Spie­le­ri­sche Leich­tig­keit auch bei schwe­rer Kost

Bergische Morgenpost Wermelskirchen - - BERGISCHE KULTUR - VON DA­NI­EL DIEKHANS

Ers­tes Phil­har­mo­ni­sches Kon­zert im Teo Ot­to Thea­ter: Ber­gi­sche Sym­pho­ni­ker star­ten mit „Schick­sals­sym­pho­nie“.

REM­SCHEID Rausch­haft, ja, be­täu­bend wa­ren die Schluss­tö­ne von Pe­ter Tschai­kow­skis 4. Sym­pho­nie. Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Pe­ter Kuhn und sei­ne Mu­si­ker hiel­ten für ei­nen lan­gen Mo­ment in­ne, und auch die 350 Zu­hö­rer schie­nen die Luft an­zu­hal­ten. Dann aber brei­te­te sich ein Rau­nen im Thea­ter­saal aus und stei­ger­te sich zum rau­schen­den Ju­bel. „Sa­gen­haft“, mein­te ei­ne Zu­hö­re­rin.

Tat­säch­lich zeig­ten die Ber­gi­schen Sym­pho­ni­ker beim 1. Phil- har­mo­ni­schen Kon­zert aufs Neue ihr gan­zes Kön­nen. Zu­erst beim bril­lan­ten Kopf­satz, des­sen Haupt­ge­dan­ke in Tschai­kow­skis Wor­ten das „Schick­sal“ist. Za­cki­ge Hör­ner stimm­ten das Schick­sals­mo­tiv an und ga­ben es an al­le Blä­ser wei­ter. Die Strei­cher setz­ten dem sam­tig­war­me Klän­ge ent­ge­gen. Mun­ter ging es wei­ter im Drei­vier­tel­takt, und Beet­ho­ven’scher Schwung ver­band sich mit ke­cken Me­lo­di­en à la Ros­si­ni. Doch schließ­lich kehr­te das „Schick­sal“mit Fan­fa­ren zu­rück.

Im „Can­zo­na“-Satz mach­te die Dra­ma­tik ly­ri­scher Me­lan­cho­lie Platz. Die­sen no­blen Ton traf Chris­ti­an Le­schow­skis Oboe sehr gut, wäh­rend sich im Tut­ti die Stim­mung nach und nach im­mer mehr auf­hei­ter­te.

Die Strei­cher wa­ren im „Scher­zo“ge­for­dert. Vio­li­nen bis Kon­tra­bäs­se spiel­ten vir­tuo­se Piz­zi­ca­ti und er­in­ner­ten vom Sound mit­un­ter so­gar an ein Ba­l­a­lai­ka-Orches­ter. Die Blä­ser setz­ten ei­nen Marsch da­ge­gen, der schließ­lich ele­gant ins Fi­na­le über­ging. Be­cken­schlä­ge fuh­ren en­er­gisch da­zwi­schen – und da war es wie­der, das un­er­bitt­li­che Schick­sals­mo­tiv.

Die Fei­er­stim­mung im Pu­bli­kum konn­te das je­doch nicht trü­ben. Wie Pe­ter Tschai­kow­ski war auch der Ös­ter­rei­cher Alex­an­der von Zem­lins­ky ein Meis­ter der In­stru­men­ta­ti­ons­kunst. Zur Kon­zer­t­er­öff­nung spiel­ten die Ber­gi­schen Sym­pho­ni­ker ein Vor­spiel aus der Zem­lins­kyOper „Der Kö­nig Kan­d­au­les“– und be­ein­druck­ten mit düs­te­ren Klan­gE­rup­tio­nen. Es war ein Vor­ge­schmack auf Frank Mar­tins Schick­sals­mu­sik. Die­ser ver­ton­te sechs Mo­no­lo­ge aus Hu­go von Hof­mannst­hals „Je­der­mann“-Dra­ma von 1911.

Der nie­der­län­di­sche Ba­ri­ton Wi­ard Wi­tholt ver­kör­per­te den rei­chen „Je­der­mann“, der dem ei­ge­nen Tod ins Au­ge se­hen muss. Die Ge­fühls­not des Ster­ben­den brach­te Wi­tholt zum Aus­druck, in­dem er sei­ne Stim­me mal zit­tern, mal flüs­tern ließ. Über­zeu­gend setz­te er Mi­mik und Ges­ten ein. Sei­ne schre­ckens­star­re Hal­tung lös­te sich all­mäh­lich. „Ge­wöh­nungs­be­dürf­tig“fand Chris­ti­ne Beth­ke die „Je­der­mann“-Mu­sik mit ih­ren grel­len Ef­fek­ten. Der Sän­ger aber war ihr po­si­tiv auf­ge­fal­len. „Ich fand es in­ter­es­sant, wie er sich in die Rol­le hin­ein­be­ge­ben hat.“

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