Dämp­fer für den VfL – 0:1 ge­gen Er­furt

Ganz schwa­che ers­te Halb­zeit: 0:1 ge­gen Er­furt – Elf­me­ter­pfiff bleibt aus – Sav­ran ver­passt Aus­gleich

Bersenbrucker Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Ha­rald Pis­to­ri­us und Jo­han­nes Kapitza

hp/jka OS­NA­BRÜCK. Auf­wärts­trend ge­stoppt: Der VfL Os­na­brück hat am Frei­tag­abend in der 3. Fuß­ball-Li­ga ge­gen Rot-Weiß Er­furt mit 0:1 ver­lo­ren. Nach zu­letzt vier Spie­len oh­ne Nie­der­la­ge wie­der ein Dämp­fer für die Mann­schaft von Trai­ner Joe Enochs. Er­furt ging an der Bre­mer Brü­cke be­reits in der zwei­ten Mi­nu­te durch Ah­med Wa­seem Ra­ze­ek in Füh­rung. Der VfL zeig­te ei­ne schwa­che ers­te Halb­zeit – und lud die Er­fur­ter zu wei­te­ren Tor­chan­cen ein. Nach der Pau­se hat­ten die Gast­ge­ber die op­ti­sche Über­le­gen­heit, in der Schluss­pha­se auch Chan­cen zum Aus­gleich. Am En­de brach­ten die Thü­rin­ger das 1:0 aber über die Zeit.

Die Sport­freun­de Lot­te müs­sen heu­te (14 Uhr) beim Karls­ru­her SC oh­ne ih­ren er­krank­ten Stamm­tor­hü­ter Be­ne­dikt Fer­nan­dez aus­kom­men.

Der VfL hat um­ge­sto­ßen, was er sich müh­sam in den letz­ten Wo­chen auf­ge­baut hat­te. Bei der 0:1Nie­der­la­ge ge­gen Ro­tWeiß Er­furt reißt die klei­ne Se­rie von vier Spie­len oh­ne Nie­der­la­ge nach ei­ner lan­ge ent­täu­schen­den Vor­stel­lung.

OS­NA­BRÜCK. Im vier­ten Heim­spiel gab es zum drit­ten Mal kei­nen Sieg – und das un­ter dem Flut­licht, das schon oft zu­sätz­li­che Kräf­te ver­lieh. Doch erst in der letz­ten hal­ben St­un­de ließ sich der VfL von die­ser At­mo­sphä­re so sti­mu­lie­ren, dass es zu Tor­chan­cen reich­te. In die­ser Pha­se, als die Mann­schaft end­lich Biss zeig­te, fehl­te ihr auch ein Quänt­chen Glück.

Es war die­sel­be Start­elf wie beim 1:0 in Groß­as­pach, und doch ei­ne an­de­re Mann­schaft. In ei­ner ganz schwa­chen ers­ten Halb­zeit ließ der VfL fast al­les ver­mis­sen, was die Mann­schaft in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ge­zeigt hat­te und Hoff­nung auf mehr ge­macht hat­te.

Ei­ne läs­si­ge und durch­läs­si­ge De­fen­si­ve lud die lauf­freu­di­gen und an­griffs­lus­ti­gen Er­fur­ter von der ers­ten Mi­nu­te ein – das Füh­rungs­tor der Gäs­te fiel zwar schon nach 110 Se­kun­den, war aber nicht die ers­te Chan­ce. Wachs ließ Kamm­lott flan­ken, in der Mit­te ver­pass­te Fal­ken­berg und der frei ste­hen­de Ra­ze­ek traf ins lin­ke Eck – so fiel den Er­fur­tern die Füh­rung in den Schoß.

Der VfL er­kämpf­te sich ei­ne Feld­über­le­gen­heit, ver­gaß da­bei aber nicht, die Er­fur­ter mit Ball­ver­lus­ten in der Vor­wärts­be­we­gung zu Kon­tern ein­zu­la­den. Ei­ne Sze­ne, die den Na­men „Tor­chan­ce“ver­dient ge­habt hät­te, gab es in der ers­ten Halb­zeit für die Os­na­brü­cker nicht; die Pfif­fe zur Pau­se hat­te sich die Mann­schaft red­lich ver­dient; Trai­ner Enochs sprach spä­ter von ei­ner „über­heb­li­chen und ar­ro­gan­ten Spiel­wei­se“.

