam­men mit Stu­den­ten, Be­diens­te­ten und Men­schen, die Zuflucht such­ten. Al­le ha­ben zu­sam­men ge­ges­sen. Meist sa­ßen 20 bis 50 Per­so­nen am Tisch“. Das ge­mein­sa­me Mahl hat­te ei­nen gro­ßen Stel­len­wert. Es­sen, trin­ken, Ge­sprä­che und Dis­kus­sio­nen und auch mal Streit ge­hör­te da­zu. „Was gibt es Neu­es?“war ei­ne Fra­ge, die Lu­ther sei­nen Gäs­ten oft stell­te.

„Das Ge­spräch kommt heu­te oft zu kurz“, sagt Hoff­rog­ge. Bei Ker­zen­schein am rus­ti­kal ge­deck­ten Tisch ka­men im Ge­mein­de­saal aber schnell Ge­sprä­che auf. Es gab Kräu­ter­quark und Ap­fel-/Zwie­bel­schmalz mit Rog­gen­fla­den, da­nach Kohl­ra­bi-Ra­dies­chen-Sa­lat und Blut­wurst – le­cke­re Spei­sen aus ei­ner längst ver­gan­ge­nen Zeit. „Wer es sich leis­ten konn­te, hat im Mit­tel­al­ter schon gut ge­lebt“, sag­te Ka­rin Pe­ters, die mit vie­len Hel­fe­rin­nen die Spei­sen vor­be­rei­tet hat­te. Ge­koch­tes Rind­fleisch und ge­ba­cke­ner Schin­ken mit Meer­ret­tich und Senf, da­zu Wur­zel­ge­mü­se und Buch­wei­zen­r­i­sot­to, die­ses Ge­richt könn­te auch auf ei­ner ganz mo­der­nen Spei­se­kar­te ste­hen.

„Man hat gut und ge­sund ge­lebt“, sagt Pfar­rer Haun. „Um 11.30 Uhr gab es die ers­te Mahl­zeit und um 17 Uhr die Haupt­mahl­zeit. Es gab mit Dünn­bier und Dünn­wein ganz leich­te Ge­trän­ke. Die wa­ren ge­sün­der als Was­ser, dass erst ab­ge­kocht wer­den muss­te“. Pfar­rer Haun als Mar­tin Lu­ther emp­fahl: „Lasst uns es­sen und trin­ken, lasst uns fröh­lich sein“. Da­zu ge­hört na­tür­lich auch die Mah­nung, „dass man sich nicht ins Tisch­tuch schnäu­ze“. Ein paar gu­te Tisch­sit­ten ge­hör­ten auch im Mit­tel­al­ter da­zu.

BM-FO­TO: JÜR­GEN MOLL

Ne­ben Es­sen, Mu­sik und Ti­sch­re­den gab es an den Ta­feln auch ei­ni­ge Ge­sprä­che – so wie zu Lu­thers Zei­ten.

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