Ge­richt – So­zi­al­be­trug we­gen tra­gi­scher Um­stän­de

Bergische Morgenpost Wermelskirchen - - WERMELSKIRCHENER ANZEIGER - VON BERND GEIS­LER

WER­MELS­KIR­CHEN Wie aus dem Ei ge­pellt er­schien der An­ge­klag­te zu sei­ner Ver­hand­lung im Amts­ge­richt. Es war für den 36-Jäh­ri­gen das ers­te Mal, dass er sich we­gen ei­nes Ver­ge­hens vor Ge­richt ver­ant­wor­ten muss­te. Der Staats­an­walt warf ihm vor, wäh­rend ei­nes Zei­t­rau­mes von an­dert­halb Jah­ren un­be­rech­tigt Ar­beits­lo­sen­un­ter­stüt­zung be­zo­gen zu ha­ben. Der ver­ur­sach­te Scha­den war nicht un­er­heb­lich: 8567 Eu­ro. Er hat­te das Geld ge­nom­men, ob- wohl er wuss­te, dass es un­recht war. Er hat­te auch mehr­fach Ge­le­gen­heit ge­habt, die Än­de­rung sei­nes Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses bei der Agen­tur für Ar­beit (Ar­ge) an­zu­zei­gen: „Sie ha­ben im be­wuss­ten Zei­t­raum mehr­fach mit der Ar­ge Kon­takt ge­habt“, sag­te der Staats­an­walt. Der Mann nick­te. „Ich be­reue mei­nen Feh­ler zu­tiefst“, sag­te der Va­ter von drei Kin­dern.

Er hat­te auch be­reits be­gon­nen, den Scha­den wie­der gut zu ma­chen. Und dann er­läu­ter­te er dem Ge­richt, wie­so er das Geld ge­nom­men hat­te: Sei­ne Schwie­ger­mut­ter sei sehr krank, sag­te er. Da­mals hat­te die Fa­mi­lie noch die Hoff­nung ge­habt, ihr mit ei­ner kost­spie­li­gen

Der An­ge­klag­te The­ra­pie in Hö­he von 78.000 Eu­ro hel­fen zu kön­nen. Die Kran­ken­kas­se hat­te die Be­hand­lung nicht über­neh­men wol­len. Aber so viel Geld be­saß die Fa­mi­lie nicht.

Sie ver­such­te, den Be­trag über Öf­fent­lich­keits­ak­tio­nen auf­zu­brin­gen. Und da kam auch das Geld von der Ar­ge ge­ra­de recht. „Letzt­end­lich hat aber al­les nichts ge­nutzt“, sag­te der An­ge­klag­te. Sei­ne Fa­mi­lie rech­ne je­den Au­gen­blick mit dem Tod der Schwie­ger­mut­ter. Er er­war­te noch die­sen Mo­nat ei­ne Fest­an­stel­lung, und dann wer­de er auch das Geld in hö­he­ren Ra­ten zu­rück­zah­len.

Die per­sön­li­che La­ge der Fa­mi­lie tue ihm leid, sag­te der Staats­an­walt. Gleich­wohl ha­be der An­ge­klag­te ei­nen Be­trug be­gan­gen. Auch tra­gi- sche Um­stän­de recht­fer­tig­ten nicht, ei­ne Straf­tat zu be­ge­hen. Er for­der­te ne­ben der Rück­zah­lung des Scha­dens ei­ne Geld­stra­fe von 1500 Eu­ro. Dem ent­sprach der Rich­ter. Als straf­mil­dernd sah er aber an, dass der An­ge­klag­te sich zum ers­ten Mal schul­dig ge­macht hat­te, Reue zeig­te und be­gon­nen hat­te, den Scha­den zu­rück­zu­zah­len. Gleich­wohl sei der Scha­den be­trächt­lich. Der Ge­setz­ge­ber ha­be für sol­che Fäl­le ei­ne Frei­heits­stra­fe bis zu fünf Jah­ren vor­ge­se­hen. Mit der Geld­stra­fe be­we­ge man sich im un­te­ren Be­reich.

„Letzt­end­lich hat aber al­les nichts ge­nutzt“

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