Der VfL brauch­te in der zwei­ten Hälf­te zwar ei­ne An­lauf­pha­se, zeig­te aber ein an­de­res Ge­sicht. Die Schwä­chen im Auf­bau- und Kom­bi­na­ti­ons­spiel wur­den kom­pen­siert mit Biss und Ent­schlos­sen­heit, mit druck­vol­le­ren, ein­fa­chen Ak­tio­nen.

Als Schieds­rich­ter Jöl­len­beck in der 56. Mi­nu­te nach ei­nem Foul von Menz an Ál­va­rez den fäl­li­gen Elf­me­ter nicht gab, flamm­te auf dem Ra­sen und auf den Rän­gen end­lich die At­mo­sphä­re auf, die Gäs­te-Trai­ner Ste­fan Krä­mer so ge­fürch­tet hat­te.

So ent­wi­ckel­te sich ein Sturm­lauf, dem lan­ge Prä­zi­si­on und Pro­duk­ti­vi­tät fehl­ten; zäh und bein­hart ver­tei­di­gen­de Er­fur­tern zo­gen sich tief zu­rück,und ver­ram­mel­ten ih­ren Straf­raum.

Und doch hät­te der VfL zu­min­dest den Aus­gleich – der ver­dient ge­we­sen wä­re – noch schaf­fen kön­nen, doch Sav­ran ver­gab zwei di­cke Chan­cen. Zu­nächst leg­te er – an­statt aus güns­ti­ger Po­si­ti­on selbst ab­zu­schlie­ßen – un­ge­nau auf für Ál­va­rez, der aus spit­zem Win­kel an Kle­win schei­ter­te (84.). We­ni­ge Se­kun­den vor dem En­de pa­rier­te der Er­fur­ter Tor­wart ei­nen an­satz­lo­sen Dreh­schuss von Sav­ran mit ei­ner star­ken Pa­ra­de; da­nach warf sich die hal­be Er­fur­ter Ab­wehr in die ver­zwei­fel­ten Nach­schuss­ver­su­che des VfL – das war´s.

„Vi­el­leicht war das ein lehr­rei­cher Abend“, sag­te Enochs, der den nicht ge­ge­be­nen Elf­me­ter nicht er­wähn­te und statt­des­sen sei­ner Mann­schaft öf­fent­lich die un­an­ge­neh­men Wahr­hei­ten des ach­ten Spiel­tags sag­te. Wer ein Spiel in die­ser von ei­ner ho­hen Leis­tungs­dich­te ge­kenn­zeich­ne­ten Li­ga so be­hä­big und lah­mar­schig be­ginnt, wird in den meis­ten Fäl­len be­straft.

Zu den un­an­ge­neh­men Wahr­hei­ten ge­hör­te ges­tern auch, dass die Er­fur­ter bei ei­nem Pfos­ten­schuss des star­ken Bi­anka­di (61.) die Vor­ent­schei­dung ver­pass­ten und kurz vor Schluss bei ei­nem Kon­ter an Gers­beck (90.+2) hän­gen blie­ben. Kein Grund al­so, sich den be­herz­ten, aber oft kopf­lo­sen Sturm­lauf schön­zu­re­den.

Der VfL hat in den letz­ten Wo­chen ei­ne er­freu­li­che Ent­wick­lung hin­ge­legt und nun ei­nen Rück­schlag er­lit­ten – nicht we­ni­ger, nicht mehr. Die Emp­feh­lung, wie die­ser Ein­druck zu kor­ri­gie­ren ist, kam nach dem Schluss­pfiff aus Tau­sen­den Keh­len in der Ost­kur­ve. „Wir woll’ n den Der­by­sieg“, skan­dier­ten die Fans.

Re­ak­tio­nen, Fo­tos und den Li­ve­ti­cker zum Nach­le­sen fin­den Sie auf www.noz.de/vfl

Fo­to: Hel­mut Kem­me

Die letz­te Chan­ce: Ha­lil Sav­ran schei­tert mit die­sem Flug­kopf­ball an der Er­fur­ter Ab­wehr.

Fo­to: Man­fred Mru­gal­la

Tor des Ta­ges: Der Er­fur­ter Ra­ze­ek be­zwingt Ma­ri­us Gers­beck be­reits in der zwei­ten Mi­nu­te..

Fo­to: Hel­mut Kem­me

Be­schwer­de: Mar­cos Al­va­rez wur­de ein Elf­me­ter ver­wei­gert.

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