Kla­ge um 900 000-Eu­ro-Pferd ab­ge­wie­sen

Ur­teil des Land­ge­richts Os­na­brück gibt Ha­ge­ner Pfer­de­händ­ler Kas­sel­mann recht

Bersenbrucker Kreisblatt - - OSNABRÜCKER LAND - Von Je­an-Charles Fays

Das Land­ge­richt hat ges­tern die Kla­ge um ein 900 000-Eu­ro-Pferd vom Hof Kas­sel­mann ab­ge­wie­sen. Nach Auf­fas­sung des Ge­richts konn­te die Klä­ge­rin aus der Schweiz nicht nach­wei­sen, dass die Ur­sa­chen für die spä­te­re Lahm­heit des Pfer­des be­reits beim An­kauf vor­la­gen.

OS­NA­BRÜCK. Aus­schlag­ge­bend für das Ur­teil war das Gut­ach­ten ei­ner Sach­ver­stän­di­gen von der Tier­ärzt­li­chen Hoch­schu­le Han­no­ver. Die Gut­ach­te­rin hat­te in ei­nem sie­ben­stün­di­gen Ver­hand­lungs­ma­ra­thon im Ju­li auf Ba­sis der Rönt­gen­bil­der der An­kauf­un­ter­su­chung da­von ge­spro­chen, dass das Dres­sur­pferd we­gen ei­nes ent­spre­chen­den Be­funds in die Rönt­gen­klas­se 3 ein­zu­stu­fen und dem­nach noch in ei­nem „Ak­zep­tanz­zu­stand“ge­we­sen sei.

Erst ein Jahr nach dem An­kauf im Jahr 2013 war bei ei­ner Un­ter­su­chung im Au­gust 2014 die Lahm­heit des Dres­sur­pferds „Lon­don­town S“nach­ge­wie­sen wor­den.

Als die Sach­ver­stän­di­ge im ver­gan­ge­nen Jahr „Lon­don­town S“un­ter­such­te, konn­te sie „nur ge­ring­gra­di­ge Lahm­heits­er­schei­nun­gen an man­chen Ta­gen der Un­ter­su­chung fest­stel­len“. Sie konn­te we­der aus­schlie­ßen, dass ei­ne äl­te­re Ver­let­zung zu der Läh­mung am vor­de­ren rech­ten Bein führ­te, noch konn­te sie aus­schlie­ßen, dass sich zwi­schen­zeit­lich an­de­re Grün­de für die Lahm­heit er­ge­ben ha­ben. Der Rechts­an­walt der Schwei­zer Klä­ge­rin stell­te dar­auf­hin den An­trag, dass die Be­weis­auf­nah­me wei­ter­geht und ein wei­te­res Er­gän­zungs­gut­ach­ten an­ge­fer­tigt wird.

Der Spre­cher des Land­ge­richts, Se­bas­ti­an Hoh­dorf, er­läu­ter­te auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on nach der Ur­teils­ver­kün­dung, dass der An­trag da­zu je­doch ver­spä­tet ein­ge­gan­gen sei. Er wies zu­dem dar­auf hin, dass es nach dem Gut­ach­ten noch ein Er­gän­zungs­gut­ach­ten ge­ge­ben ha­be und da­nach so­mit zwei­mal Fris­ten ge­setzt wor­den sei­en, um Nach­fra­gen zu stel­len, auf die die Sach­ver­stän­di­ge bei der Ver­hand­lung En­de Ju­li hät­te ein­ge­hen kön­nen.

Die Schwei­ze­rin hat­te dem Hof Kas­sel­mann vor­ge­wor­fen, sie arg­lis­tig über den Zu­stand des Pfer­des zum Zeit­punkt des An­kaufs ge­täuscht zu ha­ben und da­her die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges ge­for­dert. So­mit ver­lang­te sie die 750 000 Eu­ro, die sie net­to für das Dres­sur­pferd be­zahlt hat­te, und fast 50 000 Eu­ro für wei­te­re Kos­ten wie Pfle­ge, Trans­port, Un­ter­hal­tung und Heil­be­hand­lung zu­rück. Ins­ge­samt hat­te die Rei­te­rin 892 500 Eu­ro für das Pferd be­zahlt. Sie hat­te da­von ge­träumt, mit „Lon­don­town S“auf Gran­dP­rix-Ebe­ne, al­so auf höchs­tem in­ter­na­tio­na­len Ni­veau, zu reiten.

Das Ge­richt sah es je­doch als er­wie­sen an, dass die Klä­ge­rin das Pferd „in Kennt­nis von ge­wis­sen Be­fun­den“ge­kauft hat. Dem Ur­teil zu­fol­ge hat sie nicht nach­wei­sen kön­nen, dass sie den Kauf­ver­trag nicht ge­schlos­sen hät­te, wenn sie über wei­te­re Be­fun­de auf­ge­klärt wor­den wä­re. Bei der Be­weis­auf­nah­me hat­te ei­ne Pfer­de­pfle­ge­rin, die auf dem Hof Kas­sel­mann vor dem Kauf „Lon­don­town S“be­treut hat­te, be­stä­tigt, dass sie der Schwei­ze­rin über den Mes­sen­ger­dienst „Whats­app“be­rich­tet hat­te: „Es hät­te ein MRT ge­macht wer­den müs­sen, was aber nicht ge­wollt wor­den ist.“Auf Nach­fra­ge bei der Ver­hand­lung füg­te sie hin­zu, es so im Ohr zu ha­ben, dass der Tierarzt den Rat ge­ge­ben ha­be und es „von Be­sit­zer­sei­te nicht ge­wollt wur­de“. Der Tierarzt, der das Pferd bis zur An­kaufs­un­ter­su­chung be­treut hat­te, hat­te das je­doch ab­ge­strit­ten. So­mit war die Aus­sa­ge der Pfer­de­pfle­ge­rin, die mitt­ler­wei­le nicht mehr beim Hof Kas­sel­mann ar­bei­tet, nicht aus­sa­ge­kräf­tig ge­nug, um die Kam­mer da­von zu über­zeu­gen, dass die Lahm­heit be­reits beim Kauf vor­ge­le­gen hat.

Die Rechts­an­wäl­tin des Hofs Kas­sel­mann, Dag­mar Bor­chers, kom­men­tier­te das Ur­teil: „Der Pro­zess dau­er­te zwei Jah­re. Das zeigt, wie kom­pli­ziert der Fall war. Es freut uns na­tür­lich, dass das Ge­richt nun un­se­rer Rechts­auf­fas­sung ist.“Die Klä­ge­rin will sich in der kom­men­den Wo­che ent­schei­den, ob sie in Be­ru­fung geht.

Wei­te­re Be­rich­te

Sym­bol­fo­to: dpa

Beim Kauf lahm­te das 900 000-Eu­ro-Pferd vom Hof Kas­sel­mann noch nicht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.