DFB kürt mög­li­che EM-Stand­or­te 2022

DFB kürt Spiel­or­te für mög­li­che Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2024 – Bon­hof: Ich bin stink­sau­er

Bersenbrucker Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Frank Hell­mann

spo FRANK­FURT. Der Deut­sche Fuß­ball Bund hat die zehn Spiel­or­te für ei­ne mög­li­che Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2022 in Deutsch­land be­kannt ge­ge­ben. Bei der Kür blie­ben mit Bre­men, Han­no­ver, Mön­chen­glad­bach und Nürn­berg vier Städ­te und Sta­di­en auf der Stre­cke.

Han­no­ver und Bre­men blei­ben ge­nau wie Mön­chen­glad­bach und Nürn­berg als Spiel­or­te ei­ner mög­li­chen Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2024 au­ßen vor. Und dass aus­ge­rech­net die Hei­mat des DFB-Prä­si­den­ten beim Sta­di­on-Cas­ting un­be­rück­sich­tigt bleibt, ist aus Trans­pa­renz­grün­den ein gu­tes Zei­chen…

FRANK­FURT/MAIN. Sei­nen Fa­mi­li­en­wohn­sitz hat Rein­hard Gr­in­del nach wie vor in Ro­ten­burg an der Wüm­me. Und ei­ne Heim­fahrt in die nie­der­säch­si­sche Hei­mat hat der Prä­si­dent des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB) erst am Frei­tag wie­der an­ge­tre­ten, um sich St­un­den spä­ter die Bun­des­li­ga-Par­tie zwi­schen Han­no­ver 96 und dem Ham­bur­ger SV an­zu­se­hen. Dass der ge­bür­ti­ge Ham­bur­ger dem ho­hen Nor­den zu­ge­tan ist, spiel­te al­ler­dings gar kei­ne Rol­le, als der DFB die zehn Spiel­or­te ei­ner mög­li­chen EM 2024 be­nann­te.

Ne­ben Bre­men, das im Ran­king der bes­ten Sta­di­en fast er­war­tungs­ge­mäß den 14. und letz­ten Platz be­leg­te, fiel auch Han­no­ver durch. Um die bei­den Bun­des­li­gaStand­or­te an Masch­see und am We­ser­ufer macht das Groß­tur­nier mit 24 Na­tio­nen – wenn es denn in ei­nem Jahr von der Eu­ro­päi­schen Da­ch­or­ga­ni­sa­ti­on UE­FA wirk­lich an Deutsch­land ver­ge­ben wird – eben­so ei­nen Bo­gen wie um Nürn­berg und Mön­chen­glad­bach. „In frü­he­ren Jah­ren hät­te es das nicht ge­ge­ben. Da hat der Prä­si­dent im­mer was für sei­ne Hei­mat­re­gi­on ge­tan. Aber im neu­en DFB muss man sich an die Re­geln hal­ten“, er­klär­te Gr­in­del. Die Zei­ten sol­len ja be­en­det sein, dass sol­che Ent­schlüs­se auf Vor­ab­spra­chen in Hin­ter­zim­mern, Freun­des­diens­te un­ter Funk­tio­nä­ren und Po­li­ti­kern oder Mau­sche­lei­en in Män­ner­krei­sen zu­rück­ge­hen.

Fro­he Bot­schaf­ten gab es für die zehn Ge­win­ner, die sich in die­ser Rei­hen­fol­ge beim „Sta­di­on-und-Städ­teCas­ting“durch­setz­ten: Ber­lin, Mün­chen, Düs­sel­dorf, Stutt­gart, Ham­burg, Köln, Leip­zig, Dort­mund, Gel­sen­kir­chen und – ge­ra­de noch – Frank­furt. Bis auf Düs­sel­dorf wa­ren al­le Städ­te auch schon Schau­platz der WM 2006. „Al­le 14 Be­wer­ber wä­ren ge­eig­net ge­we­sen“, sag­te Gr­in­del, der selbst zum Te­le­fon griff, um Mar­tin Kind, Prä­si­dent von Han­no­ver 96, oder Klaus Fil­bry, Vor­stands­vor­sit­zen­der beim SV Wer­der, die Hin­ter­grün­de zu er­klä­ren.

