Vor­wür­fe ge­gen LKA und Po­li­zei

For­de­rung nach Un­ter­su­chungs­aus­schuss im Fall Anis Am­ri

Bersenbrucker Kreisblatt - - POLITIK -

BER­LIN. Der Son­der­er­mitt­ler im Fall Anis Am­ri er­hob Vor­wür­fe ge­gen das Lan­des­kri­mi­nal­amt. Das LKA Ber­lin ha­be den spä­te­ren At­ten­tä­ter Am­ri im Fe­bru­ar 2016 kurz fest­ge­hal­ten und sein Han­dy be­schlag­nahmt. Das Vor­ge­hen sei bis da­hin völ­lig kor­rekt ge­we­sen – aber an­schlie­ßend sei­en die Da­ten aus dem Han­dy nicht aus­ge­wer­tet wor­den, ob­wohl mög­li­cher­wei­se wich­ti­ge Kon­tak­te zu is­la­mis­ti­schen Un­ter­stüt­zern dar­aus her­vor­ge­gan­gen wä­ren.

Als Am­ri am 30. Ju­li 2016 von der Bun­des­po­li­zei in Fried­richs­ha­fen bei der ge­plan­ten Aus­rei­se in die Schweiz fest­ge­nom­men wur­de, wur­de nach Josts Wor­ten „fast al­les falsch ge­macht, was man falsch ma­chen kann“. Die Ver­neh­mung sei ober­fläch­lich und nicht an Am­ris Sta­tus als is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der ori­en­tiert ge­we­sen. Die Po­li­zei ha­be sein Han­dy nicht be­schlag­nahmt.

Au­ßer­dem hät­te sich so­wohl die Kri­mi­nal­po­li­zei Ber­lin als auch die in NRW ein­schal­ten und Am­ri dort be­fra­gen müs­sen. „Es gab ei­ne rea­lis­ti­sche Chan­ce, ihn dort aus dem Ver­kehr zu zie­hen.“

Aus ei­nem ab­ge­hör­ten Te­le­fon­ge­spräch Am­ris mit ei­nem Freund vom 8. April 2016 ging her­vor, dass er doch ei­nen tu­ne­si­schen Rei­se­pass be­saß. Das hat­te er in sei­nem Asyl­ver­fah­ren im­mer be­strit­ten. Die Kri­po wur­de aber nicht ak­tiv – ob­wohl die Aus­län­der­be­hör­den Am­ri mit die­sem Wis­sen leich­ter hät­ten ab­schie­ben kön­nen.

Im Ter­ror­ab­wehr­zen­trum GTAZ von Bund und Län­dern wur­de der Fall Am­ri mehr­fach be­han­delt. Im Pro­to­koll vom 2. No­vem­ber 2016 fin­det sich nur der Hin­weis, es be­ste­he Ei­nig­keit, dass „auf Grund­la­ge der vor­lie­gen­den Er­kennt­nis­se kein kon­kre­ter Ge­fähr­dungs­sach­ver­halt er­kenn­bar ist“.

Nach dem An­schlag wur­de schnell die Iden­ti­tät des Tä­ters be­kannt. Der Ber­li­ner Se­nat ver­lang­te vom LKA In­for­ma­tio­nen über Am­ri. Da­bei ha­be ei­ner der Au­to­ren die Fak­ten über das Aus­maß von Am­ris Dro­gen­han­del „ab­sicht­lich ver­schwie­gen“, wie Jost fest­hielt.

Ber­lins In­nen­se­na­tor Gei­sel for­der­te ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­tags, weil die Feh­ler vor dem An­schlag län­der­über­grei­fend und auch auf Bun­des­ebe­ne be­gan­gen wur­den.

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