Ren­ten stei­gen, Bei­trä­ge sin­ken

Trotz vol­ler Kas­sen drin­gen­de Ap­pel­le an die Bun­des­re­gie­rung

Bersenbrucker Kreisblatt - - POLITIK - Von Uwe West­dörp

Vol­le Ren­ten­kas­sen, hö­he­re Ren­ten und nied­ri­ge­re Bei­trä­ge: Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund war­tet gleich mit ei­ner gan­zen Rei­he von gu­ten Nach­rich­ten auf. Trotz­dem blei­ben gro­ße Auf­ga­ben, so Alex­an­der Gun­kel, Vor­sit­zen­der des Bun­des­vor­stan­des der Ren­ten­ver­si­che­rung. Er for­dert, „die ge­setz­li­che Al­ters­si­che­rung de­mo­gra­fie­fest wei­ter­zu­ent­wi­ckeln“.

WÜRZ­BURG. Vor­stands­chef Alex­an­der Gun­kel be­stä­tig­te, dass die rund 21 Mil­lio­nen Rent­ne­rin­nen und Rent­ner in Deutsch­land Mit­te nächs­ten Jah­res wahr­schein­lich mit ei­ner Er­hö­hung ih­rer Al­ters­be­zü­ge um drei Pro­zent rech­nen kön­nen. Al­ler­dings woll­te er sich noch nicht auf ei­ne ge­naue Pro­zent­zahl fest­le­gen. Vor­aus­set­zung sei, dass sich Löh­ne und Ge­häl­ter wie der­zeit pro­gnos­ti­ziert ent­wi­ckel­ten, sag­te Gun­kel am Di­ens­tag in Würz­burg. Letzt­lich wer­de es dar­über erst An­fang kom­men­den Jah­res Klar­heit ge­ben. Mit­te des lau­fen­den Jah­res wa­ren die Ren­ten um 1,9 Pro­zent im Wes­ten und 3,59 Pro­zent im Os­ten ge­stie­gen, im Jahr zu­vor um 4,25 be­zie­hungs­wei­se 5,95 Pro­zent.

Gu­te Nach­rich­ten hat­te Gun­kel auch für die Bei­trags­zah­ler: „Nach den ak­tu­el­len Vor­aus­be­rech­nun­gen wird der Bei­trags­satz zum 1. Ja­nu­ar 2018 um 0,1 Pro­zent­punk­te auf 18,6 Pro­zent ge­senkt wer­den.“Bis 2022 dürf­te der Bei­trags­satz sta­bil blei­ben und erst im Jahr 2023 auf 18,7 Pro­zent stei­gen, so der Ar­beit­ge­ber­spre­cher wei­ter. Bis 2030 ist laut Gun­kel dann ein stu­fen­wei­ser An­stieg auf 21,3 Pro­zent zu er­war­ten.

Das Ren­ten­ni­veau, al­so das Ver­hält­nis zwi­schen Stan­dard­ren­te nach 45 Jah­ren und dem durch­schnitt­li­chen

Ein­kom­men, wird da­ge­gen per­spek­ti­visch stark ab­sin­ken, wenn die Po­li­tik nicht ge­gen­steu­ert. Im Jahr 2011 hat­te es noch bei 51,6 Pro­zent ge­le­gen, ak­tu­ell sind es 48,2 Pro­zent vor Steu­ern. Bis 2030 wird ein Rück­gang auf 45 Pro­zent und bis 2045 so­gar ein Ab­sin­ken auf 42,2 Pro­zent er­war­tet.

Gun­kel warn­te vor die­sem Hin­ter­grund, die lang­fris­ti­gen Per­spek­ti­ven nicht aus den Au­gen zu ver­lie­ren. Ak­tu­ell stün­den die ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge noch ganz über­wie­gend im ak­ti­ven Ar­beits­le­ben. Sie be­scher­ten den So­zi­al­kas­sen ein Zwi­schen­hoch. Die­se er­freu­li­che Si­tua­ti­on wer­de sich aber in ihr Ge­gen­teil ver­keh­ren, „wenn die­se stark be­setz­ten Jahr­gän­ge in Ren­te ge­hen und da­mit als Bei­trags­zah­ler aus­fal­len und zu Leis­tungs­emp­fän­gern wer­den“.

Zu­dem ha­ben vie­le schon be­schlos­se­ne Leis­tungs­aus­wei­tun­gen noch nicht ih­re vol­le Aus­ga­ben­wir­kung ent­fal­tet, so Gun­kel wei­ter. Er nann­te un­ter an­de­rem das neue Er­werbs­min­de­rungs­ge­setz. Mit Hin­weis auf die so­ge­nann­ten Müt­ter­ren­ten, die nach Vor­stel­lung der CSU ein wei­te­res Mal aus­ge­wei­tet wer­den sol­len, warn­te er da­vor, neue Leis­tun­gen ein­zu­füh­ren, „für die kei­ne Bei­trä­ge ge­zahlt wur­den“.

Auch An­ne­lie Bun­ten­bach, al­ter­nie­ren­de Vor­sit­zen­de des DRV-Bun­des­vor­stands, for­der­te er­neut, Leis­tun­gen wie die Müt­ter­ren­te als ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be aus Steu­er­mit­teln zu fi­nan­zie­ren. Mit dem Ren­ten­pa­ket von 2014 war be­schlos­sen wor­den, für Ge­bur­ten vor 1992 ein wei­te­res Jahr Kin­der­er­zie­hungs­zeit an­zu­er­ken­nen. Die jähr­li­chen Mehr­aus­ga­ben da­für be­lau­fen sich auf sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro. Soll­te die An­rech­nungs­zeit bei den Müt­ter­ren­ten auf zwei Jah­re aus­ge­dehnt wer­den, ist laut Bun­ten­bach mit noch ein­mal sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro Zu­satz­aus­ga­ben zu rech­nen.

Fi­nan­zi­ell steht die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung nach Darstel­lung von Gun­kel wei­ter­hin gut da. Nach sei­nen Wor­ten könn­te sie im lau­fen­den Jahr ei­ne „schwar­ze Null“er­rei­chen – mit Ein­nah­men und Aus­ga­ben von je­weils 293,2 Mil­li­ar­den Eu­ro. Zu­gleich steigt die Nach­hal­tig­keits­rück­la­ge, al­so die Ren­ten­re­ser­ve, um ei­ne hal­be Mil­li­ar­de auf 32,9 Mil­li­ar­den Eu­ro. Das ent­spricht 1,59 Mo­nats­aus­ga­ben.

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