Viel schwie­ri­ger, ge­stand der 55-Jäh­ri­ge, sei das Ge­spräch mit Mön­chen­glad­bach ge­we­sen, die nach der er­neu­ten Aus­boo­tung – auch zur WM 2006 rausch­te der Bo­rus­sia-Park durchs Rüt­tel­sieb – tief ent­täuscht wa­ren. „Ich bin kurz da­vor, dass mein Hals platzt. Ich bin nicht sau­er, son­dern stink­sau­er“, sag­te Rai­ner Bon­hof, Vi­ze­prä­si­dent von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. „Wir sind ir­gend­wo ge­lan­det. Un­ver­ständ­lich.“Um zu­ge­las­sen zu wer­den, hät­te Mön­chen­glad­bach al­ler­dings vor Gel­sen­kir­chen (Platz neun) lan­den müs­sen, weil im Wes­ten ma­xi­mal vier Stand­or­te zum Zu­ge kom­men konn­ten. DFBGe­ne­ral­se­kre­tär Fried­rich Cur­ti­us: „Es war ei­ne vor­bild­li­che Be­wer­bung, die von viel En­ga­ge­ment und En­thu­si­as­mus ge­tra­gen war.“Den per­sön­lich über­brach­ten Un­ter­la­gen la­gen 30 000 Un­ter­schrif­ten aus der Be­völ­ke­rung bei, doch emo­tio­na­le Fak­to­ren zähl­ten ja nicht.

Der et­was tech­no­kra­tisch an­mu­ten­de Aus­wahl­pro­zess speis­te sich aus 103 Kri­te­ri­en, die in ei­ne kom­pli­zier­te Ma­trix flos­sen, die das Ran­king er­rech­ne­te. 40 Pro­zent mach­ten das Sta­di­on, da­bei vor al­lem die Ka­pa­zi­tät und die Mo­bi­li­tät, sprich die Ver­kehrs­an­bin­dung aus.

Nach An­ga­ben von Gr­in­del hat­te Trans­pa­ren­cy In­ter­na­tio­nal Deutsch­land je­der­zeit Ein­blick in den Eva­lu­ie­rungs­pro­zess. „Wir wa­ren von An­fang an ein­ge­bun­den. Es war al­les lo­gisch und plau­si­bel auf­ge­baut“, be­stä­tig­te die Trans­pa­ren­cy-Be­auf­trag­te Syl­via Schenk. Es war auch für die Ju­ris­tin die al­ler­größ­te Über­ra­schung, dass Frank­furt als Sitz der wich­tigs­ten deut­schen Sport­or­ga­ni­sa­tio­nen bei­na­he sei­nen Top-TenPlatz ver­spielt hät­te. Cur­ti­us woll­te der The­se gar nicht wi­der­spre­chen, dass aus der Main-Me­tro­po­le ei­ne schlam­pi­ge Be­wer­bung ein­ge­gan­gen sei, nur for­mu­lier­te er das an­ders: „Sie hät­ten ei­ne bes­se­re Be­wer­bung ab­ge­ben kön­nen.“Dass der Rüf­fel vom DFB nicht ge­har­nisch­ter aus­fiel, dürf­te da­mit zu tun ha­ben, dass der Ver­band ja noch er­war­tet, sei­ne neue Aka­de­mie auf dem Ge­län­de der Ga­lopp­renn­bahn er­rich­ten zu kön­nen.

Wie sieht nun der Zeit­plan für den DFB mit der Eu­ro-Be­wer­bung aus? Nach der Zu­stim­mung durch sein Prä­si­di­um wird der Ver­band am 27. April 2018 of­fi­zi­ell in das Be­wer­bungs­ver­fah­ren star­ten. Bis da­hin müs­sen in­ter­es­sier­te Be­wer­ber ih­re Un­ter­la­gen bei der UE­FA ein­rei­chen, die dann im Sep­tem­ber 2018 die End­run­de ver­gibt. Ein­zi­ger Mit­be­wer­ber für 2024 ist bis­lang die Tür­kei. Aber kann das Land auf­grund der po­li­ti­schen La­ge ein ernst zu neh­men­der Kon­kur­rent sein? Der frü­he­re CDU-Po­li­ti­ker Gr­in­del ver­mied es, über den Mit­be­wer­ber zu spre­chen, weil ihm das nicht er­laubt sei. Nur so viel sei ge­sagt: „Wir wer­den die Wer­te des Fuß­balls hoch­hal­ten und Frei­heits­rech­te schät­zen. Aber es wä­re ein völ­lig fal­scher Ein­druck, das Ren­nen wä­re schon ge­lau­fen – es ist völ­lig of­fen.“Weil bei der UE­FA die Vor­lie­ben von Funk­tio­nä­ren näm­lich noch reich­lich Ge­wicht be­sit­zen.

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