Was SPD-Ba­sis über Gro­ko-Fra­ge denkt

Bergische Morgenpost Wermelskirchen - - WERMELSKIRCHENER ANZEIGER - VON SOL­VEIG PU­DEL­SKI

Al­le Par­tei­mit­glie­der sol­len dar­über ab­stim­men, wenn sich CDU und SPD zu Son­die­rungs­ge­sprä­chen über ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on durch­rin­gen und sich auf ei­ne Li­nie ei­ni­gen. In Wer­mels­kir­chen über­wie­gen die Gro­ko-Geg­ner.

WER­MELS­KIR­CHEN Die vie­len Stim­men der Par­tei­mit­glie­der für die gro­ße Po­li­tik in Ber­lin zäh­len: Wie­der könn­te die SPD-Par­tei­ba­sis über ei­ne mög­li­che gro­ße Ko­ali­ti­on (Gro­ko) mit der Uni­on ab­stim­men. In wel­che Rich­tung schlägt das Herz der Ge­nos­sen in Wer­mels­kir­chen? Soll im Bun­des­tag wie­der Schwar­zRot das Sa­gen ha­ben, nach­dem Ja­mai­ka so kläg­lich ge­schei­tert ist? Un­ter den Ge­nos­sen gibt es der­zeit of­fen­bar kein ein­hel­li­ges Ve­to für oder ge­gen die Gro­ko. Aber dass die Ba­sis zu dem The­ma be­fragt wer­de, sei genau der rich­ti­ge Weg, so der Te­nor.

Im SPD-Orts­ver­ein und im Kreis sei je­doch der über­wie­gen­de Teil ge­gen ei­ne Fort­set­zung der Gro­ko,

Rai­ner Bleek schil­dert Pe­tra We­ber ih­re Ein­drü­cke. „Auf dem jüngs­ten Kreis­par­tei­tag gab es ei­ne kla­re Ten­denz: Die meis­ten Mit­strei­ter sind eher für ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung, auch wenn wir dann die Po­li­tik in Ber­lin nicht groß mit­ge­stal­ten kön­nen, wenn wir kei­ne Mi­nis­ter­pos­ten ha­ben“, sagt die SPD-Orts­vor­sit­zen­de. Vie­le hät­ten die Be­fürch­tung, dass das Pro­fil der SPD bei Fort­set­zung der Gro­ko lei­den könn­te.

Nach­dem SPD-Bun­des­par­tei­vor­sit­zen­der Mar­tin Schulz nach der Bun­des­tags­wahl ver­kün­det hat­te, dass die SPD ei­ne Gro­ko ab­leh­ne und in die Op­po­si­ti­on ge­hen wer­de, ver­zeich­ne­te der rund 100 Mit­glie­der star­ke Wer­mels­kir­che­ner Orts­ver­ein meh­re­re Par­tei­ein­trit­te, er­in­nert Pe­tra We­ber – ein Be­leg, dass sich vie­le von der Rol­le in der Op­po­si­ti­on ei­ne Stär­kung der SPD er­hof­fen. Auf der an­de­ren Sei­te wer­de all- seits an das Pflicht­ge­fühl der SPD ap­pel­liert, al­les für sta­bi­le Mehr­heit im Bun­des­tag zu tun. Zu­dem hän­ge viel da­von ab, wel­che Er­geb­nis­se bei mög­li­chen Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen mit der Uni­on er­zielt wer­den, das heißt, wie stark die Ak­zen­te der SPD zum Tra­gen kom­men.

Bür­ger­meis­ter Rai­ner Bleek hat in die­sem Punkt kla­re Vor­stel­lun­gen: Die Zie­le der SPD, was so­zia­le Si­che­rungs­sys­te­me, Bil­dung, Aus­stat­tung der Schu­len und nicht zu­letzt ei­ne aus­rei­chen­de fi­nan­zi­el­le Aus­stat­tung der Kom­mu­nen an­be­langt, die seit Jah­ren über ei­ne Un­ter­fi­nan­zie­rung kla­gen, müss­ten sich in ei­nem ge­mein­sa­men Re­gie­rungs­pro­gramm von CDU und SPD wi­der­spie­geln. „Wir müs­sen et­was da­ge­gen tun, dass die Sche­re zwi­schen Arm und Reich wei­ter aus­ein­an­der­klafft, sonst kön­nen wir die Stär­kung der Rän­der (An­merk. der Red.: ex­trem rech­te und lin­ke Par­tei­en) nicht ein­däm­men“, warnt Bleek. Er hof­fe auf kon­kre­te Er­geb­nis­se, soll­te es zu Son­die­rungs­ge­sprä­chen zwi­schen den bei­den Par­tei­en kom­men. „Eins muss klar sein: Ein ganz kla­rer Wan­del in der Po­li­tik muss er­kenn­bar sein“, so Bleek.

Ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung hal­te er für kei­ne gu­te Lö­sung, weil die SPD oh­ne Mi­nis­ter­pos­ten we­nig Mög­lich­kei­ten ha­be, ih­re Po­si­ti­on dar­zu­stel­len. Im Üb­ri­gen füh­re aber auch kein Weg an ei­ner Er­neue­rung in­ner­halb der SPD vor­bei.

SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Jo­chen Bil­stein zeigt sich of­fen für bei­den Va­ri­an­ten: für ei­ne Fort­set­zung der Gro­ko und für ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung, in der man aber kla­re Ver­ein­ba­run­gen bei Kern­the­men wie Au­ßen-, Eu­ro­pa- und Flücht­lings­po­li­tik tref­fen soll­te. Ei­ner Gro­ko un­ter neu­en Be­din­gun­gen ge­gen­über sei er nicht ab­ge­neigt, die SPD ha­be in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gu­te Er­geb­nis­se er­zielt.

Rai­ner Bleek rech­net da­mit, dass die SPD-Ba­sis erst im Fe­bru­ar, März 2018 zur Ab­stim­mung ge­be­ten wer­de.

„Eins muss klar sein: Ein ganz kla­rer Wan­del in der Po­li­tik muss er­kenn­bar sein“

FO­TOS: RAI­NER JEN­SEN, SPD, JÜR­GEN MOLL (AR­CHIV)

Sit­zen die Par­tei­ge­nos­sen nächs­tes Jahr doch nicht auf der Op­po­si­ti­ons­bank? Dar­über ma­chen sich auch hie­si­ge SPD-Po­li­ti­ker Ge­dan­ken: Rai­ner Bleek, Pe­tra We­ber und Jo­chen Bil­stein (un­ten v.l.).

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